Biografie

Jürgen Habermas

Der Philosoph und Soziologe gehört zu den meistbeachteten Denkern unserer Zeit. Er war Vertreter der Frankfurter Schule, Schüler von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer und lieferte seit den 1970er Jahren innovative Impulse in der Sozialwissenschaft. Jürgen Habermas stellte eine diskursive Konsenstheorie der Wahrheit auf, in der er im Bürgertum die Möglichkeit des kritischen Gespräches angelegt sieht. Auch geht es ihm um Bedingungen und Form dieses Gespräches. Seine Diskursethik macht den Diskurs zum bestimmenden Kriterium der Ethik. Habermas war indes an allen großen theoretischen Debatten der Bundesrepublik beteiligt, ebenso bezog er zu gesellschaftspolitischen und historischen Ereignissen Stellung...
Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren.

Habermas besuchte das Gymnasium in Gummersbach. Von 1949 bis 1954 studierte er Psychologie, Philosophie, Ökonomie und Deutsche Literatur in Göttingen, Zürich und Bonn. Mit dem Thema "Das Absolute in der Geschichte. Eine Untersuchung zu Schellings Weltalterphilosophie" promovierte er an der Bonner Universität zum Dr. phil. 1955 heiratete Habermas Ute Wesselhoeft, mit der er Vater der drei Kinder Tilmann, Rebekka und Judith wurde. In den Jahren von 1954 bis 1956 war Habermas als Berufsjournalist tätig.

Im Anschluss daran führte ihn ein Ruf Theodor W. Adornos als Mitarbeiter an das Institut für Sozialforschung in Frankfurt/M. Bei dieser Tätigkeit lernte er auch die empirische Sozialforschung kennen, die ihn zur kritischen Gesellschaftstheorie führte. 1961 habilitierte Habermas über den "Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft". Die Schrift entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem bahnbrechenden Standardwerk. Im gleichen Jahr wurde er außerordentlicher Professor für Philosophie in Heidelberg. Er war Mitverfasser einer Arbeit des Frankfurter Sozialforschungsinstituts über das politische Bewusstsein der Studenten in Westdeutschland.

Zu der Schrift "Student und Politik" steuerte Habermas das Vorwort bei. Darin äußerte er erstmals seine Auffassung vom Wesen des demokratischen Rechtsstaates, für den er eine Willensbildung ohne Zwang postulierte. In der Zeit von 1964 bis 1971 hatte Habermas eine Professur für Philosophie und Soziologie an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt/M. inne. Er wurde zum populärsten Repräsentanten der Kritischen Theorie, die sich aus der Frankfurter Schule entwickelte. Im Zuge der Studentenbewegung der ausgehenden 1960er Jahre ließ sich Habermas von der gemäßigten Linken vereinnahmen, den Radikalismus der übrigen Studentengruppen lehnte er jedoch ab. Die Schrift "Erkenntnis und Interesse", die 1968 publiziert wurde, machte ihn international bekannt.

Von 1971 bis 1983 war Habermas Direktor des Starnberger Max-Planck-Instituts. Dort widmete er sich der Erforschung der Lebensbedingungen in der wissenschaftlich-technischen Welt. Seine Schriften "Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus" und "Rekonstruktion des bürgerlichen Materialismus" erschienen 1973 beziehungsweise 1976. Zu den Auszeichnungen Habermas' zählten bereits der Hegel-Preis der Stadt Stuttgart (1976) und der Sigmund-Freud-Preis in Darmstadt (1976), der Adorno-Preis (1980), die Ehrendoktorwürde der New School for Social Research in New York (1981), der Geschwister-Scholl-Preis (1985), die Wilhelm-Leuschner-Medaille (1985), der Sonnig-Preis (1987), der Heidelberger Karl-Jaspers-Preis (1995) und der Theodor-Heuss-Preis (1999).

Der Philosoph wurde außerdem mit der Ehrendoktorwürde der Universitäten Jerusalem, Buenos Aires und Hamburg (1989), der Universitäten Utrecht und Northwestern University Evanston (1991), der Universität Athen (1993) und der Universität Tel Aviv (1999) ausgezeichnet. Habermas' Hauptwerk "Theorie des kommunikativen Handelns" erschien 1981. Elf Jahre später wurde seine zweite zentrale Arbeit mit dem Titel "Faktizität und Geltung" publiziert. Darin werden philosophische Analysen mit den Forderungen moderner Sozialwissenschaften verbunden. 1983 wurde er in die "Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung" in Darmstadt aufgenommen. 1983 kehrte Habermas wieder an die Frankfurter Universität zurück, um dort bis 1994 als Professor für Philosophie zu lehren, wobei er sich auf den Bereich der Sozial- und Geschichtsphilosophie konzentrierte.

