Biografie

Konrad Adenauer

Der Politiker stellte von 1949 bis 1963 den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland; von 1951 bis 1955 war er auch der erster Bundesminister des Auswärtigen. Er gehörte zu den Begründern der CDU, deren Partei­vorsitzender er von 1950 bis 1966 war. Konrad Adenauer trug während seiner Kanzlerschaft auf entscheidende Weise zur Wiedererlangung der Souveränität Westdeutschlands, zur Aussöhnung mit Frankreich und zum Ausbau der sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig Erhard bei. Zugleich vollzog er im Zuge des Kalten Krieges mit nachhaltiger Wirkung die Verankerung der jungen Bundesrepublik im westlichen Wirtschafts- und Verteidigungsbündnis. Dem Blockdenken der Zeit verhaftet stellte Konrad Adenauer somit ungewollt auch die Weichen für die Aufrechterhaltung und Vertiefung der Spaltung Deutschlands in den folgenden Jahrzehnten...
Conrad Hermann Joseph Adenauer wurde am 5. Januar 1876 Köln geboren.

Als eines von fünf Kindern des katholischen Kanzleirats Konrad Adenauer und seiner Frau Helene (geb. Scharffenberg) wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur studierte Adenauer Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an den Universitäten Freiburg, München und Bonn. Im Anschluss an ein Gerichtsreferendariaht in Köln legte er 1901 das Assessorenexamen ab. Von 1902 bis 1904 arbeitete er in derselben Stadt als Gerichtsassessor und Hilfsrichter. 1904 heiratete er Emma Weyers, mit der er drei Kinder, Konrad, Max und Ria, hatte. Während Adenauer 1904 bis 1906 als bevollmächtigter Vertreter des Justizrats und Funktionärs der Zentrumspartei Kausen tätig war, trat er 1905 der Deutschen Zentrumspartei bei. 1906 wurde er Beigeordneter der Stadt Köln mit den Aufgaben des Finanz-, Personal- und Ernährungsdezernenten. Adenauer ließ sich in dieser Zeit sein Rezept des "Kölner Brots" beim Patentamt sichern. 1916 verstarb seine Frau.

Ein Jahr später, 1917, erfolgte seine Wahl zum Oberbürgermeister von Köln, den er bis 1933 stellte. Während seiner Amtszeit gründete er die Messe und eröffnete die Universität in Köln, wofür er 1919 deren Ehrendoktorwürde in Politik, Medizin, Recht und Philosophie verliehen bekam. Noch im selben Jahr heiratete er Auguste Zinsser, mit der er weitere sechs Kinder hatte. Nach dem 1. Weltkrieg forderte Adenauer die Trennung der Rheinprovinz von Preußen und die Schaffung eines katholisch orientierten Rheinlandes als Gliedstaat des Dt. Reiches. 1920 wurde Adenauer in den Preußischen Staatsrat gewählt, dem er bis zu seiner Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten 1933 als Präsident vorstand. 1926 war Adenauer sogar als Kandidat für das Amt des Reichskanzlers im Gespräch, das er aber ablehnte. Adenauer tat sich 1933 als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten hervor. So weigerte er sich, Adolf Hitler zu einer Wahlkampfrede in Köln zu empfangen. Im März 1933 wurde er zunächst von seiner Funktion als Oberbürgermeister suspendiert, dann im Juli aus diesem Amt entlassen. Noch im März hatte er Köln verlassen, um in einem Kloster Schutz zu finden.

Im Jahr 1944 wurde Adenauer durch die Gestapo verhaftet und in das Zuchthaus Brauweiler eingewiesen. Infolge einer Erkrankung erreichte er seine Verlegung in ein Kölner Krankenhaus, von wo ihm die Flucht gelang. Nach der Verhaftung seiner Frau stellte er sich freiwillig, um erneut seine Haft anzutreten, aus der er noch vor Kriegsende entlassen wurde. Nach der deutschen Kapitulation wurde Adenauer 1945 durch die amerikanische Militärregierung vorübergehend wieder zum Oberbürgermeister von Köln ernannt. Adenauer tat sich als Gründungs- und Vorstandsmitglied der im selben Jahr gegründeten Christlich-Demokratischen Partei des Rheinlandes hervor und wurde sukzessive Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland der Christlich Demokratischen Union (CDU). 1946 erfolgte die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen mit Konrad Adenauer als CDU-Fraktionsvorsitzendem im Landtag. Am 3. März 1948 starb seine zweite Frau. Wenige Monate später zog er als CDU-Vertreter in den Parlamentarischen Rat in Bonn ein, dessen Vorsitz er am 1. September übernahm. Im August 1949 wurde Adenauer als Abgeordneter für Nordrhein-Westfalen in den ersten Deutschen Bundestag in Bonn gewählt.

