Biografie

Horst Köhler

Der promovierte Volkswirtschaftler stellte von 2004 bis 2010 den 9. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Damit war Horst Köhler der erste internationale Finanzfachmann im höchsten Staatsamt der Bundesrepublik. Er vollzog zunächst als Berater von Altkanzler Helmut Kohl eine steile Karriere in der Finanzpolitik. Sein wirtschaftliches Know-how ließ ihn zunächst Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (ab 1993) werden, ehe Horst Köhler 1998 zum Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sowie im Jahr 2000 zum Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestellt wurde...

Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland
Horst Köhler wurde am 22. Februar 1943 als siebtes von acht Kindern einer Bauernfamilie in Skierbieszow in Polen geboren.

Köhler wuchs in einfachen Verhältnissen bei seinen Eltern auf. Vor Kriegsbeginn floh die Familie 1944 vor den anrückenden russischen Truppen nach Deutschland. Hier ließen sie sich fast zehn Jahre lang in Markkleeberg-Zöbigker bei Leipzig nieder. Im Anschluss zogen sie 1957 nach Ludwigsburg. Nach dem Abschluss der Schule mit Abitur 1963 studierte Köhler Volkswirtschaft und Politische Wissenschaften an der Universität Tübingen. Dort wurde er von 1969 bis 1976 als wissenschaftlicher Forschungsassistent am Institut für angewandte Wirtschaftsforschung tätig. 1969 heiratete er Eva Bohnet; sie wurden Eltern von zwei Kindern. In den Jahren 1976 bis 1989 war Köhler in verschiedenen Funktionen im deutschen Wirtschafts- und Finanzministerium tätig.

Von 1976 bis 1980 war er im Bundesministerium für Wirtschaft in der Grundsatzabteilung tätig. 1981 wurde Horst Köhler Mitglied der CDU und wechselte im selben Jahr in die Staatskanzlei der Landesregierung von Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg. 1982 wurde er Leiter des Ministerbüros und Leiter der Unterabteilung IA im Bundesministerium der Finanzen. 1987 wurde er Leiter der Abteilung I im Bundesfinanzministerium für Grundsatzfragen der Finanzpolitik, finanzielle Fragen einzelner Bereiche und industrielles Bundesvermögen. 1990 ernannte Bundesfinanzminister Theo Waigel Horst Köhler zum Staatssekretär. Indes verdiente er sich als Chefunterhändler beim Maastricht-Vertrag über die Europäische Währungsunion, zugleich wurde er persönlicher Beauftragter von Bundeskanzler Helmut Kohl.

Köhler fungierte als sein persönlicher Vertreter bei der Vorbereitung der G7-Wirtschaftsgipfel in Houston 1990, London 1991, München 1992 und Tokio 1993. 1993 schied er aus der Bundesregierung aus. Darauf wurde Köhler von 1993 bis 1998 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. 1998 wurde er Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London. Am 1. Mai 2000 wurde Horst Köhler Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, D.C.. Am 23. März 2000 folgte durch das Exekutivdirektorium des IWF seine einstimmige Wahl zum Geschäftsführenden Direktor und Vorsitzenden des Exekutivdirektoriums. 2003 ernannte die Universität Tübingen Köhler zum Honorar-Professor. Am 4. Mai 2004 benannten CDU, CSU und FDP Horst Köhler zum gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Am 23. Mai wählte ihn die Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit der Mehrheit von 604 Stimmen aus 1205 Mitgliedern zum neunten Bundespräsidenten. Seine Gegenkandidatin Gesine Schwan (SPD), aufgestellt von SPD und Grünen, erhielt 589 Stimmen. Am 1. Juli 2004 legte Köhler vor den Mitgliedern von Bundestag und Bundesrat im Plenum des Deutschen Bundestages den Amtseid ab. In der Folge tat sich der Bundespräsident immer wieder als Hüter der persönlichen Freiheits- und Grundrechte hervor. Im Zusammenhang mit der Verabschiedung eines neuen Luftsicherheitsgesetzes, das den Abschuss von Flugzeugen im Fall eines Terroranschlags erlaubt, veranlasste Köhler im Januar 2005 eine Überprüfung des Gesetzes durch das Bundesverfassungsgericht.

Nach dem vorläufigen Scheitern der Föderalismuskommission kurz vor Weihnachten 2004, setzte sich Köhler im Januar 2005 für einen zweiten Anlauf zur Föderalismusreform ein. Im April 2005 zog der Bundespräsident durch sein unternehmer- und wirtschaftsfreundliches Auftreten die Kritik von SPD und Grünen auf sich. Am 1. Juli 2005 stellte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag, die, wie erwartet, negativ beschieden wurde. Nach der Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit löste Bundespräsident Köhler am 22. Juli den Bundestag auf und setzte für den 18. September 2005 Neuwahlen an, aus denen Angela Merkel (CDU) als erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik hervorging.

Im Bezug auf die Finanzkrise 2007 sprach sich Köhler für eine Regulierung und "Bändigung" der Finanzmärkte und des "Finanzkapitalismus" aus. Dieses Thema behandelte auch seine letzte Berliner Rede (2009) unter dem Titel "Die Glaubwürdigkeit der Freiheit". Im Frühjahr 2010 ging Köhler auf kritische Distanz zur Politik der schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel. Seine Aussagen, während eines Interviews auf dem Rückflug nach einem Besuch von Bundeswehr-Truppen in Afghanistan, wurden von einigen Regierungs- und Oppositionspolitikern teils heftig kritisiert. Am 31. Mai 2010 erklärte Köhler überraschend seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des deutschen Bundespräsidenten. Am 15. Juni 2010 wurde Horst Köhler mit dem Großen Zapfenstreich im Park von Schloss Bellevue feierlich verabschiedet.


Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

NameHorst Köhler

Geboren am22.02.1943

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortSkierbieszow (PL).