Biografie

Richard von Weizsäcker

Der Jurist, Historiker und Politiker stellte von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Davor verdiente er sich von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin. Von 1981 bis 1983 war er CDU-Landesvorsitzender in Berlin und von 1979 bis 1981 Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Richard von Weizsäcker vertrat als CDU-Politiker mit seltener Offenheit den bundesdeutschen Staat im In- und Ausland. Als populärer Bundespräsident begleitete und gestaltete Richard von Weizsäcker die Geschicke der Bundesrepublik in zwei Amtsperioden, wobei er sich zuletzt mit besonderer Sensibilität den gesellschaftspolitischen Herausforderungen von Mauerfall und Wiedervereinigung stellte...

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Richard von Weizsäcker wurde am 15. April 1920 als viertes Kind von Ernst von Weizsäcker und Marianne von Weizsäcker (geb. von Graevenitz) in einem Flügel des neuen Schlosses in Stuttgart geboren.

Weizsäcker wuchs mit zwei Brüdern und einer Schwester auf: Carl Friedrich von Weizsäcker (Philosoph und Physiker), Adelheid von Weizsäcker und Heinrich von Weizsäcker (Offizier, gefallen). Die Familie lebte aufgrund der diplomatischen Tätigkeit des Vaters von 1920 bis 1924 in Basel, von 1924 bis 1926 in Kopenhagen, von 1931 bis 1933 in Oslo, von 1933 bis 1936 in Bern, wo Weizsäcker das Gymnasium Kirchenfeld besuchte, und danach in Berlin. Bereits seine Kindheit und Jugend stand unter dem Einfluss der bedeutenden Funktionen des Vaters. Nach dem Abitur in Berlin begann Richard von Weizsäcker ein Jura-Studium in Oxford und Grenoble, das durch seine Einziehung zur Wehrmacht 1938 unterbrochen wurde. Nach Kriegsende nahm er sein Studium wieder auf, indem er nun Rechtswissenschaften und Geschichte an der Universität Göttingen belegte.

Neben dem Studium praktizierte er als Assistent in der Rechtsanwaltskanzlei Becker, die seinen Vater Ernst von Weizsäcker bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen vertrat. 1953 heiratete Richard von Weizsäcker Marianne von Kretschmann, mit der er drei Söhne und eine Tochter hat. Nach einem Referendariat bei Mannesmann in Düsseldorf und der juristischen Promotion 1954 wechselte Richard von Weizsäcker ganz nach Düsseldorf, um dort bis 1958 die wirtschaftspolitische Leitung von Mannesmann wahrzunehmen. Dem schlossen sich leitende Tätigkeiten für ein Essener Bankhaus von 1958 bis 1962 und für die Ingelheimer Firma C. H. Boehringer von 1963 bis 1967 an. Überdies engagierte sich Richard von Weizsäcker seit 1954 in der CDU. 1962 trat er in das Kirchentagspräsidium ein. 1966 wurde er in den Bundesvorstand der CDU gewählt und seit 1969 gehörte er als rheinland-pfälzischer Abgeordneter dem Bundestag an. Im Parlament machte er u. a. anlässlich der Ostverträge 1972 auf sich aufmerksam, indem er für eine kritische Unterstützung der sozialliberalen Ostpolitik plädierte, der die christdemokratische Opposition schließlich auch durch ihre Stimmenthaltung entsprach.

Nach einer missglückten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 1974 wurde Richard von Weizsäcker im Juni 1981 zum Regierenden Bürgermeister von Berlin (West) gewählt. Seine Berliner Regierungszeit war geprägt von sozialen Spannungen in der Teilstadt, die durch eine verfehlte Wohnungspolitik und die sich verschärfende Arbeitslosigkeit hervorgerufen wurden. Gegenüber dem benachbarten Teil der Stadt eröffnete Weizsäcker eine Politik der Verständigung, indem er 1983 als erster Regierender Bürgermeister in die DDR reiste, um mit Erich Honecker zusammenzutreffen. Nach seinem Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin wurde Richard von Weizsäcker am 23. Mai 1984 zum sechsten deutschen Bundespräsidenten gewählt. Der enorme Grad seiner Popularität kam darin zum Ausdruck, dass er auch viele Stimmen aus dem gegnerischen Lager von SPD und FDP erhielt. 1989 wurde er mit noch größerer Stimmenmehrheit für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Als Bundespräsident stellte sich Richard von Weizsäcker mit ungewohnter Offenheit den Problemen aller Bevölkerungskreise und auch von Randgruppen.

Großes Aufsehen im In- und Ausland erregte Weizsäckers Bundestagsrede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985, in der er sich zur deutschen Verantwortung für die nationalsozialistische Vergangenheit bekannte und als Opfer der Diktatur auch bisher eher unterschlagene Gruppen beim Namen nannte. Neben seinen bedeutenden Staatsbesuchen in den Niederlanden, Israel und Norwegen setzte der Bundespräsident gegenüber der DDR auf eine Fortsetzung des Verständigungskurses. Für die Reformpolitik des sowjetischen Regierungschefs Michail Gorbatschow warb er um Unterstützung auf westlicher Seite. Staatsbesuche in der Sowjetunion, Tschechoslowakei und Polen zeugten vom Willen Weizsäckers, zu einer Annäherung zwischen den Blöcken des Kalten Krieges zu gelangen. Nach außen engagierte er sich überdies in humanitären Projekten wie der Welthungerhilfe und dem weltweiten Umweltschutz.

Im Zuge von Mauerfall und Wiedervereinigung plädierte Richard von Weizsäcker 1989/90 für einen behutsamen Einigungsprozess. Große Kritik brachte ihm sein frühes Eintreten für Berlin als künftige Hauptstadt des vereinigten Deutschland ein. Scharfe Kritik und offene Worte fand der Bundespräsident auch immer wieder gegen die Erscheinungen rechtsextremistischer Gewalt im Deutschland der ersten Hälfte der 1990er Jahre. Im Sommer 1994 wurde Richard von Weizsäcker als Bundespräsident durch Roman Herzog abgelöst. In der Folge engagierte er sich in der politischen Stiftungsarbeit. Im Mai 2005 wurde dem 85-jährigen Weizsäcker in Magdeburg der 1. Kaiser-Otto-Preis für Frieden und Verständigung in Europa verliehen. Im Jahr 2008 wurde er mit dem "Four Freedoms Award" der Roosevelt Stiftung Niederlande geehrt. 2012 erhielt er den Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin und 2013 wurde er mit dem Internationalen Mendelssohn-Preis zu Leipzig (Kategorie Gesellschaftliches Engagement) geehrt.

Richard von Weizsäcker starb am 31. Januar 2015 in Berlin.


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NameRichard von Weizsäcker

Geboren am15.04.1920

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortStuttgart (D).

Verstorben am31.01.2015

TodesortBerlin (D).