Biografie

Jean-Pierre Raffarin

Der Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensführer engagiert sich seit 1977 in der französischen Politik. Als Vize-Präsident der Liberaldemokraten übernahm Jean-Pierre Raffarin nach dem Rücktritt seines Amtsvorgängers Lionel Jospin im Mai 2002 die Leitung einer Interims-Regierung, um dann infolge der Parlamentswahlen vom Juni 2002 als Premierminister der Französischen Republik bestätigt zu werden, deren Regierungschef er bis Ende Mai 2005 stellte. Von 1989 bis 1995 war er als Europaparlamentarier für die bürgerliche Fraktion in Straßburg und Brüssel, wo er sich unter anderem mit Handelsfragen beschäftigte...

Die Europäische Union
Jean-Pierre Raffarin wurde am 3. August 1948 in Poitiers (Frankreich) geboren als Sohn von Jean Raffarin und Renée Michaud geboren.

Nach dem Besuch des Gymnasiums, das er in seiner Heimatstadt mit dem Abitur abschloss, schrieb sich Raffarin für Rechtswissenschaften in Paris-Assas und an der "Ecole Supérieure de Commerce", einer renommierten höheren Wirtschaftsschule der französischen Hauptstadt, ein. Er erwarb das Wirtschaftsdiplom und trat 1973 in die Marketing-Abteilung des Unternehmens "Cafés Jacques Vabre" ein, wo er bis 1976 tätig blieb. 1977 begann Raffarin seine parteipolitische Laufbahn als stellvertretender Generalsekretär und Mitglied des Politischen Büros der Republikanischen Partei. Noch im selben Jahr wurde er in den Stadtrat von Poitiers gewählt, in dem er bis 1995 vertreten blieb.

In den Jahren 1976 bis 1981 wirkte Raffarin als wirtschaftspolitischer Berater im Büro des französischen Arbeitsministers. Zugleich blieb er von 1978 bis 1995 als Präsident des "Crédit Immobilier Rural de la Vienne" der freien Wirtschaft treu. Am Pariser "Institut d’Études Politiques" war Raffarin außerdem von 1979 bis 1988 als Dozent tätig. Von 1981 bis 1988 leitete er zugleich als Generaldirektor die "Bernard Krief Communication". 1988/89 wirkte Raffarin als Generalbevollmächtigter beim "Institut Euro-92". Von 1986 bis 1988 war Raffarin Mitglied des Regionalrats und ab 1988 Präsident des Regionalrats von Poitou-Charentes. 1989 bis 1995 saß er außerdem im Europäischen Parlament. Raffarin fungierte weiterhin 1993 bis 1995 als stellvertretender Generalsekretär und Sprecher der "Union pour la Démocratie Française" (UDF), zu deren Generalsekretär er 1995 aufstieg.

In den Jahren 1994 bis 1998 stand er außerdem der Kommission "Arc Atlantique" vor. 1995 übernahm Raffarin sein erstes führendes Regierungsamt als Minister für kleine und mittelständische Unternehmen, Handel und Handwerk, als welcher er bis 1997 amtierte. 1995 wurde er außerdem für Vienne in den Senat der französischen Republik gewählt. Zugleich fungierte Raffarin 1995 bis 2001 als stellvertretender Bürgermeister von Chasseneuil-du-Poitou. 1997 erhob man ihn zum Vize-Präsidenten der Partei "Démocratie Libérale". 1998 bis 2002 stand er als Präsident der "Association des régions de France" vor. Nach dem vorzeitigen Rücktritt des sozialistischen Premiers Lionel Jospin wurde am 6. Mai 2002 eine Interims-Regierung unter dem Liberaldemokraten Raffarin eingesetzt, die bis zu den nachfolgenden Parlamentswahlen vom Juni 2002 amtierte.

Bei den Wahlen vom 9. Juni und 16. Juni 2002 errang die "Démocratie Libérale" einen Sieg, so dass Staatspräsident Jacques Chirac Raffarin zum neuen Premierminister der Französischen Republik nominierte. Während der anschließenden Legislatur bezog Frankreich im außenpolitischen Bereich unter Raffarins Regierung eine deutlich ablehnende Position im UN-Sicherheitsrat gegen den durch US-amerikanische und britische Truppen im März 2003 ausgelösten Irak-Krieg. Im Innern erlitt die Regierung Raffarin aufgrund der Hitze-Opfer vom August 2003 einen erheblichen Vertrauensverlust: Infolge der gesamteuropäischen Hitzewelle kamen in Frankreich einige Tausend meist ältere Menschen wegen mangelnder Versorgung ums Leben.

Raffarin entwickelte daraufhin das sozialpolitische Programm "Alter und Solidarität", das eine Verbesserung der Alten- und Behindertenpflege in der Republik herbeiführen soll. In diesem Zusammenhang kündigte die Regierung Ende Oktober 2003 auch die Aufhebung von Feiertagen, wie etwa des Pfingstmontags, zur Finanzierung der Versorgungsdienste an. Mitte März 2005 nahm Raffarin zusammen mit dem UNO-Generalsekretär Kofi Annan u.a. Politikern die Einweihung der umgebauten Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Israel vor. Raffarin traf Ende April 2005 im Zuge der deutsch-französischen Verständigung mit seinem Amtskollegen Gerhard Schröder und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zum 5. Deutsch-Französischen Ministerrat zusammen.

Am 29. Mai 2005 löste die französische Volksabstimmung über die Europäische Verfassung, die ablehnend ausfiel, eine Krise der Pariser Regierung aus. Premier Raffarin trat daraufhin von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger im Amt des Regierungschefs bestimmte der französische Staatspräsident Jacques Chirac am 31. Mai 2005 den vorherigen Innenminister Dominique de Villepin.

Jean- Pierre Raffarin ist seit 1980 mit Anne-Marie Perrier verheiratet, mit der er ein Kind hat.


Die Europäische Union

NameJean-Pierre Raffarin

Geboren am03.08.1948

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortPoitiers (F).