Biografie

Gerhard Richter

Der Maler, Bildhauer und Fotograf zählt zu den höchstdotierten Künstlern der Gegenwart. Sein großes Gesamtwerk, das nahezu alle Fassetten und Techniken der Kunstgeschichte eigenständig umfasst, ist einzigartig und verweist bereits zu Lebzeiten auf seine überzeitliche Bedeutung. Von 1971 bis 1993 war er Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Frühwerke zeichnen sich durch den Stil der gegenstandslosen Art-informel-Malerei aus. Unter dem Einfluss von Roy Lichtensteins Pop-Art entwickelte Gerhard Richter seine eigene Maltechnik; er bewegte sich zwischen Fotorealismus und Pop-Art. Es entstanden Bilder in Schwarzweiß und in Grautönen, deren Vorlagen Zeitungsfotografien und Amateurfotos waren. Die anfangs noch gestisch übermalten Bilder zeigten in einer mystischen Unschärfe banale Motive. Später wechselte sein Stil, als er sich auf abstrakte Gemälde in Großformat konzentrierte, die er mit starken Farben realisierte. Richters Werke sind nach eigenen Angaben "ohne Stil, ohne Komposition, ohne Urteil" angefertigt worden. Er bezeichnete sie auch "Allerwelts-Bilder". Er verstehe die Malerei als Analogie zum Unanschaulichen und Unverständlichen, denen nur die Malerei zur Anschauung verhelfe...

Gerhard Richter wurde am 9. Februar 1932 in Dresden geboren.

Aufgewachsen ist er in Reichenau und Waltersdorf in der sächsischen Oberlausitz. Richter absolvierte von 1948 bis 1951 eine Ausbildung zum Bühnen- und Werbemaler in Zittau. Danach studierte er von 1952 bis 1955 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er war in dieser Zeit unter anderem als Kulissenmaler und in einem Photolabor tätig. Unterrichtet wurde Richter von Karl von Appen, Ulrich Lohmar und Will Grohmann. 1955 bildete sein Wandgemälde "Abendmahl", mit Picasso als Zentralfigurfür, für die Mensa der Dresdner Akademie sein Vordiplom. 1956 gestaltete Richter im Dresdner Hygienemuseum ein weiteres Wandbild als Diplomarbeit mit dem Titel "Liegewiese". 1957 heiratete er Marianne (Emma) Eufinger. 1968 wurde Richters erste Tochter geboren. Von 1957 bis 1961 arbeitete Richter als Meisterschüler an der Akademie und als freier Maler mit Staatsaufträgen der DDR. 1961 kam er durch Flucht nach Westdeutschland. Seine in der DDR geschaffenen Kunstwerke musste er zurücklassen.

Richter zog nach Düsseldorf. Sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz vollzog er in den Jahren von 1961 bis 1963. Danach arbeitete er als Maler. Von 1962 bis 1982 betrieb er ein Atelier in Düsseldorf. 1967 lehrte er als Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Später, ab 1971, hatte er einen Lehrstuhl an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf inne – bis 1994. Von 1975 bis 1992 war er Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Gastprofessuren erfüllte Gerhard Richter 1978 am Nova Scotia College of Art and Design im kanadischen Halifax und 1988 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, der Städelschule in Frankfurt a. M. Anfänglich wurde Gerhard Richter in seinem Schaffen von der französisch-amerikanischen Art informel inspiriert. Zentrales Merkmal ist die Gegenstandslosigkeit, die Richter bis zum Jahr 1962 in expressiver Weise gestaltete. Danach machte sich die Pop-Art von Roy Lichtenstein bemerkbar, dessen Arbeitsweise Richter zum eigenen neuen Stil führte.

Von da an beherrschten Schwarzweiß und Grautöne seine Werke, die er nach Vorlagen aus Zeitungs- oder anderen Photographien anfertigte. Stets waren es banale Szenen, die er bearbeitete, wie zum Beispiel der Titel "Emma – Akt auf einer Treppe" (1966). Aber auch Motive aus der jüngeren Vergangenheit waren sein Thema, die er mit der typischen Unschärfe versah. Dafür stehen unter anderen die Bilder "Stukas" (1964) und "Onkel Rudi" (1965), wobei trotz der verschwommenen Darstellung eine Uniform der Nationalsozialisten zu erkennen ist. Später dienten Luftaufnahmen als Vorlagen für farbenfrohe Landschaftsbilder. Eine weitere Vorlage stammt von Schwarzweiß-Bildern aus Lexika von populären Persönlichkeiten, die Gerhard Richter zwischen 1971 und 1972 zu seiner Serie "48 Porträts" verarbeitete. 1973 entstand das Werk "1024 Farben" aus quadratischen Farbfeldern. 1976 änderte sich Richters Kunststil, indem er abstrakte Gemälde im Großformat anfertigte. Sie tragen nicht nur das Merkmal einer starken Farbigkeit, sondern auch von dickeren Farbschichten, die in ihrer Aufgerissenheit die Materialität des Werkstoffes offenbaren. Diese Technik realisiert Richter noch bis heute. Nebenbei hält er aber noch an seinen Fotobildern fest, die unter anderem eine Folge von Stillleben mit Kerzen und Totenschädeln in Farbe zeigen.

