Biografie

Karl Carstens

Der Jurist vollzog in der Nachkriegszeit seine politische Laufbahn als Europa-Experte der CDU. Karl Carstens amtierte von 1976 bis 1979 als Präsident des Deutschen Bundestages und von 1979 bis 1984 als fünfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. 1983 machte er durch die Auflösung des Bundestags den Weg frei für Neuwahlen, aus denen Helmut Kohl als Bundeskanzler hervorging. Verdient machte sich Carstens vor allem durch seine legendären Wanderungen durch das Land, in dem er sich als Integrationsfigur bewährte...
Karl Carstens wurde am 14. Dezember 1914 in Bremen als Sohn eines Studienrats geboren.

Nachdem er 1933 das Abitur abgelegt hatte, studierte er Rechtswissenschaften und Politologie in Frankfurt, Dijon, München, Königsberg und Hamburg. In den Jahren 1936 und 1939 schloss er die Studien mit dem juristischen Staatsexamen in Hamburg ab. 1937 errang er im selben Fach den Doktorgrad. Carstens trat während der Herrschaft Adolf Hitlers der NSDAP bei, ohne sich jedoch im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu engagieren. Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 wurde Carstens zum Kriegsdienst eingezogen und u. a. an der Westfront eingesetzt. 1944 heiratete er die Ärztin Veronika Prior.

Nach Kriegsende eröffnete er 1945 eine Anwaltskanzlei in Bremen. 1948/49 absolvierte Carstens ein rechtswissenschaftliches Auslandsstudium an der Yale-University in New Haven (USA). 1949 wurde Carstens als Rechtsberater in den Senat der Stadt berufen. Für diesen fungierte er bis 1954 als Bevollmächtigter Bremens beim Bund in Bonn. Zugleich habilitierte Carstens 1952 in Rechtswissenschaften an der Universität Köln, wo er 1960 zum ordentlichen Professor für Staats- und Völkerrecht berufen wurde. In den Jahren 1954/55 amtierte Carstens zudem als ständiger Vertreter der Bundesrepublik beim Europarat in Straßburg.

Im Jahr 1955 trat er als Experte für Europafragen unter der Regierung von Bundeskanzler Konrad Adenauer in das Auswärtige Amt ein. Im selben Jahr wurde er Mitglied der CDU. 1960 stieg Carstens zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt auf. Von 1961 bis 1966 war er unter Adenauer und dem nachfolgenden Kanzler Ludwig Erhard ständiger Stellvertreter des Bundesaußenministers. 1966 trat Carstens unter der von Kurt Kiesinger geführten Großen Koalition als Staatssekretär in das Verteidigungsministerium ein. In derselben Funktion diente er 1968/69 im Bundeskanzleramt.

Nach dem Bonner Regierungswechsel von 1969, der eine SPD-FDP-Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt an die Macht brachte, übernahm Carstens im folgenden Jahr die Leitung des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Zugleich blieb er weiterhin in der Parteipolitik aktiv. Von 1972 bis 1979 war Carstens für die CDU Mitglied des Deutschen Bundestages, wo er von 1973 bis 1976 der Unionsfraktion vorsaß. In diesen Funktionen setzte er sich besonders kritisch mit der Deutschland- und Ostpolitik der sozialliberalen Koalition auseinander. 1976 trat Carstens den Fraktionsvorsitz an Helmut Kohl ab, um nun bis 1979 als Präsident des Bundestages zu amtieren.

Im Jahr 1979 wurde Carstens zum Kandidaten für das höchste Staatsamt der Bundesrepublik nominiert und im Mai desselben Jahres von der Bundesversammlung zum fünften Bundespräsidenten der Republik gewählt. Obwohl die Wahl wegen Carstens früherer NSDAP-Mitgliedschaft als umstritten galt, entwickelte sich das Staatsoberhaupt zu einer beachtlichen Integrationsfigur der Bundesrepublik, die besonders das Gespräch mit der Jugend suchte. Carstens war auch auf den legendär gewordenen Wanderungen durch das ganze Land ein Politiker, der Kontakt mit allen Generationen und Schichten herzustellen wusste.

In Carstens Amtszeit als Bundespräsident von 1979 bis 1984 fiel auch die spektakuläre Entscheidung zur Auflösung des Bundestages im Januar 1983, nachdem die Ablösung der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt durch eine von Helmut Kohl regierte Koalition Neuwahlen als unausweichlich hatte erscheinen lassen. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Nachhinein die umstrittene Maßnahme. Da Carstens für eine zweite Amtszeit nicht mehr kandidierte, trat zum Juli 1984 Richard von Weizsäcker seine Nachfolge an. Carstens zog sich in der Folge weitgehend aus dem politischen Leben zurück, nahm aber als Vorsitzender des "Rates der Älteren" in der Union weiterhin Anteil an der Parteipolitik.

Carstens erhielt für sein politisches Schaffen zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1984 den Karlspreis der Stadt Aachen. 1987 erhielt er den Hanns-Martin-Schleyer-Preis und die Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft. 1990 wurde ihm die Goldmedaille der "Fondation Jean Monnet pour l'Europe" verliehen sowie 1991 der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Karl Carstens starb am 30. Mai 1992 in Meckenheim.


Die Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

NameKarl Carstens

Geboren am14.12.1914

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortBremen (D).

Verstorben am30.05.1992

TodesortMeckenheim (D).