Biografie

Egon Krenz

Der Lehrer und SED-Funktionär erwies sich in der Deutschen Demokratischen Republik als karrierebewusster Politiker, der seine dumpfe Systemloyalität, Ordnungsliebe und bewusstlose Kaltblütigkeit etwa gegenüber der grausamen Niederschlagung der Pekinger Studentenproteste von 1989 mit Offenheit zum Ausdruck brachte. Angesichts seiner biographischen Vorbelastung konnte Egon Krenz, als er nach dem parteiinternen Sturz Erich Honeckers (1989) zum letzten Generalsekretär der SED erhoben worden war, kaum den Reform- und Demokratieforderungen der DDR-Öffentlichkeit genügen. Vielmehr verbüßte er im wiedervereinigten Deutschland als einer der wenigen hohen Führungspolitiker der DDR 1999 bis 2003 eine Haftstrafe wegen der Todesfälle an der innerdeutschen Grenze...
Egon Krenz wurde am 19. März 1937 in Kolberg als Sohn eines Schneiders geboren.

Er wuchs unter den Eindrücken der nationalsozialistischen Herrschaft, der sowjetischen Besatzung und der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik auf. Während des Schulbesuchs trat er in eine Pionierorganisation ein. 1953 trat Krenz in die "Freie Deutsche Jugend" (FDJ), die Jugendorganisation der SED, ein. Zwei Jahre später wurde er auch Mitglied der Einheitspartei. Von 1953 bis 1957 studierte Krenz am Institut für Lehrerbildung in Putbus, wo er mit dem Staatsexamen abschloss. Danach absolvierte er bis 1959 einen freiwilligen Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA). In den Jahren 1959/60 kam Krenz als Zweiter, dann als Erster Sekretär der FDJ-Kreisleitung Bergen zum Einsatz. 1960/61 war er Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Rostock.

Danach saß er bis 1964 als Sekretär im Zentralrat der FDJ. 1964 nahm er ein Studium der Gesellschaftswissenschaften an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau auf, das er 1967 mit dem Diplom beendete. Von 1967 bis 1974 kehrte Krenz in den Zentralrat der FDJ zurück, wo er als Sekretär für Agitation und Propaganda zuständig war. Ab 1971 leitete er auch den Vorsitz über die Pionierorganisation. Im selben Jahr zog er als Abgeordneter in die Volkskammer ein. Der Jugendfunktionär wurde 1974 zum Ersten Sekretär des Zentralrats der FDJ erhoben, was er bis 1983 blieb. Zugleich trat Krenz 1973 in das Zentralkomitee (ZK), zehn Jahre später in das Politbüro des ZK der SED ein. Von 1981 bis 1984 war Krenz weiterhin im Staatsrat der DDR vertreten, für dessen Vorsitzenden er 1984bis 1989 als Stellvertreter fungierte.

Im Juni 1989 äußerte sich Krenz in verächtlicher Weise zur blutigen Niederschlagung der chinesischen Studentenproteste auf dem Pekinger "Platz des Himmlischen Friedens", wo die jungen Demonstranten mit Panzern niedergewalzt und auseinandergetrieben worden waren. Er galt fortan in den Westmedien und in der Bürgerrechtsbewegung der DDR als SED-"Hardliner" und kaltblütiger Politkarrierist. Infolge der Herbstereignisse von 1989, die den Zusammenbruch der DDR und die deutsche Wiedervereinigung einleiteten, stieg Krenz nach dem Sturz des Staats- und Parteichefs Erich Honecker am 18. Oktober zum Generalsekretär der SED auf. Am 24. Oktober erhob man ihn außerdem zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates.

Angesichts seiner früheren partei- und staatsloyalen Haltung wurde Krenz als neue Führungsfigur, die die dringend geforderte Reform der SED und DDR einleiten sollte, in der nunmehr mobilisierten Öffentlichkeit nicht angenommen. Unter äußerem Druck trat er bereits Anfang Dezember 1989 von seinen neuen Funktionen zurück. Im folgenden Monat legte Krenz auch sein Volkskammermandat nieder. Wenig später sah er sich aus der SED bzw. PDS ausgeschlossen. Ab Mitte der 1990er Jahre musste sich Krenz zusammen mit anderen Politikern der DDR wegen der Todesfälle an der deutsch-deutschen Grenze im sogenannten "Mauerschützen-" oder "Politbüroprozess" vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Im August 1997 erhielt er als einer der wenigen hohen Führungspersönlichkeiten der DDR zusammen mit seinen Mitangeklagten Günter Schabowski und Günther Kleiber eine Verurteilung: Wegen Totschlags in vier Fällen wurde Krenz eine sechseinhalbjährige Haftstrafe auferlegt. Krenz konnte unmittelbar nach Haftantritt in Berlin-Moabit durch eine Haftbeschwerde im September 1997 zunächst seine Entlassung aus der Strafvollzugsanstalt durchsetzen. Nach Abweisung der von ihm betriebenen Revision durch den Bundesgerichtshof am 8. November 1999 bestätigte im März 2001 auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg die Urteile gegen Krenz, Schabowski und andere.

Egon Krenz büßte einen Teil der Haftstrafe im offenen Vollzug in der Strafanstalt Berlin-Moabit ab. Nach Ablauf der ersten Hälfte seiner Haftzeit beantragte Krenz im Februar 2003 erneut seine vorzeitige Entlassung. Mitte Dezember 2003 wurde der letzte Generalsekretär der SED vorzeitig aus der Haft entlassen. Seit seiner Haftentlassung wohnt er im mecklenburgischen Ostseebad Dierhagen.


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameEgon Krenz

Geboren am19.03.1937

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortKolberg (PL).