Biografie

Walter Scheel

Der Bankkaufmann und FDP-Politiker stellte von 1974 bis 1979 den 4. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Als Staatsoberhaupt machte er sich gemeinsam mit Willy Brand als "Väter der Entspannungspolitik" um die Anerkennung und Integration der Bundesrepublik in Europa verdient. Davor war Walter Scheel von 1961 bis 1966 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, von 1969 bis 1974 Bundesminister des Auswärtigen und Stellvertreter des Bundeskanzlers. Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Brandt am 7. Mai 1974 war Scheel neun Tage lang geschäftsführender Bundeskanzler. Scheel wurde in seiner politischen Karriere Ehrendoktor der Universitäten Georgetown und Maryland und weiter mit über 60 internationalen Orden ausgezeichnet. 2011 verlieh das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum ersten Mal den "Walter-Scheel-Preis"...

Die Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren.

Sein Vater war als Stellmacher tätig. Nachdem er 1938 das Abitur abgelegt hatte, machte Scheel eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Im Zweiten Weltkrieg wurde er von 1939 bis 1945 zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Kriegsende arbeitete Scheel in mehreren Unternehmen, dann war er als selbstständiger Wirtschaftsprüfer tätig. Scheel, der bereits 1946 in die FDP eingetreten war, saß von 1950 bis 1953 als Abgeordneter der Liberalen im nordrhein-westfälischen Landtag. Von 1953 bis 1974 war er Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er von 1967 bis 1969 als Vizepräsident vorstand. Zugleich war Scheel von 1958 bis 1961 auch im Europäschen Parlament vertreten. Sein erstes Regierungsamt trat Scheel 1961 als Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit unter der Regierung Konrad Adenauers an. Der nachfolgende Bundeskanzler Ludwig Erhard bestätigte ihn in diesem Amt, das er bis zum Regierungswechsel von 1966 ausübte.

Im Jahr 1968 erhob der FDP-Parteitag Scheel zum Vorsitzenden der Partei. Als solcher verlieh er den Liberalen ein neues Profil, das zu einer Öffnung gegenüber der SPD führte und die künftige Regierungskoalition vorbereitete. Unter der Regierung von Willy Brandt wurde Scheel in den Jahren von 1969 bis 1974 zum Außenminister und Vizekanzler berufen. Die Regierung Brandt-Scheel führte im außenpolitischen Bereich eine Annäherung gegenüber der Sowjetunion, der DDR und den benachbarten Ostblockstaaten herbei. In die Amtszeit von Außenminister Scheel fielen in diesem Zusammenhang so bedeutende diplomatische Meilensteine in der Geschichte der Bundesrepublik wie der Atomwaffensperrvertrag mit der Sowjetunion sowie die Ost- und Berlinverträge. Als erster deutscher Außenminister besuchte Scheel 1971 Israel. Ein Jahr später knüpfte er diplomatische Beziehungen mit der VR China an. Im Mai 1974 wurde Scheel in der Nachfolge Gustav Heinemanns zum vierten Bundespräsidenten der Bundesrepublik gewählt.

Scheel gab seine Partei- und Regierungsämter an Hans Dietrich Genscher ab und amtierte bis 1979 als Staatsoberhaupt. Da Scheel auf eine erneute Kandidatur verzichtete, folgte ihm Karl Carstens als neuer Bundespräsident nach. Für seine "Verdienste um die verantwortungsbewusste Mitarbeit der Bundesrepublik Deutschland in den Europäischen Gemeinschaften und seines unermüdlichen Strebens nach deren Festigung und weiterem Ausbau unter den Völkern Europas" wurde Scheel 1977 mit dem Karlspreis von Aachen ausgezeichnet. Ab 1980 war Scheel als Vorsitzender des Aufsichtsrates der bundeseigenen, aber privatwirtschaftlich geführten Deutschen Entwicklungsgesellschaft DEG tätig. 1982 trat er außerdem in den Aufsichtsrat der Thyssen AG ein. 1986 veröffentlichte Scheel das Buch "Wen schmerzt noch Deutschlands Teilung ?". Von 1992 bis 1994 engagierte sich Scheel außerdem im Medienrat Berlin-Brandenburg. Überdies fungierte er bis 1993 als Verwaltungsratsvorsitzender des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

Seither hatte sich der Staatsmann aus dem öffentlichen Leben weitgehend zurückgezogen, ohne allerdings darauf zu verzichten, sich gelegentlich kritisch zur Politik seiner eigenen und anderer Parteien zu äußern. Privat war er seit 1988 in dritter Ehe mit Barbara Wiese verheiratet und lebt in München, später in Berlin. 2009 zog das Paar von Berlin ins badische Bad Krozingen. Im dortigen Rathaus unterhielt er ein vom Bundespräsidialamt angemietetes Büro. Am 26. Mai 2011 verlieh das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum ersten Mal den "Walter-Scheel-Preis" für Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit.

Walter Scheel starb am 24. August 2016 im Alter von 97 Jahren in Bad Krötzingen.


Die Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

NameWalter Scheel

Geboren am08.07.1919

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortSolingen (D).

Verstorben am24.08.2016

TodesortBad Krötzingen (D).