Biografie

Wilhelm Maybach

Der deutsche Ingenieur und Konstrukteur zählt neben Carl Friedrich Benz und Gottlieb Daimler zu den Pionieren in der Entwicklung des Automobils. Durch sein Schaffen hatte er entscheidenden Anteil an der Erfolgsgeschichte des Hauses Daimler, welches mit der Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG fusionierte. Ausgehend von Nicolaus August Ottos Viertakt-Gasmotor (1876), konstruierte Wilhelm Maybach mit Daimler den ersten schnelllaufenden Benzinmotor mit Schwimmervergaser und Glührohrzündung. Das Wechselgetriebe, der Spritzdüsenvergaser sowie der Bienenwaben-Wasserkühler erlaubten ab 1900 eine Motorleistung von 10 PS. 1909 machte er sich mit seinem 1879 geborenen Sohn Karl selbständig und gründete die Firma Maybach-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz, die Zeppelinmotoren und später in Friedrichshafen Luxusautos herstellte...
Wilhelm Maybach wurde am 9. Februar 1846 in Heilbronn als zweiter von fünf Söhnen des Schreiners Christian Maybach und dessen Ehefrau Luise (geb. Dannwolf) geboren.

Als Wilhelm acht Jahre alt war, verstarb überraschend seine Mutter. Der Vater hatte unter dem Schicksalsschlag derart zu leiden, dass er sich, so wird vermutet, zwei Jahre später (1856), durch Ertrinken selbst das Leben nahm. Der nun 10-jährige Vollwaise Wilhelm Maybach kam zur Erziehung in ein Waisenhaus, das "Bruderhaus" in Reutlingen. Hier beendete er die Schule und absolvierte von 1861 bis 1863 eine Ausbildung zum Technischen Zeichner.

Darüber hinaus besuchte er bis 1865 Abendkurse der städtischen Oberrealschule, wo er die Fächer Physik und Mathematik belegte. In der dem Waisenhaus angeschlossenen Maschinenfabrik fand Maybach nach seiner Ausbildung den Einstand ins Berufsleben als Detailkonstrukteur. 1867 wurde Gottlieb Daimler neuer Leiter der Maschinenfabrik. Bald entwickelte sich zwischen ihm und Maybach eine Freundschaft, die für ihr gesamtes Leben Bestand hatte. 1869 wechselt Daimler als Vorstand zu den Industriewerkstätten (IWKA) nach Karlsruhe, wohin ihm Maybach kurz darauf als Technischer Zeichner folgte.

Als Daimler 1872 als Technischer Direktor zur Gasmotorenfabrik Deutz von Nikolaus August Otto und Carl Eugen Langen wechselte, folgte ihm Maybach 1873 als Leiter des Konstruktionsbüros dorthin nach. Während seiner Zeit bei Deutz in Köln perfektionierte Maybach den Ottomotor zur Serienreife. Große Fortschritte machte Maybach auch mit der Entwicklung eines Aggregats zur Verdampfung von Benzin, welches die Verbrennung im Motor verbessern sollte. 1876 präsentierte er seine Arbeit im Rahmen der Weltausstellung in Philadelphia.

Nach seiner Rückkehr feierte Maybach 1877 große Erfolge mit der überarbeiteten Version des von Otto entwickelten Viertaktmotors, der durch Maybach zur Serienreife entwickelt wurde. Im Jahr 1878 heiratete Maybach Bertha Habermaas, die auch eine enge Freundin von Emma Daimler, der Frau von Gottlieb Daimler, war. Aus dieser Ehe gingen 1879 und 1884 die Söhne Karl Maybach und Adolf Maybach hervor. Nach Differenzen zwischen Daimler und Otto trennten sich die beiden 1882. Daimler und Maybach verließen das Unternehmen Deutz.

Für die unter seiner Leitung entstandenen Patente erhielt Daimler eine Abfindung von 112.000 Reichsmark in Deutz Aktien. Noch im selben Jahr gründete Daimler in Cannstatt bei Stuttgart seine erste Werkstatt, wo er kleinere und leistungsstärkere Motoren herstellte, die anstelle von Gas Benzin verbrannten. Aus dieser Forschung, an der auch Maybach entscheidend beteiligt war, ging 1883 das erste Patent eines Einzylinder-Viertaktmotors mit Glührohrzündung hervor. Revolutionär war auch der Treibstoff, da Benzin bis dahin meist als Fleckenentferner Absatz gefunden hatte und nur in Apotheken verkauft wurde. 1885 verbaute Maybach das 0,5-PS-Aggregat in einen sogenannten Reitwagen, der heute als das erste Motorrad der Welt angesehen werden kann.

