Biografie

Joachim Fest

Der Geistes- und Sozialwissenschaftler avancierte in Journalismus und Wissenschaft zu einem der anerkanntesten zeitgeschichtlichen Publizisten Deutschlands. Seine größten Erfolge feierte Joachim Fest im Bereich der Biographik, wo er die Ambivalenz solcher Figuren wie Adolf Hitler und Albert Speer meisterhaft zum Ausdruck brachte. Durch die Verfilmung seiner Bücher, der Fest zuletzt für "Der Untergang" beratend zur Seite stand, wurde der Historiker und Publizist auch einem breiteren Publikum bekannt. Einen weiteren Höhepunkt seiner publizistischen Tätigkeit stellte 1975 die Herausgabe der geheimen Reden Heinrich Himmlers dar. Auf der Berlinale 1977 fand der von Christian Herrendoerfer erstellte Dokumentarfilm "Hitler - eine Karriere" eine ambivalente Aufnahme...

Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Bedeutende Geschichtsschreiber der Menschheitsgeschichte
Joachim Fest wurde am 8. Dezember 1926 in Berlin, Karlshorst geboren.

Sein Vater war als Oberschulrat tätig. Während der Gymnasialzeit wechselte die Familie nach Freiburg, wo Fest das Abitur ablegte. Nach Kriegsende nahm er ein Studium der Rechtswissenschaft, Geschichte, Soziologie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg auf. Fest setzte dann seine Studien an den Universitäten Frankfurt/Main und Berlin (West) fort, um sie 1953 abzuschließen. Während seiner Berliner Studienzeit trat Fest der Jungen Union bei, die er im Berliner Bezirk Neukölln vorübergehend leitete.

Für diesen Bezirk war er auch CDU-Abgeordneter. Nach Studienabschluss wandte sich Fest zunächst dem Journalismus zu. Er trat in den Berliner Radiosender RIAS ein, wo er als Redakteur für politische und zeitgeschichtliche Angelegenheiten tätig wurde. 1961 wechselte Fest nach Hamburg, um beim NDR als Chefdramaturg zu arbeiten. Außerdem fungierte er dort als stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel. Zwei Jahre später avancierte Fest beim selben Sender zum Chefredakteur und Leiter der Hauptabteilung Zeitgeschehen.

In dieser Funktion leitete er auch vorübergehend die Redaktion des zeitkritischen Politmagazins "Panorama". In den Jahren von 1968 bis 1972 ließ sich Fest beim NDR beurlauben, um seine zeithistorischen Forschungen voranzutreiben. Bereits 1963 hatte er die Untersuchung "Das Gesicht des Dritten Reiches" vorgelegt. Die deutsche Zeitgeschichte vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zur Geschichte der Bundesrepublik bildeten dann die Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Forschens und Schreibens.

Fest heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Eine größere, auch internationale Aufmerksamkeit fand Fest 1973 mit der Veröffentlichung seiner Biographie über Adolf Hitler, die auf der Frankfurter Buchmesse desselben Jahres gefeiert und von der durch den Autor selbst produzierten Fernsehsendung "Versuch eines Porträts" flankiert wurde. Fest wurde 1973 für die Hitler-Biographie mit dem Thomas-Dehler-Preis ausgezeichnet.

Einen weiteren Höhepunkt seiner publizistischen Tätigkeit stellte 1975 die Herausgabe der geheimen Reden Heinrich Himmlers dar. Auf der Berlinale 1977 fand der von Christian Herrendoerfer erstellte Dokumentarfilm "Hitler – eine Karriere" eine ambivalente Aufnahme: Für den Film, der auf Fests Hitler-Forschungen aufbaute, hatte der Hitler-Biograph Konzeption, Kommentare und Gesamtgestaltung geliefert. Neben einer Tätigkeit für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" arbeitete Fest von 1968 bis 1976 auch für den wissenschaftlichen Propyläen-Verlag in Darmstadt und Berlin.

Auch während seines wissenschaftlich-publizistischen Engagement blieb Fest dem Journalismus treu. So wurde er für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) tätig, deren Kulturteil er ab Jahresende 1973 leitete. Er wirkte für zwei Jahrzehnte als Herausgeber und politischer Redakteur der FAZ, wodurch er sich als einer der wenigen konservativen Intellektuellen in der von Studenten-, Frauen- und Bürgerbewegungen gekennzeichneten Bundesrepublik der 1970er und 1980er Jahre Anerkennung zu verschaffen wusste. 1981 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Stuttgart und den Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck.

