Biografie

Martin Walser

Der deutsche Schriftsteller ist vor allen Dingen bekannt als Erzähler. Viele der Geschichten beschreiben satirisch die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland anhand des Innenlebens seiner Buchhelden. Das Scheitern ihrer Wünsche und Vorhaben oder ihre deformierte Persönlichkeit sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse und Einflüsse. Die dabei von Walser verwendete Sprachökonomie und Präzision haben großen Anteil an seinem literarischen Erfolg. Seine Erzählwerke nehmen verschiedene Traditionen auf wie zum Beispiel das absurde Theater. Darüber hinaus ist Martin Walser ein exzellenter Essayist. Er ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller unserer Zeit...
Martin Walser wurde am 24. März 1927 als Sohn eines Gastwirtes in Wasserburg (Bodensee) geboren.

Den Zweiten Weltkrieg erlebte Martin Walser im Arbeitsdienst und als Flakhelfer mit. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Ab 1947 studierte er in Regensburg Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie, ab 1948 in Tübingen. Walser war ab 1949 als Reporter, Redakteur und Hörspielregisseur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart tätig. 1951 promovierte er mit einem Thema über Franz Kafka und 1953 wurde er Mitglied in dem demokratischen Schriftsteller- und Publizistenzusammenschluss "Gruppe 47". 1957 zog er nach Friedrichshafen am Bodensee und arbeitete dort als freier Schriftsteller. 1968 zog er um nach Nußdorf bei Überlingen. 1955 erhielt er den Preis der "Gruppe 47" für sein Erzählstück "Templones Ende".

Im gleichen Jahr erweckte er das öffentliche Interesse an seinem literarischen Schaffen mit der Erzählung "Ein Flugzeug über dem Haus". Für seinen Erstlingsroman "Ehen in Philippsburg" erhielt Walser 1957 der Hermann-Hesse-Preis. "Halbzeit", der erste Teil der Romantrilogie über den Antihelden Anselm Kristlein, erschien 1960. Die beiden anderen Teile folgten 1966 mit "Das Einhorn" und 1973 mit "Der Absturz". Auch späterhin schuf Walser gern Roman-Serien mit ein und demselben Helden. In Walsers Werken sind es aber Anti-Helden, die durch ihr Innenleben die gesellschaftlichen Zustände und Einflüsse preisgeben. An ihnen sowie oftmals an der eigenen Persönlichkeit scheitern sie. 1962 wurde der Schriftsteller mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis ausgezeichnet. 1978 wurde seine bekannte Novelle "Ein fliehendes Pferd" veröffentlicht.

Die Problematik zur Midlife-Crisis wird mit einer ausgezeichneten Sprachökonomie und Präzision beschrieben, die zum Erfolg des Werkes beitrugen. Berufliche Erfolglosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Altern oder unerfüllte Hoffnungen sind Themen vieler Romane von Walser wie zum Beispiel "Jenseits der Liebe" (1976), "Brief an Lord Liszt" (1982), "Brandung" (1985), "Das Schwanenhaus" (1980) oder "Jagd" (1988). Die Anti-Helden beschäftigen sich analysierend oder beschreibend mit ihrem Inneren und vermitteln dem Leser gesellschaftliche und persönliche Stolperhürden. 1981 erhielt Martin Walser Deutschlands höchste Literaturauszeichnung, den Georg-Büchner-Preis. 1990 wurde er mit der Carl-Zuckmayer-Medaille, dem Ricarda-Huch-Preis und dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste geehrt.

Zur Teilung von Deutschland bekannte er 1988 öffentlich, dass er sich damit nicht abfinden könnte. Sein 1991 veröffentlichter Roman "Die Verteidigung der Kindheit" steht im Zusammenhang mit der politischen Geschichte Deutschlands vom Zweiten Weltkrieg und der deutschen Einheit, die mit der Biografie eines realen Vorbildes, dem nach Walser-Manier typischen Anti-Helden Alfred Dorn, verknüpft ist. Auch in dem Roman "Finks Krieg" (1996) ist eine reale Lebensgeschichte Vorbild. Dabei geht es um den politischen Alltag in Deutschland sowie parteipolitische Intrigen, die zur Entlassung eines hessischen Ministerialrats führen. 1998 kam der Roman "Ein springender Brunnen" heraus, indem Walser nicht nur sein eigentliches Kinder- und Jugenddasein beschreibt, sondern auch die Entwicklung und das Ende des Dritten Reiches. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Friedenspreis den Deutschen Buchhandels geehrt.

In seiner Dankesrede vertrat er die Meinung, dass die ständige Erinnerung an die Judenvernichtung einen Gewöhnungseffekt und damit eine bewusste Ausblendung erziele. In der dadurch eingeläuteten öffentlichen Kontroversdiskussion warf Ignatz Bubis, der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem Schriftsteller "geistige Brandstiftung" vor. Walser präzisierte, dass damit kein Schlussstrich unter der Geschichte gemeint sei. Bubis und Walser kamen in einem gemeinsamen Gespräch überein, dass für die Schreckensvorgänge an den Juden noch keine angemessene Sprache gefunden worden sei. Die deutschen Buchhändler wählten Martin Walser 1999 zum "Autor des Jahres 1998". Neben satirischen Gesellschaftsromanen befasste er sich darüber hinaus mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, mit dem Kapitalismus sowie mit den politischen Themen Verdrängung und Kontinuität.

In den politischen Bereich gehen auch seine Arbeiten, die nach dem Rollenverständnis der Intellektuellen in der Politik nachfragen – anhand von historischen Ereignissen wie der Bauernkrieg oder anhand von Personen wie Johann Wolfgang von Goethe. Zu den weiteren Werken von Martin Walser zählen unter anderem "Halbzeit" (1960), "Eiche und Angora. Eine deutsche Chronik" (1962), "Der Schwarze Schwan" (1964), "Überlebensgroß Herr Kott. Requiem für einen Unsterblichen" (1964), "Ein Kinderspiel" (1970), "Der Sturz" (1973), "Seelenarbeit" (1979), "In Goethes Hand. Szenen aus dem 19. Jahrhundert" (1982), "Meßmers Gedanken" (1982), "Über Deutschland reden" (1988), "Ohne einander" (1993), "Vormittag eines Schriftstellers" (1994), "Ich vertraue. Querfeldein. Reden und Aufsätze" (2000) oder Der Lebenslauf der Liebe" (2001).

Polemiken und Kritik rief 2002 sein Roman "Tod eines Kritikers" noch im Vorfeld der Publikation hervor: Der Kritikerroman zeichnet mit unmissverständlicher Anspielung auf den Literaturkritiker Marcel Reich Ranicki und dem Rückgriff auf antisemitische Stereotypen ein negatives Bild einer jüdischen Kritikerautorität, die die Entfaltung deutscher" Kreativität verhindern würde. Vor dem Hintergrund seiner missverständlichen Rede von 1998 nähren die neuerlichen antisemitischen Suggestionen Martin Walsers in der Öffentlichkeit nunmehr den Verdacht, dass der sprachgewandte Literat seine Worte nicht unabsichtlich wählte, sondern bewusst mit dem Feuer spielt.

NameMartin Walser

Geboren am24.03.1927

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortWasserburg, Bodensee (D).