Biografie

Oskar Lafontaine

Der Diplom-Physiker war von 2005 bis 2009 mit Gregor Gysi Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag und seit 2007 bis 2010 neben Lothar Bisky Parteichef der Partei Die Linke. Ab 2009 führte er die Fraktion der Linken im saarländischen Landtag. Oskar Lafontaine vollzog davor eine herausragende Karriere bei den saarländischen Sozialdemokraten, für die er den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt (1976-1985) und den Ministerpräsidenten (1985-1998) stellte. Nach anfänglichen Erfolgen in der Bundespolitik bewogen politische Differenzen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder den kurzzeitigen Bundesfinanzminister im Frühjahr 1999 zum Rücktritt von allen Ämtern. Die anfänglich aufrechterhaltene formelle Mitgliedschaft in der SPD kündigte der prinzipientreue Politiker nach 39 Jahren im Mai 2005 auf, um wenig später in der von ihm mit gegründeten "Linkspartei" nochmals an führender Stelle Parteipolitik zu betreiben...

Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Oskar Lafontaine wurde am 16. September 1943 in Saarlouis-Roden als Arbeiterkind geboren.

Bald danach verlor er seinen Vater im Zweiten Weltkrieg. Lafontaine besuchte eine katholische Klosterschule in dem Eifelort Prüm, wo er 1962 an einem staatlichen Gymnasium das Abitur ablegte. In den Jahren 1962 bis 1969 absolvierte Lafontaine ein Studium der Physik an den Universitäten Bonn und Saarbrücken, das er 1969 mit dem Diplom abschloss. Bereits während des Studiums begann Lafontaine sein politisches Engagement bei der SPD, in die er mit 23 Jahren eintrat. 1966 stellte er zunächst den Juso-Vorsitzenden für Saarbrücken, doch schon zwei Jahre später rückte er in den Landesvorstand der SPD Saar ein. Nach Abschluss des Studiums begann Lafontaine seine berufliche Laufbahn 1969 zunächst bei der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken, für die er bis 1974 tätig war.

Ab 1971 war er auch Mitglied des Vorstands der Gesellschaft. Zugleich trieb Lafontaine jedoch auch sein politisches Engagement bei den saarländischen Sozialdemokraten voran. 1971 bis 1977 war er Vorsitzender der SPD in Saarbrücken; 1970 bis 1975 saß er für seine Partei außerdem im Landtag des Saarlandes, wo er als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion fungierte. In dieser Funktion war Lafontaine 1974 auch Mitglied des Stadtverbandtages. Nachdem Lafontaine 1974 zum Bürgermeister in Saarbrücken gewählt worden war, schied er aus der dortigen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft aus. Von 1976 bis 1985 stellte der Sozialdemokrat den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken. 1977 bis 1996 fungierte er außerdem als Vorsitzender des SPD-Landesverbandes Saar.

Bei der saarländischen Landtagswahl vom Frühjahr 1985 konnte Lafontaine endlich die CDU-FDP-Vorherrschaft zugunsten einer stabilen SPD-Landesregierung brechen. In den Jahren von 1985 bis 1998 stellte er als Mitglied des saarländischen Landtages den Ministerpräsidenten dieses Bundeslandes. In dieser Funktion tat sich Lafontaine im Management der saarländischen Stahlkrise durch eine sozial behutsame Vorgehensweise hervor. Aus seiner bedeutenden saarländischen Position heraus konnte Lafontaine mehrmals mit Erfolg auch Einfluss auf die Bundespolitik seiner Partei gewinnen. So rückte er 1979 in den Bundesvorstand der SPD ein. Ab 1985 war er im Bundesrat vertreten, dem er 1992/93 als Präsident vorstand. 1987 wurde Lafontaine zum stellvertretenden SPD-Vorsitzenden berufen.

Auf der Ebene der Bundespolitik trat Lafontaine noch unter der sozialliberalen Koalition von Helmut Schmidt zu Beginn der 1980er Jahre als Gegner des Nachrüstungsbeschlusses und des Atomkraftprogramms auf, wodurch er sich als kompromissloser Vertreter des linken SPD-Flügels positionierte. Im Zuge der deutschen Einigung von 1989/90 vertrat er zunächst eine kritische Haltung. Er lehnte einen überstürzten Einigungsprozess ab. Auch in der Zuzugsfrage von Asylanten und anderen Migranten vertrat er eine restriktive Haltung. Während des Wahlkampfes zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 wurde Lafontaine als SPD-Spitzenkandidat im Frühjahr 1990 Opfer eines Attentats, von dessen Folgen er sich jedoch rasch erholte. Lafontaine unterlag dennoch bei der anschließenden Wahl gegenüber Helmut Kohl, der die deutsche Einigung als seinen persönlichen Triumph vereinnahmt hatte.