Mitte der 1980er Jahre war Fest am Ausbruch des so genannten "Historikerstreits" über die Ursachen des Holocaust beteiligt, der maßgeblich zwischen dem Historiker Ernst Nolte und dem Philosophen Jürgen Habermas zum Teil auch im FAZ-Feuilleton ausgetragen wurde. Kurz darauf bewies der Historiker und Journalist sein Können auch in der Reisepublizistik: 1988 legte er mit dem Buch "Im Gegenlicht" eine anregende und genaue Beschreibung Süditaliens vor.

Im Zuge des Mauerfalls und des Zusammenbruchs des Sozialismus in Osteuropa ab 1989 setzte sich Fest zu Beginn der 1990er Jahre in mehreren Essays kritisch mit dem Ende der Gesellschaftsutopien auseinander. Weiterhin wurde er 1992 mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Zum Jahresende 1993 legte Fest seine Tätigkeit als Mitherausgeber und Kulturredakteur der FAZ nieder. Zugleich setzte er jedoch sein publizistisches Schaffen unermüdlich fort, dessen weitere Stationen eine Darstellung über den anti-nationalsozialistischen Widerstand, die er zum 50. Jahrestag des Hitler-Attentats von 1944 vorlegte, und 1999 eine Biographie über Hitlers Architekten Albert Speer waren.

Einen weiteren Höhepunkt seiner Publizistik bildete die eindrucksvolle Studie "Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches", die Fest 2002 vorlegte. Das Buch schildert die Umstände und Seelenlagen, unter denen Hitler und die Menschen in seiner Umgebung in den letzten Kriegstagen im Berliner Führerbunker seinem und Deutschlands Ende entgegenstrebten. Mit seinem Buch und beratender Stimme wirkte Fest maßgeblich auch an der Entstehung des gleichnamigen Kinofilms mit, der unter der Produktion von Bernd Eichinger und der Regie von Oliver Hirschbiegel im Herbst 2004 in die Kinos kam und sofort auf große Resonanz stieß.

Neben weiteren Preisen ehrte man Fest 2003 für sein Lebenswerk mit dem Preis für herausragende Biographik der Einhard-Stiftung. 2004 veröffentlichte Fest auch sein Buch "Begegnungen", in dem er sein Zusammentreffen und den Austausch mit bekannten Persönlichkeiten, wie etwa Hannah Arendt und Ulrike Meinhof, schildert.

Joachim Fest stab am 11. September 2006 in Kronberg im Taunus.


Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Bedeutende Geschichtsschreiber der Menschheitsgeschichte
Ausgewählte Publikationen von Joachim Fest:


1963 - Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft

1973 - Hitler. Eine Biographie

1975 - Hitler – Gesichter eines Diktators (Mitherausgeber)

1975 - Die unwissenden Magier. Über Thomas und Heinrich Mann und die Politik

1977 - Der zerstörte Traum. Vom Ende des utopischen Zeitalters

1981 - Aufgehobene Vergangenheit

1986 - Der tanzende Tod

1988 - Im Gegenlicht. Eine italienische Reise

1989 - Geschichte der Bundesrepublik in sechs Bänden (Mitherausgeber)

1991 - Der zerstörte Traum

1992 - Wege zur Geschichte. Über Theodor Mommsen, Jacob Burckhardt und Golo Mann''

1993 - Die schwierige Freiheit. Über die offene Flanke der offenen Gesellschaft

1994 - Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli 1944

1999 - Speer. Eine Biographie

2001 - Horst Janssen. Selbstbildnis von fremder Hand

2002 - Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches

2004 - Im Gegenlicht. Eine italienische Reise / Neuausgabe

2004 - Begegnungen. Über nahe und ferne Freunde

2005 - Der lange Abschied vom Bürgertum. Joachim Fest und Wolf Jobst Siedler im Gespräch mit Frank A. Meyer

2006 - Ich nicht - Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend

NameJoachim Fest

Geboren am08.12.1926

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortBerlin (D).

Verstorben am09.11.2006

TodesortKronberg i.T. (D).

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