Biografie

Gregor Gysi

Der gelernte Rinderzüchter und Rechtsanwalt wirkte seit 1989 maßgeblich an der Umgestaltung der SED zur PDS mit. Als Parteivorsitzender und als Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion verhalf Gregor Gysi der ersten und einzigen bedeutungsvollen sozialistischen Partei im Nachkriegsdeutschland zu einem anerkannten Platz im Parteienspektrum der neuen Berliner Republik. Ohne eine demokratische Einbindung der PDS in das wiedervereinigte Deutschland wäre der Einigungsprozess gewiss mit weitaus größeren Reibungen und Konflikten verlaufen, als er sich tatsächlich vollzog. Seit 2007 ist Gysi Mitglied der neugebildeten Partei "Die Linke"...
Gregor Gysi wurde am 16. Januar 1948 in Berlin als Sohn eines kommunistischen Parteifunktionärs und DDR-Politikers geboren.

Sein Vater war Kulturminister und Staatssekretär für Kirchenfragen der Deutschen Demokratischen Republik, die er auch als Botschafter in Italien vertrat. Gysi besuchte die Oberschule in Ostberlin, wo er 1966 das Abitur ablegte. Neben der Schulausbildung führte er in Blankenfelde eine Ausbildung zum Facharbeiter für Rinderzucht durch. Von 1966 bis 1970 folgte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1976 mit dem Doktorgrad abschloss. In jener Zeit trat Gysi auch der SED bei. 1971 erhielt Gysi seine Zulassung als Rechtsanwalt, worauf er in einer Ostberliner Kanzlei zu arbeiten begann.

Hier vertrat er in den folgenden 18 Jahren auch Angehörige politischer und kirchlicher Oppositionsgruppen, die mit dem DDR-Regime in Konflikt geraten waren. Zu Gysis prominentesten Klienten zählten etwa der politische Publizist Rudolf Bahro, der als Dissident verfolgte Robert Havemann und die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. 1988 erhob man Gysi zum Vorsitzenden des Rechtsanwaltskollegiums der DDR. Noch vor den entscheidenden Herbstereignissen von 1989 profilierte er sich auch als Anwalt des neugegründeten "Neuen Forums", das sich als oppositioneller Zusammenschluss behördlicher Verfolgung ausgesetzt sah. Gysi wirkte somit aus der SED heraus von Beginn an am Reformprozess mit, der im Herbst 1989 Partei- und Staatsapparat erschütterte.

Nachdem die erste Reformführung der SED mit Egon Krenz Anfang Dezember 1989 zurückgetreten war, stieg Gysi zum neuen Vorsitzenden der Partei auf. In dieser Funktion leitete er die SED bzw. dann die PDS von 1989 bis 1993. In den folgenden Monaten wirkte er maßgeblich am inneren Umstrukturierungs- und Erneuerungsprozess der Partei mit, die sich von der SED zur Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) wandelte und sich dabei von nahezu allen alten Kadern trennte. Nach einigem Zögern unterstützte Gysi mit dem letzten von der SED/PDS gestellten DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow die stufenweise Herbeiführung der deutschen Einheit. Nach den ersten freien und zugleich letzten Volkskammerwahlen der DDR im März 1990 führte Gysi im Parlament den Vorsitz der PDS-Fraktion.

In den folgenden Monaten trat er als Kritiker der durch die neue DDR-Regierung von Lothar de Maizière und durch Bundeskanzler Helmut Kohl vorangetriebenen Einigungslösung auf: Anstelle des bloßen Beitritts der DDR zur BRD favorisierte die PDS eine gleichberechtigte Vereinigung beider deutschen Staaten. Infolge der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl vom Dezember 1990 zog die PDS in den Bundestag ein, wo Gysi bis 1998 den Vorsitz der Bundestagsgruppe seiner Partei übernahm, der der Fraktionsstatus zunächst versagt blieb. 1992 kam in der Öffentlichkeit der seither oftmals wiederholte Verdacht auf, Gysi sei während seiner Rechtsanwaltstätigkeit in der DDR Informant der Stasi gewesen. Der beschuldigte PDS-Vorsitzende konnte den Vorwurf zunächst gerichtlich ausräumen.

