Biografie

Joseph Beuys

Der deutsche Zeichner, Kunsttheoretiker, Aktions- und Objektkünstler zählte als Avantgardist zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Joseph Beuys setzte sich mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie, der Anthroposophie auseinander und versuchte in seiner Kunst die Wiederherstellung der Einheit von Natur und Geist zu erlangen. Dabei stellte er archetypische und mythische Verbindungen her. Seine Werke sind oft als Gegenentwürfe mit Symbolsprache zu verstehen; Beuys avancierte damit zum "idealtypischen Gegenspieler" von Andy Warhol. Er setzte Wärmeenergie mit Evolution und Kreativität gleich. Seine bezeichnenden Materialien waren indes Kupfer, Fett oder Filz. Sie standen für eine sprechende Bildlichkeit und die Komplexität des menschlichen Lebens...
Joseph Beuys wurde am 12. Mai 1921 als Sohn eines Kaufmanns in Krefeld geboren.

Beuys beteiligte sich als Kampfflieger am Zweiten Weltkrieg. Während eines Einsatzes im Jahr 1943 stürzte er über der Krim ab. Während seines Krankenlagers wurde Beuys mit Talg behandelt und in Filz gehüllt. Dieses Erlebnis war bestimmend für ihn und seine spätere Kunstmaterialien, denn zum Wachs und Kupfer zählten Fett und Filz zu seinen bevorzugten Stoffen, aus denen er Kunstwerke formte. In der Zeit von 1946 bis 1955 schloss er sich dem Klevener Künstlerbund an. Ab dem Jahr 1947 studierte Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei und Bildhauerei. Er war ein Schüler von Josef Enseling und später Meisterschüler von Ewald Mataré. 1953 hatte er in Wuppertal und Kranenburg die erste Einzelausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen.

Beuys litt durch seine Kriegserfahrungen an Depressionen. 1957 verblieb er deswegen für längere Zeit in Kranenburg. 1961 folgte er einer Berufung als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf. Dort lehrte er bis 1972. 1964 nahm er erstmals an der Kassler Kunstausstellung documenta teil. Ab diesem Zeitpunkt stellte er regelmäßig dort aus. 1965 wurde seine erste Ausstellung in der Galerie von Alfred Schmeler in Düsseldorf organisiert. 1967 gründete Beuys anlässlich der Unruhen zum Schah-Besuch in Deutschland und der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg die "Deutsche Studentenpartei". Beuys wollte sich für einen autonomen Betrieb der Hochschulen einsetzen sowie für ein gerechteres Aufnahmeverfahren. 1970 rief er die "Organisation der Nichtwähler, Freie Volksabstimmung" ins Leben.

Im gleichen Jahr fand eine Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt statt. Dort wurden neben Zeichnungen und Bildern auch der sogenannte "Beuys-Block", mehrteilige Rauminstallationen, gezeigt. 1971 gründete Beuys die "Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung". In einer spektakulären Aktion besetzten Beuys und seine Studenten im gleichen Jahr das Sekretariat der Kunstakademie Düsseldorf. Außerdem ließ er auch die Studenten an seinem Unterricht teilhaben, die zuvor von der Akademie abgewiesen wurden. Im Jahr darauf nahm er an der documenta 5 teil. Dort stellte er ein Büro seiner "Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung aus" und war jeden Tag der insgesamt hundert Ausstellungstage dort präsent.

Abermals besetzte Beuys mit abgewiesenen Hochschulbewerbern das Akademie-Sekretariat. Er erhielt von Johannes Rau, dem nordrhein-westfälischen Minister für Wissenschaft und Forschung, die Kündigung. Öffentlicher Protest gegen die Kündigung kam unter anderem von Martin Walser, Peter Handke, Heinrich Böll oder Gerhard Richter. 1973 rief er die "Freie Internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung" ins Leben. Drei Jahre später beteiligte er sich an der Biennale in Venedig und an der Berliner Zeitgeistausstellung. 1978 wurde der Rechtsstreit zur Kündigung von Beuys wegen der Sekretariatsbesetzung beendet.

Der Künstler hatte gegen die Entlassung geklagt und bekam Recht gesprochen. Die Kündigung war rechtswidrig. Beuys ließ sich auf einen Kompromiss ein, der ihm den Professorentitel zuerkannte und die Nutzungsrechte für das Atelier. 1978 nahm er eine Gastprofessur an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien an. Ein Jahr darauf erhielt er eine Retrospektive im Solomon R. Guggenheim-Museum in New York, und er kandidierte für das Europa-Parlament. 1980 nahm er eine Gastprofessur an der Kunstschule Städel in Frankfurt/M. wahr. Für die Partei der Grünen bemühte er sich um einen Sitz im Landtag von Nordrhein-Westfalen. 1984 stellte Beuys seine Werke im Seibu-Museum in Tokio aus.

Zu seinen weiteren Ausstellungen zählen unter anderem im Jahr 1985 die Veranstaltung "Kreuz und Zeichen – Religiöse Grundlagen im Werk von J.B." und die Beteiligung an "German Art in the Twentieth Century Painting and Sculpture 1905-1985" in London. Neben seiner Bemühung zur Einigung von Natur und Geist in der Kunst zählte für Beuys auch das politische Engagement, zu dem er sein Schaffen einsetzte. Grundlage für die Politisierung der Kunst war seine Vorstellung, die Kreativität des Künstlers auf alle Bereiche des Lebens anzuwenden. In praktischer Hinsicht realisierte er Aktionen wie zum Beispiel die Pflanzung von 7.000 Eichen und die Aufstellung von 7.000 Basaltstählen zur dokomenta 7 (1982), um in dieser Weise auf die Probleme der Umweltzerstörung aufmerksam zu machen.

Beuys benutzte seine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen oftmals für Gegenentwürfe, die er mit magisch-religiösen Elementen ausstattete, um dadurch seine Ablehnung von einen zweckorientierten Rationalismus zur Schau zu stellen.

Joseph Beuys starb am 23. Januar 1986 in Düsseldorf an Herzversagen.

NameJoseph Beuys

Geboren am12.05.1921

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortKrefeld (D).

Verstorben am23.01.1986

TodesortDüsseldorf (D).