Biografie

Erich Honecker

NameErich Honecker

Geboren am25.08.1912

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortNeunkirchen (D).

Verstorben am29.05.1994

TodesortSantiago (Chile)

Erich Honecker

Der kommunistische Politiker stellte von 1971 bis 1989 den letzten allmächtigen Generalsekretär der SED. Davor bezahlte er im nationalsozialistischen Deutschland sein antifaschistisches Engagement im Untergrund mit einer langjährigen Haftstrafe. Als langjähriger Staats- und Parteichef der Deutschen Demokratischen Republik stand Erich Honecker jedoch auch für das Scheitern des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, das einer ideologisch-dogmatischen Unbeweglichkeit geschuldet war, die sich nur aus seiner persönlichen Biographie erklären lässt, ohne dass dadurch die mitverantworteten Maueropfer entschuldigt würden...

Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990
Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen an der Saar geboren.

Honecker wuchs im Bergarbeitermilieu in Wiebelskirchen auf, wo sich sein Vater in der SPD, dann in der USPD und ab 1919 in der KPD engagierte. Nach einer Lehre zum Dachdecker trat Erich Honecker der Holzarbeitergewerkschaft bei. Bereits mit zehn Jahren war er in die kommunistische Kinderorganisation "Jung-Spartakus-Bund" eingetreten, von der er 1926 zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) wechselte. Drei Jahre später erfolgte seine Aufnahme in die KPD. Nachdem er 1930 die Schule der Jugendinternationale in Moskau besucht hatte, wurde er im Jahr darauf hauptamtlicher Funktionär des KJVD und Agitprop-Leiter des Saar-Bezirks. Im Anschluss an die nationalsozialistische Machtübernahme von 1933 ging Erich Honecker in den politischen Untergrund, um illegal für das Zentralkomitee des KJVD tätig zu werden.

In jenen Jahren organisierte er illegale kommunistische Jugendarbeit im Ruhrgebiet, in Baden, Württemberg, Hessen und der Pfalz. Er unternahm Reisen in die Niederlande, Tschechoslowakei und auch in die Schweiz. Bereits 1933 nahm er an der Internationalen Antifaschistischen Jugendkonferenz in Paris teil. Die letzte Station seiner illegalen Parteiarbeit führte ihn nach Berlin, wo er die Aktivitäten des KJVD koordinierte. Am 4. Dezember 1935 wurde Erich Honecker von der Gestapo in Berlin verhaftet. Im Juni 1937 erfolgte seine Verurteilung durch den Volksgerichtshof zu 10 Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Honecker verbüßte bis 1945 seine Haftstrafe in Brandenburg-Görden. Nach der Flucht von einem Arbeitseinsatz und seiner freiwilligen Rückkehr wurde er am 27. April 1945 von der Roten Armee aus der Haft befreit.

Nachdem sich Honecker der aus der Sowjetunion zurückgekehrten "Gruppe Ulbricht" der KPD angeschlossen hatte, ernannte man ihn zum Jugendsekretär des Zentralkomitees (ZK) der Partei. Als solcher baute er die "antifaschistischen Jugendausschüsse" auf, die am 26. Februar 1962 zur "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) unter seinem Vorsitz zusammengefasst wurden. Als FDJ-Vorsitzender fungierte Honecker bis 1955. Dabei besetzte er schrittweise alle bedeutenden Funktionen der Jugendorganisation mit linientreuen Genossen. Da er bereits Mitglied des ZK der KPD war, trat Honecker infolge der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1946 auch in den Vorstand der neuen Partei ein, in deren ZK er seitdem bis 1989 vertreten war.

Nach einer Ausbildung an der Moskauer Parteihochschule von 1955 bis 1956 übernahm Honecker die Leitung des Militär- und Sicherheitsreferats im ZK der SED. 1958 fand er als Vollmitglied Aufnahme in das Politbüro, dem er bereits seit 1950 angehört hatte. Außerdem war er als Sekretär für Sicherheitsfragen im ZK tätig. Hier liegt der Beginn des maßgeblichen politischen Einflusses Honeckers auf die Politikgestaltung in der DDR. Der leitende SED-Funktionäre schmiedete sich nun aus seinen ehemaligen FDJ-Getreuen, die er in Schlüsselpositionen von Partei und Staat brachte, eine eigene Hausmacht. An den Vorbereitungen zum Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 war Honecker maßgeblich beteiligt. 1971 folgte Honecker Walter Ulbricht als Erster Sekretär des ZK der SED und als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates nach.