Lafontaine geriet 1993 durch seine angebliche Verstrickung in die Saarbrücker "Rotlicht-Affäre" in die öffentliche Kritik. Dennoch konnte er seinen Einfluss auf die Bundespolitik der SPD erneut geltend machen, wo er zur Bundestagswahl 1994 die Kanzlerkandidatur von Rudolf Scharping unterstützte und für den Fall eines Wahlerfolgs bereits im Vorfeld als künftiger Finanzminister gehandelt wurde. Während die SPD 1994 mit Scharping auf Bundesebene unterlag, konnte sie Lafontaine im Saarland erneut zum Wahlsieg führen, worauf er als Ministerpräsident bestätigt wurde. Bei der Bundestagswahl von 1994 wurde er außerdem erstmals in den Bundestag gewählt, trat aber sein Mandat zunächst nicht an. Im November 1995 wurde Lafontaine, der gegen seinen Konkurrenten Scharping angetreten war, zum Vorsitzenden der Bundes-SPD berufen und 1999 in dieser Funktion zunächst bestätigt.

In den folgenden Jahren geriet der Saarländer im parteiinternen Machtkampf und der Frage der künftigen Kanzlerkandidatur zunehmend in Konkurrenz zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, den er zunächst selbst in das SPD-Präsidium berufen hatte. Im Zuge der Bundestagswahl vom September 1998, die zum rot-grünen Regierungswechsel führte, wurde Lafontaine als Bundesminister der Finanzen in das Kabinett von Gerhard Schröder berufen, worauf er sein Amt als saarländischer Ministerpräsident niederlegte. Außerdem war er nun bis 1999 im Bundestag vertreten. Infolge interner Meinungsverschiedenheiten, die in der rot-grünen Regierung über den sozial- und wirtschaftspolitischen Kurs sowie vor allem über die von ihm vertretene Steuerpolitik entbrannt waren, trat Lafontaine im März 1999 von seinem Ministeramt zurück.

Außerdem legte er alle seine politischen Ämter bei der SPD nieder, der er jedoch zunächst als formelles Mitglied erhalten blieb. In den Folgejahren meldete sich Lafontaine im Rahmen der saarländischen SPD-Politik wiederholt kritisch gegenüber der Politik der rot-grünen Bundesregierung zu Wort. Zu Jahresbeginn 2003 trat er auf einer von Globalisierungsgegnern organisierten Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in der Schweiz auf. 2003/04 profilierte sich Lafontaine im Zusammenhang mit der von Bundeskanzler Gerhard Schröder konzipierten "Agenda 2010" als einer der schärfsten Kritiker der größten Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Im Spätsommer und Herbst 2004 avancierte der linke Sozialdemokrat neben führenden PDS-Politikern und Gewerkschaftern zu einem der Hauptunterstützer der Volksbewegung gegen die Arbeitsmarktreform, die im Zuge des so genannten "Hartz IV"-Gesetzes zum Jahresbeginn 2005 eine empfindliche Reduzierung der Arbeitslosenunterstützung einführte.

Lafontaine war mit mehreren Buchpublikationen an die Öffentlichkeit getreten, die sich aus einer linken, sozialdemokratischen und ökologisch orientierten Perspektive mit den sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen in der postmodernen und globalisierten Gesellschaft auseinandersetzen. Er wurde außerdem mit dem "Goldenen Mirofon" des Förderkreises Politische Rhetorik ausgezeichnet. Nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder - infolge der vernichtenden SPD-Niederlage bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl vom 22. Mai 2005 - vorgezogene Neuwahlen für den September 2005 in Aussicht gestellt hatte, erklärte Lafontaine nach 39 Jahren SPD-Mitgliedschaft am 24. Mai seinen formellen Austritt aus der Partei. Zugleich kündigte der Politiker an, bei der nächsten Bundestagswahl für ein mögliches Linksbündnis aus PDS und der SPD-Abspaltung "Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit" (WASG) zur Verfügung zu stehen.

Im anschließenden Wahlkampf forderte Lafontaine mit Kritik an der SPD-Sozialpolitik eine stärkere Umverteilung des nationalen Reichtums nach unten, die er im Falle eines Wahlsiegs des geplanten Linksbündnisses durchsetzen wolle. Mitte Juli 2005 fusionierte die PDS im Vorfeld der vorgezogenen Bundestagswahlen mit der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" zur neuen "Linkspartei". Lafontaine wurde Ende des Monats zum nordrhein-westfälischen Spitzenkandidaten der "Linkspartei" gewählt, als welcher er in den beginnenden Wahlkampf zog. Am 29. Dezember 2005 erklärte er dem Landesvorstand Saar schriftlich seinen Eintritt in die Linkspartei. Im November 2006 kündigte Lafontaine im saarländischen Bildstock vor Gewerkschaftsvertretern und Betriebsräten an, bei der Landtagswahl 2009 als Spitzenkandidat der mit der WASG vereinten Linkspartei anzutreten. Am 15. Juni 2007 wurde die Fusion beider Organisationen zur neuen Partei Die Linke vollzogen.

Am 16. Juni wurde Lafontaine auf deren Gründungsparteitag gemeinsam mit Lothar Bisky mit 87,9 % zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Am 9. Oktober 2009 gab er seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur für den Fraktionsvorsitz im Bundestag bekannt. Am 17. November 2009 erklärte er, dass er sich auf Grund seiner Krebserkrankung einem chirurgischen Eingriff unterziehen werde und danach über die Fortführung seiner politischen Arbeit entscheiden werde. Am 1. Februar 2010 schied Lafontaine aus dem Deutschen Bundestag aus.

Lafontaine ist in dritter Ehe mit Christa geb. Müller verheiratet und Vater von zwei Kindern.


Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

NameOskar Lafontaine

Geboren am16.09.1943

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortSaarlouis (D).