Biografie

Franz Josef Strauß

Der bayerische CSU-Politiker stellte von 1978 bis zu seinem Tod den Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern. Davor verdiente er sich von 1953 bis 1955 als Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1955 bis 1956 als Bundesminister für Atomfragen, von 1956 bis 1962 als Bundesminister der Verteidigung und von 1966 bis 1969 als Bundesminister der Finanzen. Franz Josef Strauß prägte nachhaltig, seit dem unmittelbaren Kriegsende, die Politik der Bundesrepublik. Mit einem forsch-konservativen Temperament entwickelte er einen einzigartigen Politikstil, der die deutsche Nachkriegsgeschichte durch eine unverwechselbare persönliche Note kennzeichnete, ohne auf überraschende Initiativen insbesondere auf dem Feld der Außenpolitik zu verzichten. Wirtschaftspolitisch war er einer der Hauptverantwortlichen für die Gründung der "Airbus Industrie"...

Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Franz Josef Strauß wurde am 6. September 1915 als Sohn eines Metzgers in München geboren.

Aufgewachsen ist er in München wo er auch das Gymnasium besuchte. Nachdem er 1935 das Abitur bestanden hatte, nahm er in seiner Heimatstadt ein Studium der Geschichte, Germanistik, Archäologie und Volkswirtschaft sowie von Latein und Griechisch auf. Als er 1939 zum Wehrdienst eingezogen wurde, kam Strauß infolge des Kriegsausbruchs an die Front, wo er bis 1942 kämpfte. Danach war er bis zum Kriegsende als Lehroffizier in einer bayerischen Flagschule tätig. 1945 wurde Strauß zum stellvertretenden Landrat im bayerischen Schongau berufen. Dort wirkte er an der Gründung des CSU-Kreisverbandes mit und wurde 1946 zum Landrat gewählt. 1946 trat Strauß außerdem in den CSU-Landesvorstand ein, dem er zwei Jahre angehörte. 1948 stieg Strauß zum Generalsekretär der CSU auf.

Ein Jahr später wurde er für seine Partei in den Bundestag gewählt. 1950 nominierte ihn die CDU/CSU-Fraktion zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. 1953 wurde er als Bundesminister für Sonderaufgaben in Adenauers Kabinett berufen, wo er 1955 die Leitung des Atomministeriums übernahm. 1957 heiratete Strauß die Diplomvolkswirtin Marianne Zwicknagel, mit der er Vater eine Tochter und zwei Söhne wurde. 1984 verstarb seine Frau nach einem und Verkehrsunfall. Als Bundesverteidigungsminister trug Strauß ab 1956 wesentlich zum Aufbau der Bundeswehr bei. Sein forsches öffentliches Auftreten bescherte ihm nun die ersten Kritiken. Als das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" im Oktober 1962 über ein NATO-Manöver berichtete, sahen sich die betreffenden Redakteure mit einem Verfahren wegen Landesverrats konfrontiert.

Strauß erwirkte in unzulässiger Kompetenzanmaßung die Festnahme eines Spiegel-Mitarbeiters durch die spanische Polizei. Die "Spiegel-Affäre" zwang ihn zur Aufgabe seiner Funktion als Verteidigungsminister. In den folgenden Jahren prägte Franz Josef Strauß als CSU-Landesvorsitzender besonders die bayerische Landespolitik, die er mit Hilfe seines Sprachrohrs "Bayern-Kurier" entscheidend beeinflusste. 1966 zog Strauß als Finanzminister in die Große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger ein. Mit Wirtschaftsminister Schiller entwickelte er eine erfolgreiche Konjunkturpolitik, die zur Beendigung der Rezession führte. Doch im Bundestagswahlkampf von 1969 soll das rigorose Auftreten Strauß` verantwortlich für den Wahlsieg des Gegners gewesen sein. Während der nachfolgenden Amtszeit der sozialliberalen Bundesregierung tat sich Strauß als vehementester Kritiker der Ostpolitik hervor.