Am 15. September 1949 wählte das erste bundesrepublikanische Parlament Konrad Adenauer mit nur einer Stimme Mehrheit zum Bundeskanzler. Darüber hinaus übernahm Adenauer 1950 den Parteivorsitz der gerade gegründeten Bundes-CDU, der er bis 1966 vorstand. Der erste deutsche Bundeskanzler rang den alliierten Besatzungsmächten im Petersberger Abkommen vom November 1949 Zugeständnisse bei der Industriedemontage und in der Währungsfrage ab. Nachdem er 1951 zusätzlich die Leitung des Auswärtigen Amtes übernommen hatte, beeinflusste er auf nachhaltige Weise die Außenbeziehungen der jungen Bundesrepublik, die wesentlich von der Versöhnungspolitik gegenüber den westlichen Alliierten getragen wurden. Adenauer eröffnete den deutsch-französischen Annäherungs- und europäischen Einigungsprozess auf wirtschaftlicher Ebene durch die Schaffung der Montanunion ab 1953. Im selben Jahr reiste er als erster deutscher Regierungschef in die USA.

Im Innern schuf er durch die Wirtschaftspolitik der sozialen Marktwirtschaft, die sein Wirtschaftsminister Ludwig Erhard entwickelte, ein tragfähiges Modell der Stabilisierung. Dennoch wurde er 1952 das Ziel eines Sprengstoffanschlags, dem jedoch nicht der Kanzler, sondern der zur Entschärfung der Bombe eingesetzte Sprengmeister zum Opfer fiel. Nach dem Wahlsieg der CDU wurde Adenauer im Oktober 1953 erneut zum Bundeskanzler gewählt. Nachdem 1954 beim Außenminister-Treffen in London die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik beschlossen worden war, bestätigte im folgenden Jahr das Inkrafttreten der Pariser Verträge, die u. a. die Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO vorsahen, die endgültige Souveränität der BRD. Noch im selben Jahr nahm Adenauer durch einen Staatsbesuch in Moskau diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf, was zahlreichen Kriegsgefangenen die Heimkehr ermöglichte. Dennoch blieb der erste Bundeskanzler gegenüber den Ostblockstaaten auf Distanz, um stattdessen auf das westliche Verteidigungsbündnis und die Remilitarisierung der Bundesrepublik zu setzen, die mit der Einführung der Wehrpflicht 1956 und dem Aufbau der Bundeswehr unter Verteidigungsminister Franz Josef Strauß ihren Höhepunkt erreichte.

Im September 1957 kam es zur Unterzeichnung der Römischen Verträge, die die Gründung von EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und Euratom, den Keimzellen der heutigen Europäischen Union, zur Folge hatten. Nach dem Wahlerfolg von CDU und CSU bei den Bundestagswahlen von 1957 wurde Konrad Adenauer erneut als Bundeskanzler bestätigt. Seine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten brachte ihm 1959 in eine Konkurrenzsituation zum Mitbewerber und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und einen Misserfolg ein. Der Berliner Mauerbau trug 1961 im Vorfeld der Bundestagswahlen zur Stärkung der Opposition, vor allem des Gegenkandidaten Willy Brandt, bei, da Adenauer zu spät auf das Ereignis reagiert hatte. Trotz erheblicher Verluste der CDU/CSU konnte Konrad Adenauer im November 1961 durch die Bildung einer Koalitionsregierung mit der FDP seine vierte Kanzlerschaft antreten.

Noch im selben Monat erreichte er gegenüber dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy Zugeständnisse in der Berlin-Frage. Im darauffolgenden Jahr feierte er im Rahmen einer Begegnung mit General de Gaulle in Frankreich die erfolgreiche Aussöhnung mit dem französischen Nachbarn. 1962 führte die "Spiegel-Affäre" zur Entlassung von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß aus Adenauers Kabinett. Im Oktober 1963 wurde Konrad Adenauer, nachdem er seinen Amtsaustritt zuvor angekündigt hatte, zugunsten von Ludwig Erhard als Bundeskanzler verabschiedet. Adenauer begleitete jedoch als Abgeordneter im Deutschen Bundestag die deutsche Innenpolitik weiterhin kritisch und gestaltete durch seine persönlichen Beziehungen vor allem zu de Gaulle auch die Außenpolitik weiter. Erst nach seinem 90. Geburtstag gab er den Parteivorsitz der CDU im März 1966 an den Konkurrenten Ludwig Erhard ab. Adenauer konnte seine Memoiren fast noch abschließen, die von 1965 bis 1968 in vier Bänden veröffentlicht wurden und unter dem Titel "Konrad Adenauer - Erinnerungen" einen reißenden Absatz fanden.

Konrad Adenauer starb am 19. April 1967 nach kurzer schwerer Krankheit in Rhöndorf bei Bonn, wo er am 25. April auf dem Waldfriedhof beigesetzt wurde. In seinem Gedenken bestand die Konrad-Adenauer-Stiftung fort, die 1955 als Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit gegründet worden war.


Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

NameKonrad Adenauer

Geboren am05.01.1876

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortKöln (D).

Verstorben am19.04.1967

TodesortBad Honnef-Rhöndorf (D).