Biografie

Lion Feuchtwanger

Der jüdisch-deutsche Schriftsteller erlangte mit seinen historischen Romanen Weltruhm. Sie sind aber nicht als Geschichtswiedergabe angelegt, sondern in ihnen arbeitet er überzeitliche Wahrheiten heraus. Mit seinen historischen Romanen erneuerte Lion Feuchtwanger das Genre. Der Roman "Jud Süß" (1925) brachte ihm nicht nur Erfolg als Romanautor, sondern auch internationale Bekanntheit. Das jüdische Volk blieb beherrschendes Thema in seinem Gesamtwerk. Die Josephus-Trilogie nimmt darin eine zentrale Stellung ein, in der es ebenfalls um die Begegnung von Juden und Nicht-Juden geht. Darüber hinaus verfasste Lion Feuchtwanger etliche Dramen und realisierte Theaterprojekte...
Lion Feuchtwanger wurde als Sohn des jüdischen Fabrikanten Sigmund Feuchtwanger und dessen Frau Johanna, geborene Bodenheimer, am 7. Juli 1884 in München geboren.

Feuchtwanger absolvierte 1903 das Abitur. Ab 1903 studierte er in München und Berlin Germanistik, Geschichte und Philosophie. Er bewegte sich in der Münchner Künstlerszene und startete erste literarische Versuche mit Theaterkritiken, Erzählungen und Dramen. 1907 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Heinrich Heines "Rabbi von Bacherach". Wegen der damaligen Beschränkungen für Juden an deutschen Hochschulen und Universitäten ließ er seinen Habilitationspläne fallen. Er arbeitete ab 1907 zunächst als Theaterkritiker und Dramaturg in München. 1912 heiratete er Marta Loeffler. 1914 unternahm er zusammen mit seiner Frau eine Reise nach Tunesien, auf der er nur knapp einer Internierung durch die Franzosen entging.

Lion Feuchtwanger wurde einer der ersten Schriftsteller, die sich während des Ersten Weltkrieges in den Theaterstücken kritisch äußerte gegenüber dem überschwänglichen Patriotismus der Deutschen und gegen den Krieg. Sein kurzer Militärdienst endete wegen Kurzsichtigkeit mit der Entlassung. 1918 erlebte er in München die Revolution und arbeitete an dem dramatischen Roman "Thomas Wendt". 1920 begegnete er dort Bertold Brecht und Marieluise Fleißer. Zu Brecht entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, die in eine gemeinsame Tätigkeit mündete. Feuchtwanger realisierte einige Theaterprojekte mit ihm zusammen, der aus dieser Zusammenarbeit Einflüsse in sein episches Theater miteinfließen ließ. So bearbeiteten die beiden 1924 das Stück "Leben Eduards des Zweiten von England".

Im Jahr 1913 wurde Feuchtwangers historischer Roman "Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch" über Hässlichkeit und Außenseitertum veröffentlicht. 1925 siedelte er nach Berlin über und 1927 wurde sein Stück "Die Petroleuminsel" uraufgeführt. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurde Feuchtwanger ausgebürgert. Sein Haus in Berlin wurde durchsucht, geplündert und beschlagnahmt, wobei auch Manuskripte verloren gingen. Zu dieser Zeit befand er sich auf einer Vortragsreise in den USA. Er ging in das südfranzösische Sanary-sur-Mer und 1937 nach Moskau, wo er von 1936 bis 1939 die in Deutschland erscheinende Exilzeitschrift "Das Wort" mit herausgab. Von 1939 bis 1940 war er in einem Internierungslager im französischen Aix-en-Provence untergebracht.

Durch das Eingreifen von Eleanor Roosevelt kam er wieder frei und setzte sich über Portugal in die USA ab. Ab 1941 lebte er in der Nähe von Los Angeles. Durch seine Annäherung an die Kommunisten und der Verfolgung von Sozialisten und Kommunisten unter Joseph McCarthy war ihm eine Einbürgerung nicht möglich. Lion Feuchtwangers literarischer Schwerpunkt liegt nun auf dem historischen Roman. Er verstand ihn nicht als Darstellung oder Nachzeichnung der Geschichte, sondern wollte damit allgemein gültige Wahrheiten mitteilen, die er festmachte an historischen Stoffen und Figuren sowie an aufgezeigten Konflikten. Der erste große Erfolg stellte sich 1818 mit dem Drama "Jud Süß" ein. Danach erweiterte er es als Roman, der 1925 veröffentlich wurde. Doch zuvor hatte er Schwierigkeiten einen Verleger zu finden.

Der erste zeitgeschichtliche Roman Feuchtwangers "Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz" (1930) erzählt nicht nur das Emporkommen der Nazis in Bayern, sondern erläutert zugleich die sozialpsychologischen Voraussetzungen sowie das Funktionieren der Verzahnung zwischen Politik, Justiz, Großindustrie und der Kriminalität der deutschen Bürger. "Erfolg" wurde ein Höhepunkt im literarischen Werk Feuchtwangers. Die zeitgeschichtlichen Romanwerken "Erfolg", "Die Geschwister Oppenheim" (1933) und "Exil" (1940) fasste er später zusammen zur Trilogie "Der Wartesaal". Die Josephus-Trilogie aus den Werken "Der jüdischen Krieg" (1932), "Die Söhne" (1935), und "Der Tag wird kommen" (1945) nimmt eine zentrale Stellung im Gesamtwerk von Lion Feuchtwanger ein.

Auch hierbei dreht es sich um das Schicksal des jüdischen Volkes anhand des Schriftstellers Flavius Josephus in einer nichtjüdischen Umgebung. Weiterhin reflektiert Feuchtwanger darin gleichfalls über seine eigene literarische Tätigkeit. 1936 erschien die Satire auf Hitler "Der falsche Nero". Der 1940 veröffentliche Roman "Exil" macht Feuchtwangers Annäherung an den Sozialismus deutlich. In dem Bericht "Unholdes Frankreich" (1942) schildert er seine Erfahrungen im Internierungslager. Im Jahr 1945 wurde die Zusammenarbeit mit Bert Brecht wieder aufgenommen, es handelte sich dabei um das Stück "Die Geschichte der Simone Machard". 1948 entstand das Stück "Wahn oder Der Teufel in Boston" über die Hexenverfolgung in Massachusetts – den Anlass zu dieser Arbeit gaben ihm seine Erlebnisse der Kommunisten-Verfolgung in den USA.

Mit den beiden Werken "Die Jüdin von Toledo" und "Jefta und seine Tochter" wandte sich Feuchtwanger wieder dem Schicksal des jüdischen Volkes zu. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem "Friede, ein burleskes Spiel" (1918), "Die Kriegsgefangenen" (1919), "Drei angelsächsische Stücke" (1927), "Der jüdische Krieg" (1932), "Die Söhne" (1935), "Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde" (1937), "Simone" (1944), "Die Gebrüder Lautensack" (1945), "Waffen für Amerika" (1947), "Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis" (1951), "Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau" (1952), "Spanische Ballade" (1955) oder "Die Witwe Capet" (1956).

Lion Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.

NameLion Feuchtwanger

Geboren am07.07.1884

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortMünchen (D).

Verstorben am21.12.1958

TodesortLos Angeles (USA).