Gottliebs Sohn Paul Daimler führte die erfolgreiche Probefahrt des Prototypen durch, der noch im selben Jahr zum Patent angemeldet wurde. Gleichzeitig entwickelte Maybach mit Daimler und Carl Friedrich Benz einen Motoren-Wagen. 1889 präsentierte Maybach seinen Stahlradwagen auf der Pariser Weltausstellung der begeisterten Presse. Trotz dieser Erfolge arbeitete das Unternehmen aufgrund der geringen Stückzahlen, die hergestellt wurden, mit Verlusten. Daher gründete Daimler als Kapitalmaßnahme 1890 die Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft in Stuttgart.

Kurz darauf entwickelten Daimler und Maybach zusammen den ersten Zweizylinder-Reihenmotor. Nachdem es zwischen den Aktionären und Daimler zu Differenzen gekommen war, verkaufte dieser seine Anteile und verließ mit Maybach 1893 die Gesellschaft. Mit Hilfe eines englischen Investors wurde Daimler wieder Anteilseigner an der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Maybach konstruierte 1895, als Technischer Vorstand des Unternehmens, den Spritzdüsenvergaser, der zum Vorbild des Vergasers wurde. Weiter entwickelte er 1896 einen neuen Vierzylindermotor, der von 6 bis 23 PS, im Modell "Victoria" über der Vorderachse platziert, in Serie ging.

Der Kaufmann und Botschafter der k. u. k. Monarchie in Nizza, Emil Jellinek, beauftragte Wilhelm Maybach damit, für die Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft einen Sportwagen zu entwickeln. Da Jellinek das gesamte Projekt finanzierte und er in Südfrankreich hervorragende Verkaufszahlen nachweisen konnte, machte er es 1899 zur Bedingung, dass das Auto nach seiner Tochter "Mercedes" benannt werden sollte. Maybachs Freund und enger Vertrauter Gottlieb Daimler konnte den ersten "Mercedes" nicht mehr erleben, er verstarb am 6. März 1900 in Stuttgart Bad Cannstatt.

Der 1901 fertiggestellte Mercedes 24HP Phoenix-Daimler mit einem 4-Zylinder-Motor mit 35 PS, 5.913cmm und Bienenwabenkühler, setzte neue Maßstäbe in Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Aussehen, so dass der Name "Mercedes" Synonym für die Leistungsfähigkeit der Marke wurde und als Automobilname in der gesamten Produktion Einzug fand. Kurz darauf stellte Mercedes mit 64,4 Km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf. 1904 folgte die Konstruktion eines ersten Sechszylinder-Motors mit 70 PS durch Maybach und bereits 1906 entwickelte er einen 120-PS-Rennmotor, der mit Ein- und Auslassventilen sowie einer Doppelzündung zum stärksten Aggregat seiner Zeit wurde.

Insbesondere für die von Ferdinand von Zeppelin verwandten Flugzeugmotoren wurde diese Technik ab 1908 unabdingbar. 1907 zog sich Maybach, nach Auseinandersetzungen mit dem Aufsichtsrat, aus dem Unternehmen DMG zurück. Im selben Jahr wurde er Ehrenmitglied des "Vereins Deutscher Ingenieure" (VDI). 1909 erfolgte die Gründung der Maybach-Motorenbau GmbH in Bissingen-Enz, die eine Tochtergesellschaft der "Luftschiffbau Zeppelin GmbH" darstellte. Leiter des Unternehmens wurde sein Sohn Karl Maybach.

Wilhelm Maybach wurde technischer Berater und 1915 Oberbaurat. 1916 bedachte die Technische Hochschule Stuttgart Maybach mit der Ehrendoktorwürde und 1922 wurde er mit der Grashof-Gedenkmünze des VDI geehrt. 1929 fusionierte die Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft mit der Benz & Cie. von Carl Benz zur Daimler-Benz AG.

Wilhelm Maybach, der sich in Stuttgart zur Ruhe gesetzt hatte, verstarb dort am 29. Dezember 1929 im Alter von 83 Jahren.


Persönlichkeiten der Automobilindustrie
Menschen und Marken

NameWilhelm Maybach

Geboren am09.02.1846

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortHeilbronn (D).

Verstorben am29.12.1929

TodesortStuttgart (D).