Biografie

Jacques Chirac

Der französische Politiker stellte von 1995 bis 2007 den Staatspräsidenten der Französischen Republik. Er nahm als Regierungschef nominell auch die Funktion eines Co-Prinzregenten für das Fürstentum Andorra wahr. Jacques Chirac gehört in seiner politischen Karriere der konservativen, von ihm unter dem Namen "Rassemblement pour la République" (RPR) gegründeten, gaullistischen Partei "Union pour un mouvement populaire" (UMP) an. Im Mai 2002 konnte er sich bei der Wiederwahl gegen seinen Kontrahenten aus dem Rechtslager, den Chef der Nationalen Front Jean-Marie Le Pen, durchsetzen, um für eine weitere Amtsperiode als Staatspräsident zu dienen. Im Mai 2007 übernahm sein ehemaliger Innenminister Nicolas Sarkozy sein Amt als Regierungschef...

Die Europäische Union
Jacques Chirac wurde als Sohn eines Bankangestellten am 29. November 1932 in Paris geboren.

Nach dem Abitur ging Jacques Chirac auf das Institut d'Études Politiques de Paris. Dann studierte er an der renommierten US-amerikanischen Harvard University. Seine Militärzeit von 1956 bis 1958 verbrachte er in Algerien. Auf der Hochschule École Nationale d'Administration bereitete er sich bis 1959 für eine Karriere im Staatsdienst vor. 1962 wurde Chirac Mitarbeiter in der Regierung von Premierminister Georges Pompidou. Er stieg zehn Jahre später auf zum Landwirtschaftsminister. 1974, nach dem Tod vom Pompidou, wurde Chirac von Präsident Valéry Giscard D'Estaing zum Premierminister berufen. In den beiden Jahren 1974 und 1975 hatte der Gaullist Chirac das Amt des Generalsekretärs der "Union Démocratique pour la République" (UDR) inne.

Im Jahr 1976 gab er seinen Posten als Premierminister vorzeitig auf wegen politischer Differenzen mit dem Staatspräsidenten. In dieser Zeit rief er die Partei "Rassemblement pour la République" (RPR) ins Leben und fungierte als ihr Vorsitzender. 1977 wurde er Bürgermeister der Hauptstadt Paris. Vier Jahre später stellte er sich als Kandidat der Wahl zum Staatspräsidenten, die aber der Sozialist François Mitterrand gewann. Als 1986 die bürgerlichen Parteien im Parlament die Mehrheit erlangten, bildete sich eine Kohabitation: Der sozialistische Staatspräsident François Mitterand ernannte den Gaullist Chirac zum Premierminister. Zwei Jahre später reichte Chirac wieder seinen Rücktritt wegen politischer Meinungsverschiedenheiten mit dem Staatspräsidenten ein – das Ende der Kohabitation.

Chirac bewarb sich 1988 erneut um das Amt des Staatsprätendenten, aber auch diesmal hieß der klare Gewinner François Mitterrand. Die Wahlen zum Staatspräsidenten im Jahr 1995 konnte Chirac dann für sich entscheiden. Im ersten Wahlgang trat er gegen Edouard Balladur an, den konservativen Premierminister. Im zweiten Wahlgang schlug er den Kandidaten der Sozialisten, Lionel Jospin. Unter Chiracs Präsidentschaft wurden die französischen Atomwaffentests im Südpazifik wieder eingeführt. Die internationale Gemeinschaft protestierte gegen diesen Entschluss, die die Beziehungen zwischen Frankreich und den Staaten im Südpazifik erheblich belasteten. Die 1996 von Chirac eingeführte Verfassungsreform dient der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht.

