Biografie

Johannes Rau

Der SPD-Politiker Johannes Rau stellte von 1999 bis 2004 den 8. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Amt begleitete er als der zweite sozialdemokratische Politiker. Davor vollzog Rau eine lange landespolitische Karriere, in der er 20 Jahre lang Ministerpräsident des Landes Nordrein-Westfahlen war. Dabei regierte Rau knapp 18 Jahre mit absoluter Mehrheit. Große humane Anerkennung erfuhr das Staatsoberhaupt durch seine Friedenspolitik mit Israel, die er unter dem Gedanken "Aussöhnung statt Spaltung" führte...

Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

Die Europäische Union
Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal, als drittes von fünf Kindern des evangelischen Pfarrers Ewald Rau und dessen Frau Helene geboren.

Er verließ 1948 das Gymnasium mit dem Abschluss der Mittleren Reife. Nachdem er von 1949 bis 1951 eine Lehre als Verlagsbuchhändler in Wuppertal absolviert hatte, besuchte er die Buchhändlerschule in Köln. Während dieser Zeit war Rau bereits politisch aktiv und journalistisch für die Zeitschrift "Jugend in Wuppertal" tätig. Von 1952 bis 1954 arbeitete er als Verlagsbuchhändler in seinem Ausbildungsbetrieb in Wuppertal. Ab 1953 wurde er Lektor sowie Vertreter im "Luther- und Eckart-Verlag" in Witten. Währenddessen trat Rau, aus Protest gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, im Dezember 1952 in die "Gesamtdeutsche Volkspartei" (GVP) des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann ein.

Hier wurde er kurz darauf Kreis- und Ortsvorsitzender von Wuppertal. 1954 wurde er Geschäftsführer des "Jugenddienst-Verlages" in Wuppertal. Dieses Amt begleitete er bis 1967, und ab 1962 war er Vorstandsmitglied sowie ab 1965 Direktor des Verlages. 1957 löste sich die GVP auf und Johannes Rau wurde Mitglied der sozialdemokratischen SPD, deren Vorsitz er in Wuppertal von 1958 bis 1962 innehatte. Ab 1958 war er für die SPD Mitglied des Landtages Nordrhein-Westfalen und von 1962 bis 1970 gehörte er dem Vorstand der SPD-Landtagsfraktion an. Weiter übernahm er von 1967 bis 1970 den Vorsitz der SPD-Fraktion. Von 1966 bis 1974 war er Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages und von 1968 bis 1999 Mitglied des Parteivorstandes der SPD in der Bundesebene.

Im Jahr 1969 erfolgte die Wahl von Johannes Rau zum Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal. Dieses Amt begleitete er jedoch nur ein Jahr. 1970 wurde er Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Schlagzeilen machte Rau, als er am 10. Oktober 1972 den Aktionskünstler und Professor für Bildende Künste Joseph Beuys der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt entlassen hatte. Auslöser war, dass Beuys das Sekretariat der Kunstakademie Düsseldorf besetzte, um jedem der wollte das Kunststudium an der Akademie zu ermöglichen. 1978 erfolgte Raus Wahl zum Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. 1982 heiratete er Christina Delius, eine Enkelin des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann.

Aus dieser Beziehung gingen die drei Kinder Anna Christina (1983), Philipp Immanuel (1985) und Laura Helene (1986) hervor. Von 1982 bis 1983 sowie 1994 bis 1995 wurde Johannes Rau in seinem Amt als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen turnusgemäß Bundesratspräsident. Am 15. September 1985 wurde er erstmals von der SPD zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1987 nominiert. Eine eventuelle Koalition mit den Grünen lehnte er jedoch entschieden ab. Johannes Rau unterlag dem amtierenden Kanzler Helmut Kohl. Aufgrund eines Krebstumors wurde Rau im Juli 1992 die linke Niere entfernt. Nach seiner Genesung im November desselben Jahres konnte er seine Arbeit wieder aufnehmen. Am 13. September 1993 wurde er erstmals vom Parteivorstand der SPD für das Amt des Bundespräsidenten nominiert.

Bei der Wahl zum Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung unterlag er jedoch am 23. Mai 1994 dem Christdemokraten der Union Roman Herzog. Zum fünften Mal in Folge wurde Rau im Juli 1995 zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten gewählt, und 1997 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum übertragen. Im März 1998 kündigte er seinen politischen Rückzug in den nordrhein-westfälischen Ämtern an. Im Mai trat er als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident und Landesvorsitzender der SPD zurück. Am 2. November desselben Jahres wurde Johannes Rau vom Parteivorstand der SPD zum zweitenmal als Kandidat der Partei für das Amt des Bundespräsidenten nominiert.

Am 23. Mai 1999 wurde Johannes Rau von der Bundesversammlung im Berliner Reichstagsgebäude zum 8. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Im Amt vereidigt wurde er am 1. Juli 1999 in Bonn. Während seiner Amtszeit, die weder von Skandalen noch von herausragenden Appellen begleitet wurde, machte er sich als mitmenschliches Staatsoberhaupt verdient. Großen Zuspruch erfuhr Johannes Rau durch seine deutliche Haltung und seinem Einsatz gegenüber dem Zuwanderungsgesetz. Im September 2003 gab Rau bekannt, bei der nächsten Wahl am 23. Mai 2004 nicht mehr für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Am 23. März 2004 brach Johannes Rau seine Afrika-Reise zum Truppenbesuch deutscher Soldaten in Dschibuti ab. Dem zuvor ging nach Angaben eines Geheimdienstberichts, ein geplanter Mordanschlag auf einen hochrangigen europäischen Repräsentanten.

Im selben Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Bauwesen der Universität Dortmund. Am 23. April 2004 kehrte Rau von seinem letzten Staatsbesuch als Bundespräsident aus Ungarn zurück. Johannes Rau hatte insgesamt 76 Auslandsreisen als Staatsoberhaupt unternommen. Am 1. Juli 2004 endete Johannes Raus Amtszeit als Bundespräsident. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Horst Köhler. Am 22. Juni 2005 wurde Rau der "Kulturgroschen" des Deutschen Kulturrates verliehen. Im September desselben Jahres folgte der Gustav-Adolf-Preis für Versöhnung und Verständigung zwischen ethnischen Gruppen ohne Ansehen ihrer Religion und Konfession. Noch im selben Monat bekam der ehemalige Bundespräsident für sein gesellschaftliches Engagement auch noch den Karl Barth-Preis der Union Evangelischer Kirchen verliehen.

Der Politiker musste sich nach dem Ausscheiden aus dem Bundespräsidentenamt zwei schweren Operationen unterziehen. An einem Empfang von Bundespräsident Horst Köhler zu seinem Geburtstag am 16. Januar in Berlin konnte er bereits nicht mehr teilnehmen.

Johannes Rau starb am 27. Januar 2006 in Berlin.


Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

Die Europäische Union

NameJohannes Rau

Geboren am16.01.1931

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortWuppertal (D).

Verstorben am27.01.2006

TodesortBerlin (D).