Die Annäherung zwischen beiden deutschen Staaten, die noch im selben Jahr durch das Berliner Viermächteabkommen und Transitvereinbarungen mit der BRD und Westberlin vollzogen wurde, stieß bei Honecker zunächst auf Skepsis. Bei den Verhandlungen über den Grundlagenvertrag von 1973 bewies er sich als harter Verhandlungspartner gegenüber der sozialliberalen Koalition der BRD. Am 29. Oktober 1976 wurde Erich Honecker von der Volkskammer der DDR zum Staatsratsvorsitzenden gewählt. Seine Politik war in den 1970er Jahren durch wirtschaftliche Reformen geprägt, die die Konsumnachfrage der Bevölkerung in stärkerem Maße als bisher berücksichtigten und deren Aussöhnung mit der SED-Führung herbeiführen sollten. Im Zuge der Friedens- und Abrüstungsverhandlungen auf der KSZE-Konferenz in Helsinki sah sich Honecker überdies zu einer Lockerung der Reisereglungen veranlasst.

Bald reagierte die SED-Führung auf die dadurch entstandene Ausreisewelle und kritische Bürgerrechtsbewegung jedoch mit Maßnahmen gegen Intellektuelle und der Ausweisung zahlreicher Schriftsteller und Künstler. Die deutsch-deutschen Beziehungen verschlechterten sich 1980 durch die deutliche Erhöhung des Zwangsumtausches bei Einreisen in die DDR. Honecker wollte nun eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen BRD und DDR von der Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft abhängig gemacht wissen. Nach dem Bonn-Besuch des Kreml-Chefs Leonid Breschnew vom November 1981 erfolgte Mitte Dezember zwar ein Gipfeltreffen zwischen Honecker und Bundeskanzler Helmut Schmidt am Werbellinsee, das die erste hochrangige diplomatische Begegnung zwischen Vertretern beider deutscher Staaten darstellte.

Das Treffen wurde jedoch von den Ereignissen im benachbarten Polen überschattet, wo man zur gleichen Zeit den Ausnahmezustand verhängte. Gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft erzielte die Außenpolitik Honeckers indes größere Erfolge. Durch mehrere Auslandsreisen erreichte er die diplomatische Anerkennung der DDR durch eine wachsende Zahl von Staaten. Im November 1980 markierte der Wien-Besuch die erste Staatsreise Honeckers in ein westliches Land, dem weitere Stationen wie etwa 1981 in Japan folgten. Kanadische, griechische, schwedische und italienische Staatsbesuche in Ostberlin zeugten 1984 von der internationalen Anerkennung der DDR. Der DDR-Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der maßgeblich an der Vermittlung eines Milliardenkredits für das Nachbarland beteiligt war, dokumentierte im Juli 1983 den selbst bei konservativsten Politikern der Bundesrepublik vorherrschenden Willen zur Normalisierung der innerdeutschen Beziehungen.

Trotz der zeitgleich erfolgten Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in der BRD verschlechterten sich die deutsch-deutschen Beziehungen nicht. Honecker erhielt vielmehr 1984 eine weitere BRD-Bürgschaft für einen Kredit von mehr als 900 Millionen DM. Auf innenpolitischer Ebene herrschten jedoch konservatives Beharren auf der Staatsordnung in der DDR vor. Dies zeigte besonders der XI. Parteitag der SED vom April 1986, auf dem unter Anwesenheit des Reformers Michail Gorbatschow eine Thematisierung der sozialen und ökonomischen Missstände in der DDR sorgsam vermieden wurde. Nach einem Ostberlin-Besuch des sowjetischen Außenministers Schewardnadse ging Honecker 1987 auf deutliche Distanz zum sozialistischen Reformkurs in der UdSSR, für den es in der davon abweichenden Realität der DDR keinen Bedarf gäbe.