Ende 1992 verzichtete Gysi aufgrund parteiinterner Auseinandersetzungen auf den PDS-Vorsitz, der nun auf Lothar Bisky überging. Gysi trat in der Folge verstärkt als Vorsitzender der PDS-Bundestagsgruppe in Erscheinung. 1994 setzte sich die PDS durch einen enormen Stimmenzuwachs als drittgrößte politische Kraft in den neuen Bundesländern durch. In der Bundestagswahl desselben Jahres errang die Partei 4,4% der Wählerstimmen; durch Direktmandate war sie dennoch auch im künftigen Bundestag vertreten, den der PDS-Abgeordnete Stefan Heym als Alterspräsident eröffnete. Gysi wurde als Vorsitzender der PDS-Bundestagsgruppe bestätigt. In der neuen Legislatur bemühte er sich vor allem um eine Anbindung der PDS an die alten Bundesländer, wobei allerdings Bündnisverhandlungen mit Bündnis 90/Die Grünen und dem linken Flügel der SPD um Oskar Lafontaine rasch scheiterte.

Im Jahr 1995 stieg die PDS bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Ostteil der Stadt zur stärksten politischen Kraft auf. Nach geschiedener erster Ehe, aus der zwei Kinder hervorgegangen waren, heiratete Gysi 1996 in zweiter Ehe Andrea Lederer, mit der er eine Tochter hat. Im Frühjahr 1997 legte die Gauck-Behörde dem Bundestag ein Gutachten vor, das eine inoffizielle Zusammenarbeit Gysis mit der Stasi zu bestätigen schien. Gysi dementierte die Vorwürfe und wurde im Sommer desselben Jahres als Vorsitzender PDS-Bundestagsgruppe wiedergewählt. Im Mai 1998 verabschiedete der Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen und gegen die Stimmen von PDS und FDP eine Erklärung, wonach Gysi als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit tätig gewesen sei. Noch im selben Jahr wurde eine Gegenklage Gysis vom Bundesverfassungsgericht mit vier gegen vier Stimmen abgewiesen.

Im Vorfeld der Bundestagswahl von 1998 kandidierte Gysi als Spitzenkandidat seiner Partei, die er dabei als fortschrittliche linke Kraft in Gesamtdeutschland zu etablieren suchte. Die PDS zog mit 5,1 % in den neuen Bundestag ein, wo Gysi erneut als Vorsitzender seiner Fraktion bestätigt wurde. 2000 legte Gysi den Vorsitz der PDS-Bundestagsfraktion nieder, blieb jedoch weiterhin im Parlament vertreten. In der folgenden Zeit zog er sich jedoch weitgehend auf seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt zurück. Sein vorübergehendes politisches Comeback feierte Gysi im Zuge der Berliner Regierungskrise, die nach dem Bankenskandal zum Sturz der Großen Koalition unter Eberhard Diepgen und im Herbst 2001 zu Neuwahlen in der Hauptstadt führte.

Der PDS-Politiker zog nun als Finanzminister in den neuen von Klaus Wowereit (SPD) geführten Senat ein. Das neue politische Amt währte jedoch nicht lange. Im Sommer 2002 trat Gysi aufgrund seiner Verstrickung in die so genannte "Bonus-Meilen-Affäre", in der Politiker aller Parteien außerhalb ihres Amtes offizielle Vergünstigungen zu Privatzwecken missbraucht hatten, überraschend von seinem Ministerposten zurück. Die Partei errang am 22. September 2002 nur 4,0% der Wählerstimmen und war in der Folge lediglich durch zwei Direktmandate im Bundestag vertreten, wo sie gegenüber der vorangegangenen Legislatur 35 Sitze einbüßte. 2004 fiel Gysi durch mehrere Krankenhausaufenthalte auf, die er aufgrund seiner Herzschwäche absolvieren musste.

Im selben Jahr legte er mit dem Buch "Was nun?" eine kritische Bilanz seiner eigenen politischen Laufbahn, aber auch der Entwicklung und Zukunft Deutschlands und der PDS vor. Mitte Juli 2005 fusionierte die PDS im Vorfeld der vorgezogenen Bundestagswahlen mit der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" zur neuen "Linkspartei". Am 23. Dezember 2005 wurde Gysi Mitglied der WASG, ebenso wie Oskar Lafontaine auch Mitglied in der Linkspartei PDS wurde. Damit machten beide demonstrativ von der Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft in der Linkspartei und in der WASG Gebrauch. Seit dem 16. Juni 2007 ist Gysi Mitglied der neugebildeten Partei Die Linke.


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameGregor Gysi

Geboren am16.01.1948

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortBerlin (D).