In dieser Zeit schaltete er sich maßgeblich in die Debatten über den Positivismusstreit, über die Postmoderne und den Autoritarismus sowie den zivilen Ungehorsam und die Systemtheorie ein. Den Historiker Ernst Nolte kritisierte der Philosoph Mitte der 1980er Jahre im sogenannten "Historiker-Streit". Dabei griff Habermas die durch Nolte vorgenommene Relativierung des ungeheuerlichen Genozids an den Juden im Dritten Reich scharf an. Habermas' 1992 veröffentlichtes Werk "Faktizität und Geltung" handelt von der Theorie des Rechtsstaates. 1995 wurde die Arbeit mit dem Titel "Die Normalität einer Berliner Republik" publiziert. Zu seinen weiteren Werken gehören unter anderem die Studie "Die Einbeziehung des Anderen" (1996), der Essay "Vom sinnlichen Eindruck zum symbolischen Ausdruck" (1996) sowie die Aufsatzsammlung "Wahrheit und Rechtfertigung" (1999).

Habermas wurde 2001 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Im Herbst 2004 erhielt er den Kyoto-Preis für Kunst und Philosophie in Japan überreicht. Im selben Jahr erschien der Titel "Der gespaltene Westen. Kleine politische Schriften X". Am 15. September 2007 eröffnete er in Rom einen dreitägigen Kongress mit dem Titel "Religion und Politik in der postsäkularen Gesellschaft".


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
1954
Das Absolute und die Geschichte. Von der Zwiespältigkeit in Schellings Denken

1961
Student und Politik. Eine soziologische Untersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten (zus. mit L. v. Friedburg, Ch. Oehler und F. Weltz)

1962
Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft (Habil.)

1963
Theorie und Praxis. Sozialphilosophische Studien

1968
Erkenntnis und Interesse, Frankfurt a.M..

1968
Technik und Wissenschaft als "Ideologie"

1969
Protestbewegung und Hochschulreform

1970
Zur Logik der Sozialwissenschaften, Tübingen

1971
Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie. Was leistet die Systemforschung? (zus. mit Niklas Luhmann)

1971
Philosophisch-politische Profile, Frankfurt a.M.

1973
Kultur und Kritik. Verstreute Aufsätze

1973
Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus

1976
Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus

1981
Theorie des kommunikativen Handelns (Bd. 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung; Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft)

1981
Kleine politische Schriften I-IV, Frankfurt a.M.

1983
Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln

1985
Die neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V.

1984
Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns

1987
Eine Art Schadensabwicklung. Kleine Politische Schriften VI.

1988
Nachmetaphysisches Denken. Philosophische Aufsätze

1988
Der philosophische Diskurs der Moderne

1990
Die nachholende Revolution. Kleine politische Schriften VII.

1990
Die Moderne – Ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-politische Aufsätze

1991
Erläuterungen zur Diskursethik

1991
Texte und Kontexte

1991
Vergangenheit als Zukunft? Das alte Deutschland im neuen Europa? Ein Gespräch mit Michael Haller

1992
Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates

1995
Die Normalität einer Berliner Republik. Kleine Politische Schriften VIII.

1996
Die Einbeziehung des Anderen. Studien zur politischen Theorie

1997
Vom sinnlichen Eindruck zum symbolischen Ausdruck. Philosophische Essays

1998
Die postnationale Konstellation. Politische Essays

1999
Wahrheit und Rechtfertigung. Philosophische Aufsätze

2001
Zeit der Übergänge. Kleine Politische Schriften IX.

2001
Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?

2001
Kommunikatives Handeln und detranszendentalisierte Vernunft

2004
Der gespaltene Westen. Kleine politische Schriften X.

2005
Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufsätze
1980
Theodor-W.-Adorno-Preis

1985
Geschwister-Scholl-Preis für Die neue Unübersichtlichkeit

1986
Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis

1987
Sonning-Preis der Universität Kopenhagen

1995
Karl-Jaspers-Preis

1999
Hessischer Kulturpreis

2001
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

2004
Kyoto-Preis (zur Dankesrede siehe Weblinks)

2006
Bruno-Kreisky-Preis (zur Dankesrede siehe Weblinks)

2006
Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen

NameJürgen Habermas

Geboren am18.06.1929

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortDüsseldorf (D).