Biografie

Lothar de Maizière

Der Musiker und Rechtsanwalt zählte in den Herbstereignissen von 1989 zu den führenden Erneuerern der CDU in der Deutschen Demokratischen Republik. Als deren erster freigewählter und zugleich letzter Ministerpräsident bereitete Lothar de Maizière von April bis September 1990 maßgeblich den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland vor. Nach der „Abwicklung“ des ersten und einzigen sozialistischen Staates auf deutschem Boden zog sich der leidenschaftslose Politiker infolge parteiinterner Differenzen jedoch bald vom politischen Parkett zurück...
Lothar de Maizière wurde am 2. März 1940 in Nordhausen als Sohn eines Rechtsanwalts französischer Abstammung geboren.

Er wuchs in Berlin auf und besuchte im Ostteil der Stadt das Gymnasium, das er 1958 mit dem Abitur abschloss. Bereits zwei Jahre zuvor war er in die CDU der DDR eingetreten. De Maizière studierte von 1959 bis 1965 zunächst Viola an der Ostberliner Musikhochschule Hanns Eisler. In den Jahren von 1969 bis 1975 folgte ein Fernstudium der Rechtswissenschaften an der dortigen Humboldt-Universität. Zugleich trat er als Musiker in verschiedenen Orchestern wie etwa dem Rundfunksinfonieorchester Ostberlins auf. Ab 1969 musste de Maizière jedoch die Musik aufgrund einer Erkrankung aufgeben. Er wandte sich in der Folge dem Rechtsanwaltsberuf zu.

Im Jahr 1976 fand er Aufnahme in die Ostberliner Rechtsanwaltschaft, zu deren stellvertretenden Vorsitzenden er 1987 gewählt wurde. Als Rechtsanwalt praktizierte er vor allem im Wirtschafts- und Steuerrecht der DDR. In dieser Funktion machte sich de Mazière außerdem für christlich engagierte DDR-Bürger stark, die mit dem SED-Regime in Konflikt gerieten. Von 1985 bis 1990 gehörte de Maizière der Synode des Bundes der Evangelischen Kirche der DDR an. 1987 engagierte er sich in der CDU-Arbeitsgruppe für Kirchenfragen. Im Zuge der Herbstereignisse von 1989, die in der DDR zum Zusammenbruch der SED-Alleinherrschaft und dem Fall der Berliner Mauer führten, vollzog sich auch eine Erneuerung der ehemaligen Blockparteien wie etwa der Ost-CDU.

De Maizière wurde im November desselben Jahres zu deren Parteivorsitzenden gewählt, als welcher er bis 1990 amtierte. Nach dem Scheitern der ersten SED-Reform-Regierung von Egon Krenz trat de Maizière Mitte November 1989 als Minister für Kirchenfragen in die von Hans Modrow (SED) gebildete neue Regierung der DDR ein. Unter der Führung de Maizières etablierte sich die erneuerte Ost-CDU als anerkannte politische Kraft in der sich auflösenden DDR. Bei der ersten freien und zugleich letzten Volkskammerwahl errang die Partei im März 1990 einen deutlichen Sieg über die SPD und die PDS.

Zusammen mit der SPD und den Liberalen bildete De Maizière nun eine Regierungskoalition, der er selbst als letzter Ministerpräsident der DDR vorstand. Die Regierung bereitete bis zum Herbst des Jahres den geordneten Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vor. Obwohl die Meinungsverschiedenheiten darüber schließlich die Koalition platzen ließen, erfolgte am 3. Oktober 1990 die Vereinigung beider deutscher Staaten. De Maizière war kurz zuvor zum Stellvertretenden Parteivorsitzenden der Bundes-CDU unter Bundeskanzler Helmut Kohl ernannt worden und trat nun als Bundesminister für besondere Aufgaben in dessen Bundesregierung ein.

Nach dem Wahlsieg der CDU bei den Landtagswahlen in den neuen Bundesländern wurde de Maizière im November 1990 zum CDU-Vorsitzenden von Brandenburg gewählt, für das er wenig später auch in den Bundestag einzog. Mitte Dezember 1990 trat de Maizière jedoch wegen ungeklärter Vorwürfe über Stasi-Kontakte als Bundesminister zurück. Nachdem sich die Vorwürfe als unhaltbar erwiesen hatten, nahm er im folgenden Februar seine politischen Ämter wieder auf. In der Folge trübten Meinungsverschiedenheiten über den politischen Kurs der östlichen CDU die Beziehungen zur Bonner Parteizentrale.

Im August 1991 trat de Mazière daher als Stellvertreter Kohls zurück, was wenig später seinen völligen Rückzug aus der Politik einschließlich der Aufgabe des Bundestagsmandats nach sich zog. Der Einigungspolitiker meldet sich zwar seither als Aktivist der politischen Ereignisse von 1989/90 immer wieder in der Öffentlichkeit zu Wort, er verzichtete jedoch auf die erneute Übernahme eines politischen Amtes.

Lothar de Maizière ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt und arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin.


Die Staats- und Parteichefs der DDR - 1949-1990

NameLothar de Maizière

Geboren am02.03.1940

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortNordhausen (D).