Biografie

Walter Ulbricht

Der Politiker stellte von 1960 bis zu seinem Tod im Jahr 1973 den Vorsitzenden des Staatsrates und damit faktisch das Staatsoberhaupt der DDR. Davor stieß er unter dem Eindruck der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution (1918) als eines der ersten Gründungsmitglieder zur KPD, deren Entwicklung er in der Weimarer Republik aktiv mitgestaltete. Während der nationalsozialistischen Herrschaft tat sich Walter Ulbrich als herausragende Führungspersönlichkeit in der Exil-KPD in Paris, Prag und Moskau hervor. In der unmittelbaren Nachkriegszeit trug die "Gruppe Ulbricht" maßgeblich zur Konstituierung der SED in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bei, aus der die Deutsche Demokratische Republik hervorging. Deren Ausgestaltung beeinflusste der Altkommunist auf entscheidende Weise, da er die wesentlichen Führungsfunktionen von Partei und Staat auf sich konzentrierte...
Walter Ernst Paul Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig als Sohn des Schneiders Ernst Ulbricht und der Schneiderin Pauline Ulbricht geboren.

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er von 1907 bis 1911 eine Tischlerlehre. Während der Ausbildung trat Ulbricht bereits mit 15 Jahren in die Sozialistische Arbeiterjugend ein. Zwei Jahre später wurde er Mitglied des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Ulbricht wurde 1912 SPD-Mitglied. 1913/14 besuchte er die Bezirksparteischule der Sozialdemokraten in Leipzig. Ende 1914 trat er der Karl-Liebknecht-Gruppe bei. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs leistete Ulbricht von 1915 bis 1918 Kriegsdienst in Mazedonien, Serbien und Belgien. Unmittelbar vor Ausbruch der Novemberrevolution von 1918 trat er 1917 der USPD bei, der er bis 1920 angehörte. An der Revolution selbst nahm er als Mitglied eines Soldatenrates teil.

Im Januar 1919 tat sich Ulbricht als Mitbegründer der KPD in Leipzig hervor, für die er in der Bezirksleitung Mitteldeutschland vertreten war. In Den Jahren 1920/21 engagierte er sich als Redakteur der KPD-Zeitung "Klassenkampf". 1920 heiratete Ulbricht die Maschinennäherin Martha Schmellinsky, die auch Mitglied in der KPD war. 1921 bis 1923 fungierte er als Politischer Leiter der KPD-Bezirksleitung Groß-Thüringen. Ende 1922 nahm Ulbricht am IV. Weltkongress der Kommunistischen Internationale in Moskau teil. 1923/24 gehörte er der KPD-Zentrale an. Im Frühjahr 1924 besuchte er die Lenin-Schule in Moskau, wo er anschließend als Instrukteur des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) zum Einsatz kam. 1926 wurde Ulbricht in den Landtag von Sachsen gewählt, wo er bis 1929 vertraten war.

Zugleich saß er ab 1928 auch im Reichstag. In den Jahren 1929 bis 1946 gestaltete Ulbricht die Parteipolitik der KPD als Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees (ZK) maßgeblich mit. 1928 trat er auch der KPdSU bei. Von 1929 bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme durch Adolf Hitler im Januar 1933 fungierte Ulbricht als Politischer Leiter der KPD-Bezirksorganisation Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. 1932 bis 1946 war er außerdem im Sekretariat des ZK der KPD vertreten. Von den Nationalsozialisten wurde Ulbricht seit Februar 1933 wegen antifaschistischer Tätigkeit gesucht, weshalb er im Herbst desselben Jahres nach Paris emigrierte. In der französischen Hauptstadt stand Ulbricht dann bis 1935 der Auslandsleitung der KPD vor. Im Anschluss daran leitete er bis 1938 die Operative Leitung bzw. das Sekretariat des ZK in Prag und Paris.

Von 1938 bis 1943 diente er als Vertreter der deutschen KP beim EKKI in Moskau. Während des deutschen Angriffkriegs gegen die Sowjetunion war Ulbricht von 1943 bis 1945 Mitglied des dort gebildeten "Nationalkomitees Freies Deutschland" (NKFD), dessen operative Abteilung er führte. Als Leiter der sogenannten "Initiativgruppe" des ZK der KPD für Berlin, die auch als "Gruppe Ulbricht" bezeichnet wurde, kehrte der Exilkommunist 1945 nach Deutschland zurück. 1946 trat er in den Parteivorstand bzw. das ZK der SED ein. Für diese Partei fungierte er von 1946 bis 1950 als Mitglied des Zentralsekretariats des Parteivorstands und als stellvertretender Parteivorsitzender. Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik in der Sowjetischen Besatzungszone 1949 trug Ulbricht als Mitglied des Politbüros der SED, in dem er bis zu seinem Tod vertreten war, maßgeblich zur Ausgestaltung des sozialistischen deutschen Staats bei.

Zugleich saß er von 1946 bis 1951 im Landtag von Sachsen-Anhalt und von 1950 bis 1973 in der Volkskammer der DDR. 1953 heiratete Ulbricht in zweiter Ehe Lotte Kühn. Die Machtkonzentration in der Person Ulbrichts erfuhr eine weitere Intensivierung, indem er von 1949 bis 1955 als Stellvertreter, 1955 bis 1960 als Erster Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates fungierte. Außerdem war er von 1950 bis 1953 Generalsekretär und von 1953 bis 1971 Erster Sekretär des ZK der SED. Überdies nahm er 1960 bis 1971 die Funktion des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates wahr. Schließlich war er 1960 bis 1973 Vorsitzender des Staatsrates der DDR. Damit hatte Ulbricht die höchsten Partei- und Staatsämter auf sich vereinigt, in denen er 1971 von Erich Honecker abgelöst wurde.

Ulbricht erhielt zahlreiche sozialistische Auszeichnungen wie 1953, 1958 und 1963 die Anerkennung als "Held der Arbeit", 1954 den "Vaterländischen Verdienstorden", 1960 den "Banner der Arbeit". 1963 feierte man ihn als "Helden der Sowjetunion".

Walter Ernst Paul Ulbricht starb am 1. August 1973 in Berlin (Ost).


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameWalter Ulbricht

Geboren am30.06.1893

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortLeipzig (D).

Verstorben am01.08.1973

TodesortOst Berlin (D).