Biografie

Hannah Arendt

Die deutsche Philosophin wurde vor allem durch ihre Arbeiten zum Totalitarismus international bekannt. Außerdem setzt sie sich mit dem sensiblen Problem Antisemitismus als politische Weltanschauung kritisch auseinander. Hannah Arendt war die erste Frau, die einen Lehrstuhl an der Princeton University innehatte. Sie befasste sich unter anderem mit den soziologisch-anthropologischen Kategorien Arbeit, Herstellen und Handeln. Arendt verschaffte der menschlichen Grundsituation von Sein und Tun eine neue dialektisch-anthropologische Perspektive. Ihr Hauptwerk trägt den Titel "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" (1951/dt. 1955). Weiter verfasste sie Essays über Walter Benjamin und Berthold Brecht und biografierte Rahel Varnhagen...
Hannah Arendt wurde als Tochter des Ingenieurs Paul Arendt und seiner Frau Martha, geborene Cohn, am 14. Oktober 1906 in Linden, nahe Hannover, geboren.

Arendt verbrachte ihre Kinder- und Jugendzeit im jüdischen Elternhaus mit sozialdemokratischer Gesinnung. Nach der Schule begann sie an den Universitäten Marburg, Freiburg im Breisgau und Heidelberg Theologie und Philosophie zu studieren. Sie war unter anderem Schülerin von Martin Heidegger, Karl Jaspers und Edmund Husserl. 1928 schloss sie ihr Studium mit der Promotion zum Dr. phil ab. Ihre Dissertationsarbeit trägt den Titel "Liebesbegriff bei Augustin". Ihr Doktorvater war Karl Jaspers, mit dem sie zeit ihres Lebens eine freundschaftliche Verbindung hielt. 1929 zog sie nach Berlin. Dort heiratete sie im gleichen Jahr den Philosophen Günther Anders.

In dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Arbeiten zur deutschen Romantik. 1933 waren die Untersuchungen dazu abgeschlossen, die Ergebnisse fasste sie unter dem Titel "Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik" zusammen. Das Buch wurde aber erst 1959 veröffentlicht. Es ist eine gelungene Biographie über die Frau des Schriftstellers Karl August Varhagen von Ense. Rahel Varnhagen nahm großen Einfluss auf das zeitgenössische literarische Leben durch ihren berühmten Salon, in dem Adalbert von Chamisso, Heinrich Heine, Wilhelm von Humboldt und der Philosoph und Theologe Friedrich Ernst David Schleiermacher verkehrten.

Die Recherchen zu dieser Biographie machten Hannah Arendt bekannt mit den Bedingungen der sozialen Anpassung von Juden. Ihre Erkenntnisse daraus entwickelte sie weiter zu existenzphilosophischen Anschauungen. Im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde Hannah Arendt kurzzeitig von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) festgenommen. Daraufhin emigrierte sie über die Schweiz nach Paris. Dort wirkte sie als Sozialarbeiterin bei jüdischen Einrichtungen. In dieser Zeit schloss sie sich der Initiative "World Zionist Organization" an und lernte den philosophischen Schriftsteller Walter Benjamin kennen, woraus sich eine freundschaftliche Verbindung ergab.

Im Jahr 1935 reiste sie erstmals nach Palästina. Zwei Jahre später wurde ihr Ehe geschieden. 1940 heiratete sie den Philosophen Heinrich Blücher. Im selben Jahr, 1940, siedelte sie in die USA über. Dort betätigte sie sich als Journalistin und verfasste politische Beiträge für das deutsch-jüdische Wochenblatt "Aufbau". In der Zeit von 1944 bis 1946 füllte sie die Position der Forschungsleiterin der Conference on Jewish Relations. Danach betätigte sie sich drei Jahr lang als Lektorin im Salman Schocken Verlag. In den Jahren von 1948 bis 1952 engagierte sie sich als Leiterin der Jewish Cultural Reconstruction Organization, die sich den Erhalt des jüdischen Kulturguts zur Aufgabe machte.

Innerhalb der beiden Jahre 1949 und 1950 besuchte sie erstmals nach dem Kriegsende Deutschland. 1951 wurde Hannah Arendt amerikanische Staatsbürgerin. Im gleichen Jahr erschien ihr Hauptwerk "Origins of Totalitarianisme". Die Abhandlung wurde im Jahr 1955 unter dem Titel "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" in Deutschland veröffentlicht. In ihren Untersuchungen zu den Bedingungen des Totalitarismus im 19. Jahrhundert verband sie diese mit dem Entstehen von Antisemitismus und stellte Vergleiche zwischen Faschismus und Stalinismus an. Mit dem Werk machte sie sich einen Namen als angesehene Forscherin für gesellschafts- und politikwissenschaftliche Themen.

Im Jahr 1953 kam sie einem Ruf an das Brooklyn College in New York nach. Hannah Arendt wurde im Jahr 1958 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Jahr darauf wurde sie von der Stadt Hamburg mit dem Lessing-Preis geehrt. 1960 wurde ihre Untersuchung "Vita activa oder vom tätigen Leben" veröffentlicht. In ihrer darin dargelegten Handlungstheorie benennt sie die Arbeit, das Herstellen und das Handeln als drei Typen menschlicher Aktivität. 1961 berichtete sie vom Eichmann-Prozess in Jerusalem für die Zeitschrift "New Yorker". Ihre Artikel lösten kontroverse Diskussionen aus wegen ihrer kritischen Bemerkungen zum Verhalten der Judenräte und der Darstellung von Adolf Eichmann.

Arendt fasste diese journalistischen Beiträge zu einem Buch mit dem Titel "Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen" zusammen. Das Werk erschien im Jahr 1963, ebenso wie der Titel "Über die Revolution", der von der Vernichtung politischer Herrschaft handelt. 1963 folgte Hannah Arendt einer Berufung an die University of Chicago. Im Jahr 1966 lernte sie den Schriftsteller Uwe Johnson kennen. Im Jahr darauf wechselte sie an die New School for Social Research in New York. 1968 leitete sie das Institute of Arts and Letters als Vizepräsidentin. Zwei Jahre darauf wurde ihr Werk mit dem Titel "Macht und Gewalt" ediert. Hannah Arendt trat im Jahr 1973 dem Vorstand des amerikanischen PEN-Zentrums bei.

Hannah Arendt starb am 4. Dezember 1975 in New York.

NameHannah Arendt

Geboren am14.10.1906

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortHannover (D).

Verstorben am04.12.1975

TodesortNew York (USA)