Im Jahr 1972 wurde seine kompromisslose Haltung zu den Ostverträgen, die selbst innerhalb der Unionsparteien umstritten war, von den Wählern abgestraft, die erstmals die SPD als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgingen ließen. Strauß überraschte 1975 die politische Öffentlichkeit durch seine Reise nach China, wo er mit Mao Zedong und Zhou Enlai zusammentraf. Ein Jahr später engagierte er sich im Bundestagswahlkampf für den gemeinsamen Spitzenkandidaten der Unionsparteien Helmut Kohl. Unter der Losung "Freiheit oder Sozialismus" suchte er eine stark ideologisch gefärbte Auseinandersetzung mit dem sozialliberalen Regierungslager. Die Opposition erlitt jedoch im Oktober 1976 eine knappe Wahlniederlage, die Strauß eine Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag erwägen ließ, worauf er jedoch infolge innerparteilicher Einwände und der Proteste der CDU verzichtete.

Im Jahr 1978 wurde Strauß zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Anlässlich des Bundestagswahlkampfes von 1980 kandidierte Franz Josef Strauß als erster CSU-Politiker als Kanzlerkandidat der Unionsparteien. Unter erheblichem Stimmenzuwachs der FDP erlitt die Opposition eine erneute Wahlniederlage. In der Folge konzentrierte sich Strauß verstärkt auf die Landespolitik in Bayern, wo er 1981 mit überwältigender Mehrheit zum Parteivorsitzenden der CSU wiedergewählt wurde. Auch nach dem Regierungsantritt der CDU am 1. Oktober 1982 unter Helmut Kohl verzichtete er auf eine direkte Machtteilhabe in Bonn, um seine Funktion als bayerischer Ministerpräsident fortzuführen. Dieselbe Haltung legte er 1983 nach dem Wahlsieg von CDU/CSU und FDP an den Tag. 1983 überraschte Strauß abermals die Öffentlichkeit auf außenpolitischem Feld, indem er der DDR einen Kredit in Milliardenhöhe vermittelte und bei dieser Gelegenheit erstmals mit dem Staats- und Parteichef des sozialistischen deutschen Staats, Erich Honecker, zusammentraf.

In den folgenden Jahren unternahm Strauß zahlreiche Auslandsreisen nach Osteuropa und Afrika sowie in den Balkan und Nahen Osten. 1985 hielt er sich zu Wirtschaftsgesprächen erneut in China auf. Anlässlich seines 70. Geburtstags 1985 steigerten sich die Feierlichkeiten zu einer umfassenden Huldigung für den bayerischen "Landesvater", an der auch die Vertreter der Bundespolitik nicht vorbeikamen. Das Ereignis dokumentierte die Bedeutung und Wirkung der persönlichen Note, die im politischen Stil von Franz Josef Strauß immer spürbar gewesen war. Im Innern äußerte sich Strauß wiederholt kritisch zur Bundespolitik, wobei er vor allem mit der FDP zunehmende Differenzen austrug. Doch auch nach dem verlustreichen Wahlergebnis der Regierungskoalition in der Bundestagswahl von 1987 verzichtete Strauß auf einen Posten in Bonn.

Als bayerischer Ministerpräsident engagierte er sich durch ungewöhnlichen persönlichen Einsatz für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. 1987 honorierte man seinen landespolitischen Erfolgskurs mit der Wiederwahl zum Parteivorsitzenden der CSU. Noch kurz vor seinem Tod verblüffte der bayerische Regierungschef die Öffentlichkeit durch spektakuläre Auslandsmissionen, die ihn 1987 nach China und in den Tibet führten sowie mit Michail Gorbatschow in Moskau zusammentreffen ließen. 1988 besuchte er Mozambique und Südafrika sowie Bulgarien und Spanien. Im selben Jahr traf er auch mit Ronald Reagan in den USA zusammen.

Franz Josef Strauß starb am 3. Oktober 1988 infolge eines Herzstillstands in einem Regensburger Krankenhaus.


Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

NameFranz Josef Strauß

Geboren am06.09.1915

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortMünchen (D).

Verstorben am03.10.1988

TodesortRegensburg (D).

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