Dennoch erfolgte im November 1987 der Staatsbesuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik, wo er u. a. durch Bundespräsident Richard Weizsäcker empfangen wurde. In den folgenden beiden Jahren versuchte der DDR-Staatschef vergeblich, durch Einwirkung auf die FDJ und Gespräche mit den Kirchen in der DDR, dem wachsenden Staatsverdruss und der zunehmenden Ausreisewelle Herr zu werden. Dabei wich er jedoch von den überkommenen Prinzipien der SED-Herrschaft nicht ab. Noch im Juni 1989 verteidigte Honecker anlässlich eines Besuchs der Sowjetunion den Fortbestand der Mauer. Im Oktober 1989 bewirkte der durch die Öffnung der ungarischen Grenzen in den Vormonaten eingesetzte Massenauswanderung von DDR-Bürgern einen zunehmenden Autoritätsverlust Honeckers in der Öffentlichkeit und innerhalb der SED.

Bereits die Feiern zum 40jährigen Bestehen der DDR wurden am 7. Oktober von Demonstrationen und den Reformempfehlungen des anwesenden Michail Gorbatschows überschattet. Am 18. Oktober 1989 zwang das Politbüro der SED Erich Honecker zum Rücktritt von seinen Partei- und Staatsfunktionen, die Egon Krenz übernahm. Dies führte wenig später zur Öffnung der Berliner Mauer und der DDR-Staatsgrenzen, in deren Folge auch Krenz und die gesamte SED-Parteienherrschaft abtreten musste. Nach einer Haftverschonung infolge einer Nierenoperation geriet Erich Honecker am 29. Januar 1990 in Untersuchungshaft, aus der er aus gesundheitlichen Gründen bereits am Folgetag wieder entlassen wurde. Nach dem Aufenthalt in einem Pflegeheim der Kirche fand Honecker im April 1990 im sowjetischen Militärhospital von Beelitz bei Potsdam Aufnahme. Wegen der Todesschüsse an der Mauer erließ die Staatsanwaltschaft am 30. November 1990 einen Haftbefehl gegen Honecker, da er als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats der DDR in den Verdacht des gemeinschaftlichen Totschlags geraten war.

Dieser erneuten Verfolgung entzog sich der ehemalige DDR-Staatschef mit seiner Frau Margot durch die Flucht über einen sowjetischen Militärflughafen nach Moskau. Nur nach langwierigen diplomatischen Verhandlungen erreichte die Bundesregierung am 16. November 1991 die Ausweisung des Ehepaars Honeckers durch die russische Regierung. Bevor diese jedoch vollzogen werden konnte, fanden die Honecker Asyl in der chilenischen Botschaft, das durch erneute Intervention der Bundesregierung beendet wurde. Am 29. Juli 1992 kehrte Erich Honecker nach Berlin zurück, wo der wegen Anstiftung zum Totschlag Angeklagte in das Haftkrankenhaus Moabit kam. Margot Honecker reiste indes nach Chile weiter, um dort ein neues Asyl für ihren Mann vorzubereiten. Dessen Chancen, erneut einem Verfahren zu entgehen, standen aufgrund seines Leberkrebsleidens sehr gut.

Am 4. Dezember 1992 antwortete der todkranke Honecker erstmals auf die gegen ihn erhobene Anklage, wobei er für die Maueropfer lediglich eine "politische Verantwortung" zu übernehmen bereit war. Durch unzählige ärztliche Gutachten hinausgezögert endete das Verfahren schließlich am 12. Januar 1993 aufgrund eines Entscheids des Berliner Verfassungsgerichts, wonach seine Fortsetzung aufgrund des Gesundheitszustandes von Honecker als Verstoß gegen die Menschenwürde gewertet wurde. Nach der Aufhebung der Haftbefehle konnte Honecker am 13. Januar 1993 die Moabiter Anstalt verlassen und nach Chile ausreisen. Im April 1993 wurde das Verfahren gegen ihn endgültig eingestellt. Der ehemalige Partei- und Staatschef der DDR lebte noch rund ein Jahr bei seiner Familie in Santiago de Chile mit einer bescheidenen Rente aus der Bundesrepublik und internationalen Spendenbeträgen.

Erich Honecker starb am 29. Mai 1994 in der chilenischen Hauptstadt.


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameErich Honecker

Geboren am25.08.1912

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortNeunkirchen (D).

Verstorben am29.05.1994

TodesortSantiago (Chile)

google-site-verification: google44cc944cebb47e16.html