Biografie

Ulrike Meinhof

Die deutsche Geistes-, Sozialwissenschaftlerin und Journalistin schlug im Zuge des politischen Aufbruchs von 1968 den Weg einer radikalen politischen Praxis ein, die auf gezielte Gewaltanwendung setzte. Sie verfasst zunächst noch Artikel zur Atomwaffenfrage, organisierte Anti-Atomwaffen-Veranstaltungen, -Unterschriftensammlungen, -Märsche und - Protestdemonstrationen. Indes wurde sie Gründungsmitglied und Führungsperson der ersten Generation der "Rote Armee Fraktion" (RAF), deren ideologisches Konzept Ulrike Meinhof maßgeblich verfasste. Meinhof war darauf an der Baader-Befreiung 1970 sowie an fünf Sprengstoffanschlägen 1972 mit vier Todesopfern beteiligt. 1972 verhaftet, beging sie 1976 in der Haft Suizid...

Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
Ulrike Meinhof wurde am 7. Oktober 1934 in Oldenburg geboren.

Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs sie bei Professor Renate Riemeck, einer Freundin des Hauses, auf. Die Historikerin und spätere Gründerin der Deutschen Friedens-Union vermittelte ihr erstmals pazifistisches und sozialistisches Ideengut. Nach dem Abitur nahm Ulrike Meinhof in Marburg und Münster ein Studium der Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik auf. Während der Münsteraner Studienzeit tat sie sich mit der Organisation von Demonstrationen gegen die Aufrüstung der Bundeswehr hervor.

Im Jahr 1960 begann Meinhof für die Hamburger Zeitschrift "konkret" zu arbeiten. Ein Jahr später heiratete sie deren Chefredakteur Klaus Rainer Röhl. Bis 1964 arbeitete Meinhof als Chefredakteurin des Blattes. Inhaltliche und politische Differenzen in der Gestaltung der Zeitschrift führten 1968 die Trennung von Röhl herbei. Meinhof wechselte nach Berlin, wo sie sich mit Filmbeiträgen für das Politmagazin "Panorama", mit Lehraufträgen an der Freien Universität Berlin (FU) und anderen publizistischen Auftragsarbeiten über Wasser hielt. Für den Südwestfunk entstand in jenen Jahren das Fernsehspiel "Bambule".

Das bisher sozialkritisch und sozialpolitisch ausgerichtete Engagement Meinhofs erhielt 1970 eine radikale Wende. Sie organisierte die gewaltsame Befreiung von Andreas Baader, der durch spektakuläre Kaufhausbrandstiftungen den Weg der linksrevolutionären Gewalt propagiert hatte. Meinhof und Baader tauchten in den Untergrund ab und begaben sich zur militärischen Ausbildung zunächst in den Nahen Osten. In den folgenden Jahren bildete Meinhof zusammen mit Baader, Gudrun Ensslin und Holger Meins den harten Kern der sogenannten "Baader-Meinhof-Bande", die durch Gewaltaktionen in der Bundesrepublik immer wieder auf sich aufmerksam machte.

Die sich bald als "Rote Armee Fraktion" (RAF) titulierende linksrevolutionäre Gruppe war im Mai 1972 für Bombenattentate in mehreren deutschen Städten, darunter auch gegen das US-Hauptquartier in Heidelberg, verantwortlich, wobei vier Menschen ihr Leben verlohren. Im Juni konnte jedoch neben Andreas Baader, Holger Meins und Gudrun Ensslin auch Meinhof von der Polizei gefasst werden. Meinhof wurde wegen der Mithilfe zur Befreiung Baaders zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Mit der Inhaftierung der ersten Generation der RAF begann die Rekrutierung neuer Aktivisten und Sympathisanten, zu der vor allem der erste Hungerstreik der Gefangenen von 1973 beitrug.

Ein zweiter Hungerstreik, den Meinhof im September 1974 begonnen hatte, führte im November zum Tod von Holger Meins in der Strafvollzugsanstalt Wittlich. Der Tod eines Häftlings in einer staatlichen Anstalt und die auf völliger Isolation beruhenden Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, wohin die übrigen RAF-Gefangenen verlegt wurden, lösten in der Öffentlichkeit eine Debatte über die staatliche Überreaktion im Kampf gegen den Terrorismus aus. Verstärkt wurde die Kritik gegen die Behörden durch die zunehmende und verfassungswidrige Einschränkung der Rechte, die den Rechtsanwälten zur Verteidigung der Angeklagten zustanden.

Anfang 1975 erhielten die hungerstreikenden Häftlinge internationale Rückendeckung durch den Besuch des französischen Philosophen und Schriftstellers Jean-Paul Sartre in Stammheim. Im Februar brachen Meinhof und die anderen RAF-Gefangenen den Hungerstreik ab. Der Hauptprozess gegen den einsitzenden Kern der RAF wurde im Mai 1975 vor dem Oberlandesgericht Stuttgart eröffnet. In einer gemeinsamen Erklärung übernahmen die Angeklagten schließlich im Mai 1976 für einige Bombenattentate die Verantwortung.

Wenige Tage später beging Ulrike Meinhof am 9. Mai 1976 in ihrer Stammheimer Zelle Selbstmord. Die unerwartete, durch Erhängen ausgeführte Tat ließ sofortige Zweifel an der behördlicherseits bekannt gegebenen Selbstmordversion aufkommen. Es folgten heftige Demonstrationen in Frankfurt und Berlin sowie ein Bombenanschlag auf das Frankfurter Hauptquartier der US-Army. Am 15. Mai 1976 geriet die Beisetzung Ulrike Meinhofs in Berlin zu einer großen Demonstration breiter politischer Sympathien. Zur Dokumentation der Rezeptionsgeschichte der RAF eröffnete im Februar 2005 eine Ausstellung in Berlin, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurde.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975

NameUlrike Meinhof

Geboren am07.10.1934

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortOldenburg (D).

Verstorben am09.05.1976

TodesortStuttgart-Stammheim (D).