Biografie

Ernst Nolte

NameErnst Nolte

Geboren am11.01.1923

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortWitten / Ruhr (D).

Ernst Nolte

Der Lehrersohn positionierte sich in den 1960er Jahren mit seinen Aufsehen erregenden Faschismus-Forschungen gegenüber den Totalitarismustheorien der internationalen Zeitgeschichte. Als Hochschulprofessor für Geschichte avancierte Ernst Nolte mit seiner These über einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Archipel Gulag und Auschwitz zum international umstrittensten Zeithistoriker, der Mitte der 1980er Jahre mit dem "Historikerstreit" eine der größten öffentlichen Debatten im westlichen Nachkriegsdeutschland auslöste...
Ernst Nolte wurde am 11. Januar 1923 in Witten an der Ruhr geboren.

Sein Vater war Rektor einer Volksschule. Nachdem Nolte 1941 das Abitur abgelegt hatte, studierte er Philosophie, Deutsch und Griechisch an den Universitäten Münster, Berlin und Freiburg. Einen ersten Studienabschluss erlangte er 1945. Nach Kriegsende betrieb Nolte weitere Studien an der Universität Freiburg, die er 1952 mit der philosophischen Promotion abschloss. Inzwischen hatte er jedoch bereits als Gymnasiallehrer für Deutsch und Griechisch zu arbeiten begonnen. Dies führte ihn bis 1965 an Schulen nach Paderborn, Brühl, Neuss und Bad Godesberg. Die akademisch-wissenschaftliche Betätigung führte Nolte jedoch auch als Lehrer fort. Nolte widmete sich ausgiebig zeitgeschichtlichen Studien und Forschungen und publizierte 1963 das bahnbrechende Werk "Der Faschismus in seiner Epoche", das mit Unterstützung des Historikers Theodor Schieder im Jahr darauf als Habilitationsschrift an der Universität Köln angenommen wurde.

Mit der Aufsehen erregenden Schrift, die zahlreiche, auch internationale Neuauflagen erfuhr, positionierte sich Nolte in der nach Kriegsende in der deutschen und angelsächsischen Geschichtswissenschaft neu entbrannten Debatte über die Totalitarismustheorien. Gegenüber einer Gleichsetzung von Faschismus, Nationalsozialismus und Bolschewismus als totalitäre Systeme strich er die Besonderheiten des Faschismus heraus, die er in dessen verschiedenen europäischen Bewegungen 1918 bis 1945 nachwies. Als Privatdozent übernahm Nolte noch 1964 zunächst einen Lehrauftrag für Neuere Geschichte an der Universität Köln. Bereits ein Jahr später erfolgte die Berufung auf einen ordentlichen Lehrstuhl an der Universität Marburg. Hier trieb er seine Forschungen über den europäischen Faschismus voran, die 1967 die Publikation der Quellenedition "Theorien über den Faschismus" zum Ergebnis hatten.

Nolte erhielt 1973 einen Ruf an die Freie Universität (FU) Berlin, wo er für fast zwei Jahrzehnte, bis 1991, am Friedrich-Meinecke-Institut Neue Geschichte lehrte. Hier entwickelte der Historiker sein ideologiegeschichtliches Gedankengebäude, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts prinzipiell auf das Wirken zweier antagonistischer Kräfte oder Ideen zurückführt: Der vom Vernichtungspotenzial der russischen Oktoberrevolution von 1917 ausgelöste Antimarxismus habe die ideologische Begründung für den Nationalsozialismus und Holocaust gebildet. Dezidiert brachte Nolte diese These über die Ursachen der nationalsozialistischen Katastrophe Mitte 1986 in einem FAZ-Aufsatz zum Ausdruck, der einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus, zwischen Archipel Gulag und Auschwitz herstellte und damit eine der größten und kontroversesten öffentlichen Debatten im westlichen Nachkriegsdeutschland auslöste.

Zum Hauptkritiker Noltes in diesem so genannten "Historikerstreit" avancierte der Philosoph Jürgen Habermas, der mit einer Reihe anderer Publizisten die Singularität des Holocaust gegen die revisionistischen Umdeutungsversuche neokonservativer Zeithistoriker zu verteidigen suchte. Die These Noltes, der Archipel Gulag sei "ursprünglicher" als Auschwitz, der Holocaust mithin eine direkte Folge aus dem bolschewistischen Vernichtungskrieg, stieß auch in der internationalen Wissenschaft auf Kritik. 1987 erhielt Noltes Werk "Der Europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus", mit dem er seine These ausführlich zu belegen suchte, empörte Rezensionen der Historikerfachwelt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG setzte im Frühjahr 1987 die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Historiker aus, dessen Seminare an der Westberliner FU überdies vom studentischen Protest gesprengt wurden.

Nach seiner Emeritierung als Hochschullehrer 1991 nutzte Nolte auch weiterhin zahlreiche öffentliche Auftritte, um seine umstrittenen Thesen über die Ursachen von Nationalsozialismus und Holocaust weiter zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen. Einen internationalen Skandal beschwor Nolte 1994 in einem SPIEGEL-Interview herauf, in dem er den Gaskammertod von Millionen Juden in Frage stellte. 1998 publizierte er die Abhandlung "Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?", welche die Verantwortung Hitlers für den Genozid an den Juden relativierte und in der Fachöffentlichkeit als antisemitisch kritisiert wurde. Im Juni 2000 wurde Nolte für sein Lebenswerk mit dem Konrad-Adenauer-Preis für Wissenschaft ausgezeichnet. Den Protesten der Fachwelt schloss sich die CDU-Vorsitzende Angela Merkel an, die eine Laudatio auf den umstrittenen Historiker verweigerte.

Nachdem 2003/04 der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann wegen seiner als antisemitisch betrachteten Rede zum Tag der Deutschen Einheit aus Partei und Fraktion ausgeschlossen worden war, erklärte Nolte Hohmann zum tapferen und respektablen Streiter für Meinungs- und Gewissensfreiheit.

Nolte ist mit Theodore-Anneliese geb. Mortier verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.


Bedeutende Geschichtsschreiber der Menschheitsgeschichte

NameErnst Nolte

Geboren am11.01.1923

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortWitten / Ruhr (D).

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