Biografie

Gustav Heinemann

Der Jurist und christliche Politiker engagierte sich während des Nationalsozialismus im Wiederstand der Bekennenden Kirche. Von 1949 bis 1950 war er Bundesminister des Innern. In der Nachkriegszeit kehrte Gustav Heinemann als überzeugter Pazifist im Zuge der deutschen Remilitarisierung der CDU den Rücken. 1952 gründete er die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP). 1957 trat er der SPD bei. Von 1966 bis 1969 war er Bundesminister der Justiz in der Großen Koalition, ehe er von 1969 bis 1974 den dritten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland stellte....

Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland
Gustav Walter Heinemann wurde am 23. Juli 1899 im westfälischen Schwelm geboren.

Er besuchte in Essen das Gymnasium, wo er während des Ersten Weltkriegs 1917 das Notabitur ablegte. Nach kurzem Kriegsdienst studierte Heinemann von 1918 bis 1921 Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichte in Münster, Marburg, München, Göttingen und Berlin. In Marburg schloss er 1922 die Studien mit der Promotion in Politologie ab. 1929 legte er auch noch den juristischen Doktorgrad ab. 1926 heiratete Heinemann Hilda Ordemann, mit der er vier Kinder hatte. Von 1926 bis 1929 war Heinemann als Rechtsanwalt in Essen tätig. Dann wurde er dort als Justitiar für die Rheinischen Stahlwerke tätig, in deren Vorstand er von 1936 bis 1949 vertreten war.

Heinemann engagierte sich bereits in seiner Studentenzeit im demokratischen Rahmen der Weimarer Republik, weshalb er infolge des Kapp-Putsches vorübergehend in Haft geriet. Bis 1933 war er dann für den Christlichen Volksdienst tätig. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme durch Adolf Hitler im Januar 1933 engagierte sich Heinemann ab 1934 als einer der Organisatoren der Bekennenden Kirche, einer kirchlichen Widerstandsbewegung im Hitler-Deutschland. In den Jahren von 1936 bis 1950 war Heinemann Vorsitzender des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in Essen. Außerdem war er von 1933 bis 1939 als Dozent für Berg- und Wirtschaftsrecht an der Universität Köln tätig. Nach Kriegsende wurde Heinemann 1945 in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt, in dem er bis 1967 vertreten war.

Im Jahr 1949 erhob man ihn außerdem zum Präses der Gesamtdeutschen Synode, als welcher er bis 1955 amtierte. Sein parteipolitisches Engagement begann 1945 mit dem Eintritt in die CDU, für die Heinemann von 1946 bis 1949 den Oberbürgermeister von Essen stellte. 1947 bis 1950 saß er für seine Partei im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Für dasselbe Bundesland fungierte er 1947/48 als Justizminister. Im September 1949 wurde Heinemann als Innenminister in die erste Bundesregierung der neugegründeten Bundesrepublik unter Konrad Adenauer berufen. Zwei Wochen später trat der überzeugte Pazifist Heinemann von diesem Amt zurück, nachdem der Bundeskanzler den Westmächten ohne Wissen des Kabinetts die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik vorgeschlagen hatte.

Heinemann engagierte sich in der Folge als Gegner der Remilitarisierung Deutschlands. 1951 gründete er dafür die "Notgemeinschaft für den Frieden Europas". Ein Jahr später trat er aus der CDU aus, um mit Helene Wessel die "Gesamtdeutsche Volkspartei" ins Leben zu rufen, die eine strikte Neutralitätspolitik als Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung propagierte. Nachdem die Partei bei den Bundestagswahlen von 1953 an der 5%-Marke gescheitert war, löste sie sich 1957 wieder auf. 1957 trat Heinemann nun in die SPD ein, für die er bis 1969 im Bundestag saß und sich dort als vehementer Gegner Adenauers profilierte, den er aufgrund der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik einer verfehlten Deutschlandpolitik bezichtigte.

Im Jahr 1962 vertrat der Rechtsanwalt Heinemann in der durch Minister Franz Josef Strauß provozierten "Spiegel-Affäre" das Hamburger Nachrichtenmagazin vor Gericht. 1966 wurde Heinemann als Bundesjustizminister in die Große Koalition unter Kurt Kiesinger berufen. Als solcher realisierte er bis 1969 die "Großen Strafrechtsreform". Nach dem vorzeitigen Rücktritt des Bundespräsidenten Heinrich Lübke trat Heinemann zum 1. Juli 1969 dessen Nachfolge als drittes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik an. In seiner Amtszeit von 1969 bis 1974 setzte sich der Bundespräsident für die gesellschaftliche Integration von Randgruppen ein.

Heinemann verstand sich dabei selbst als "Bürgerpräsident". Er unterstützte vorbehaltlos die "Ostpolitik", die nun unter Bundeskanzler Willy Brandt zu einer ersten Annäherung zwischen beiden deutschen Staaten führte. Im Ausland galt er als Repräsentant des "anständigen Deutschen". Als solcher trug er auf mehreren Staatsbesuchen wesentlich zur Aussöhnung mit den Nachbarländern der Bundesrepublik bei. Da Heinemann am Ende seiner Amtszeit auf eine zweite Kandidatur verzichtete, trat Walter Scheel 1974 seine Nachfolge an.

Gustav Heinemann zog sich in der Folge nach Essen zurück, wo er am 7. Juli 1976 starb.


Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

NameGustav Heinemann

Geboren am23.07.1899

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortSchwelm, Westfalen (D).

Verstorben am07.07.1976

TodesortEssen (D).