Zugleich bemühte er sich um die Wiedereingliederung seines Landes in die militärische NATO-Struktur. Ein Jahr darauf rief seine Novellierung des Ausländergesetzes zur besseren Kontrolle und Bekämpfung gegen illegale Einwanderer Empörung hervor. 1997 löste Chirac die Nationalversammlung auf, in der die bürgerlichen Parteien die Mehrheit hatte. Die Neuwahlen konnte die Sozialistische Partei (PS) beziehungsweise die Linken für sich entscheiden. Der Sozialist Jospin wurde von Chirac zum Premierminister ernannt. Der Anfang einer neuen Kohabitation bedeutete zugleich das Ende einer rein bürgerlichen Regierung. An den Wahlen zum Staatspräsident im April/Mai 2002 konnte Chiracs Gegner, der rechtsradikale Jean-Marie Le Pen überraschend 17 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Danach erfolgten heftige Proteste aus dem französischen Bevölkerungsgrund, vor allen Dingen von den jungen Leuten, die politischen Parteien Europas befürchteten einen weiteren Rechtsruck in der europäischen Politik. Im zweiten Wahldurchgang am 5. Mai 2002 hat der Stimmengewinn von Jean-Marie Le Pen die Wähler mobilisiert und eine rege Wahlbeteiligung ausgelöst. Darauf konnte Chirac die Wahl mit über 82 Prozent der Stimmen für sich entscheiden. Er vollzog eine klare Absage an die Rechtsextremisten. Zum Interims-Premierminister berief Chirac nach seiner Wahl den volksnahen und politisch gemäßigten Jean-Pierre Raffarin, der einen Monat später durch die Parlamentswahlen in seinem Amt bestätigt wurde.

Im Einvernehmen mit der Regierung Raffarin legte Chirac gegenüber den US-amerikanischen Kriegsplänen hinsichtlich des Iraks eine ablehnende Haltung an den Tag. Im Vorfeld des im März 2003 durch US-amerikanische und britische Truppen ausgelösten Irak-Krieges avancierte Frankreich im UN-Sicherheitsrat zum Hauptgegner der "Kriegspartei" um George W Bush und Tony Blair, was seine Beziehungen zu den USA und zu Großbritannien empfindlich beeinträchtigte. Nach dem Krieg normalisierten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder. Auf seiner Europa-Reise traf Bush im Februar 2005 in Brüssel auch mit dem französischen Präsidenten zusammen.

Chirac traf Ende April 2005 zusammen mit Premier Jean-Pierre Raffarin im Zuge der deutsch-französischen Verständigung mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zum 5. Deutsch-Französischen Ministerrat zusammen. Am 19. Mai 2005 traf Chirac anlässlich des Deutsch-polnisch-französischen Gipfeltreffens in Nancy mit seinem polnischen Amtskollegen Alexander Kwasniewski und Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen. Am 29. Mai 2005 löste die französische Volksabstimmung über die Europäische Verfassung, die ablehnend ausfiel, eine Krise der Pariser Regierung aus. Premier Jean-Pierre Raffarin trat daraufhin von seinem Amt zurück.

Zu seinem Nachfolger im Amt des Regierungschefs bestimmte der französische Staatspräsident am 31. Mai 2005 den vorherigen Innenminister Dominique de Villepin. Unmittelbar danach bahnte sich ein Disput zwischen Frankreich und Großbritannien in der Europapolitik an: In der Frage der EU-Subventionen für den britischen Haushalt verfocht Tony Blair eine unnachgiebige Position gegenüber Frankreichs Premier Chirac, der eine Aufhebung dieser Unterstützungszahlungen forderte. Der britische Premier konterte mit der Forderung nach einer Abschaffung der EU-Agrarsubventionen, die er durch eine nachhaltige Unterstützung von Bildung und Wissenschaft ersetzt sehen wollte. Die britisch-französische Kontroverse führte Mitte Juni 2005 zum Scheitern des EU-Gipfels.

In der Frage einer Reform des UN-Sicherheitsrats zeichnete sich im August 2005 die französische Unterstützung der deutschen Position ab: Demnach sprach sich Chirac, ebenso wie der russische Präsident Wladimir Putin, für die Aufnahme Deutschlands, Brasiliens, Indiens und Japans als ständige Mitglieder in das Gremium aus, die jedoch von den USA, China, Italien u.a. Ländern abgelehnt wurde. Chirac nahm als französischer Staatspräsident nominell auch die Funktion eines Co-Prinzregenten für das Fürstentum Andorra wahr. Am 11. März 2007 kündigte Chirac in einer Fernsehansprache an, dass er an den Präsidentschaftswahlen 2007 nicht teilnehmen werde. Am 6. Mai 2007 wurde sein Nachfolger Nicolas Sarkozy gewählt und am 16. Mai 2007 im Amt des Staatspräsidenten der Französischen Republik vereidigt.


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NameJacques Chirac

Geboren am29.11.1932

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortParis (F).