In seinen je aktuellen Historienbildern stellt der Künstler beispielsweise mit seinem in den Jahren 1987 und 1988 entstandenen zyklischen Werktitel "18. Oktober 1977" den Tod der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Hochsicherheitstrakt der Stuttgart-Stammheimer Vollzugsanstalt dar. Richters Werke sind nach eigenen Angaben "ohne Stil, ohne Komposition, ohne Urteil" angefertigt worden. Er bezeichnete sie auch "Allerwelts-Bilder". Er verstehe Malerei als Analogie zum Unanschaulichen und Unverständlichen, denen nur die Malerei zur Anschauung verhelfe. Richter zog daraus den Schluss, dass gute Bilder unverständlich seien. Den Begriff "kapitalistischer Realismus" erfanden Gerhard Richter, Konrad Lueg und Sigmar Polke in ironischer Anspielung auf die offizielle DDR-Bezeichnung "Sozialistischer Realismus" als Kunstrichtung. Gerhard Richter ist ein vielgeehrter Künstler. So erhielt er 1967 den Kunstpreis "junger westen" der Stadt Recklinghausen, 1981 den Arnold-Bode-Preis in Kassel, 1985 den Oskar-Kokoschka-Preis in Wien, 1988 den Kaiserring der Stadt Goslar, 1995 den Wolf-Preis in Jerusalem, 1997 den Goldenen Löwe der 47. Biennale Venedig und den Praemium-Imperiale-Preis in Tokio.

Von 1982 bis 1993 war Richter mit der Bildhauerin Isa Genzken verheiratet. 1995 heiratete er seine ehemalige Schülerin Sabine Moritz. Aus der Beziehung gingen drei Kinder hervor. Das Paar ließ sich in Köln nieder. Richter wurde im Jahr 2004 mit dem Kunst- und Kulturpreis der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken geehrt. Laut "Kapital"-Kunstkompass aus dem Jahr 2004 wurde Gerhard Richter der gefragteste Künstler, gefolgt wird er von Sigmar Polke und dem Amerikaner Bruce Naumann. Am 20. August 2004 wurden die Gerhard-Richter-Räume im Dresdner Albertinum eröffnet. Hier werden 41 Werke als Dauerleihgabe ausgestellt. 2005 wurde in Dresden das Gerhard Richter Archiv ins Leben gerufen. 2007 beteiligte er sich an der documenta 12, Kassel. Im selben Jahr wurde in der Südquerhausfassade des Kölner Doms sein 113 m² großes Fenster aus 11.500 Quadraten aus mundgeblasenem Echt-Antik-Glas in 72 unterschiedlichen Farben eröffnet. Die Arbeit war ein Geschenk Richters an den Kölner Dom. Im Mai 2013 erzielte sein Bild "Domplatz, Mailand" (1968) bei den Frühjahrauktionen von Sotheby's New York, den bis dahin höchsten für ein Werk eines lebenden Künstlers gezahlten Preis von 37,1 Mio. US-$.
1967: Kunstpreis Junger Westen, Recklinghausen
1982: Arnold-Bode-Preis, Kassel
1985: Oskar Kokoschka Preis, Wien
1988: Gastprofessur an der Städelschule, Frankfurt am Main
1988: Kaiserring, Goslar
1995: Wolf-Preis der Wolf-Stiftung, Jerusalem
1997: Goldener Löwe der Biennale, Venedig
1997: Praemium Imperiale, Tokio
1998: Membership. The American Academy of Arts and Letters, New York
1998: Wexner-Preis, Ohio
2000: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
2001: Ehrendoktor, Université catholique de Louvain-la-Neuve
2004: Katholischer Kunstpreis, Köln
2007: Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln

NameGerhard Richter

Geboren am09.02.1932

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortDresden (D).