Biografie

Siegfried Lenz

NameSiegfried Lenz

Geboren am17.03.1926

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortLyck, (Ostpreußen)

Verstorben am07.10.2014

TodesortHamburg (D).

Siegfried Lenz

Der Schriftsteller war einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Siegfried Lenz wendet sich in seinen frühen Werken vielfach der Problematik der Vergangenheitsbewältigung im restaurativen Deutschland zu. Viele Werke von Lenz sind nicht als ein politisches Konzept zur kollektiven Vergangenheitsbewältigung zu verstehen. Ihm geht es eher um die individuelle Entwicklung des Einzelnen. So sind seine Romane vielfach auch ausgestattet mit autobiographischen Elementen, mit Natur- und Landschaftsbildern seiner masurischen Heimat. Sein Roman die "Deutschstunde" (1968) machte ihn zum Bestseller-Autor. Neben Romanen und Erzählungen produzierte er auch Hörspiele und Dramen. Seine späteren Werke vertreten menschlich-psychologische Themen. Seine klassisch realistische Erzählweise begründet den Erfolg seiner Werke...
Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 im ostpreußischen Lyck als Sohn eines Zollbeamten geboren.

Nach dem Abitur ging Siegfried Lenz 1943 zur Marine. Noch kurz bevor der Krieg beendet war, desertierte Lenz in Dänemark. Er geriet für kurze Zeit in britische Kriegsgefangenschaft. Dann 1945 fing er in Hamburg an, Philosophie, Anglistik und Germanistik zu studieren. Doch er brach ab und arbeitete 1948 als Volontär bei der Tageszeitung "Die Welt". In den beiden Jahren 1950 und 1951 war er dort als Redakteur tätig. Seit 1951 war Lenz freier Schriftsteller in Hamburg beziehungsweise in auf der dänischen Insel Ålsen. Ein Jahr später stieß er zu der Schriftsteller- und Publizistengruppierung "Gruppe 47", in der er junge Kollegen wie Günter Grass, Heinrich Böll und Ingeborg Bachmann traf. Wie Günter Grass, unterstützte auch er später die Ostpolitik Willy Brandts und der SPD; Lenz tat dies im Zeichen seines Heimatbewusstseins.

Im Jahr 1952 wurde ihm der René-Schickele-Preis überreicht. 1961 konnte er den Literaturpreis der Stadt Bremen entgegennehmen. 1988 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. 1999 zeichnete die Stadt Frankfurt Siegfried Lenz mit dem Goethe-Preis aus. Hierzulande sowie im Ausland wird er einer der bekanntesten deutschen Autoren. Siegfried Lenz ist ein heimatverbundener Autor. In seinem Erzählband "So zärtlich war Suleyken" (1955) werden Menschen in Masuren, Traditionen und Lebensweisen in Schelmenstücken, Märchen und Anekdoten unterhaltsam beschrieben. Das heitere Werk wurde für das Fernsehen verfilmt, ebenso wie "Der Geist der Mirabelle" (1975). Zu den anekdotischen Erzählungen von seiner Heimat zählt auch das 1971 entstandene Stück "So war das mit dem Zirkus". Zuvor, 1951, wurde er gleich mit seinem ersten mehrfach prämierten Roman "Es waren Habichte in der Luft" bekannt.

Darin kommen die Erlebnisse des Autors vom Krieg und der Zeit danach zur Sprache. Sie handeln von seiner Desertation nach Dänemark und vom Widerstand. In den Romanen "Duell mit dem Schatten" (1953), "Der Mann im Strom" (1957), "Brot und Spiele" (1959) weiß Lenz die Vereinsamung des modernen Menschen und die Machtlosigkeit des Einzelnen darzustellen. Oftmals sind es Eigenbrödler und Gescheiterte, die die Hauptrollen in seinen Romanen spielen wie zum Beispiel "Der Mann im Strom" oder "Brot und Spiele" (1959). Der Themenkreis um den Krieg und die Nachkriegszeit beschäftigte Siegfried Lenz auch in seinen weiteren Werken. Dazu zählt sein bekanntester Roman "Deutschstunde" (1968), in dem er Kritik übt am restaurativen Deutschland in der Nachkriegszeit. Die Erinnerungen des jugendlichen Protagonisten an die NS-Zeit und seine Verarbeitung stehen stellvertretend für alle Deutschen.

Die autoritäre Schule der Zeit bedeutet die restaurative Konrad Adenauer-Zeit. Das Werk knüpft an die Tradition der Zeitromane des 19. Jahrhunderts wie zum Beispiel von Theodor Fontane oder Wilhelm Raabe an. Auch in dem Theaterstück "Zeit der Schuldlosen" (1961) wird das Problem der Schuld behandelt als ein für diese Zeit typisches Literaturthema. Für dieses Drama wurde er 1970 mit dem Gerhart Hauptmann-Preis der "Freien Volksbühne" Westberlin geehrt, später wurde es verfilmt. Der 1973 entstandene Roman "Das Vorbild" thematisiert die Problematik des Leitbildes in mehrfacher Weise. Die beiden Romane "Heimatmuseum" (1978) und "Exerzierplatz" (1985) zählen auch noch zu diesem Themenkreis, in dem es um das Verhältnis zwischen Gegenwart und Vergangenheit geht. Immer wieder tauchen diese Themen auf, genauso wie Einsamkeit, Schuld, Unfreiheit und Versagen.

Dennoch sind viele Werke von Lenz nicht als ein politisches Konzept zur kollektiven Vergangenheitsbewältigung zu verstehen. Ihm geht es eher um die individuelle Entwicklung des Einzelnen. So sind seine Romane vielfach auch ausgestattet mit autobiographischen Elementen, mit Natur- und Landschaftsbildern seiner masurischen Heimat. Das Schreiben von und über seine verlorene Heimat wird für ihn zu einem literarischen Zurückholen. Aber gerade diese Individualität im Zusammenhang mit der Vergangenheitsbewältigung wurde ihm von seinen Kritikern auch zum Vorwurf gemacht. Seine Werke weisen keinen experimentellen Schreibstil auf, sondern sind in der klassischen realistischen Erzählweise gehalten, die auch die Erfolge mitbegründete. Sie nehmen die Erzählkunst von Ernest Hemingway und Wolfgang Borchert auf. Besonders "Heimatmuseum" wird nach der "Deutschstunde" als zweites Meisterwerk von Siegfried Lenz eingestuft.

Zu weiteren Werken aus den 1990er Jahren zählen unter anderem "Die Klangprobe" (1990), "Über das Gedächtnis. Reden und Aufsätze" (1992), "Die Auflehnung" (1994), "Ludmilla" (1996), "Über den Schmerz. Essays" (1998), "Arnes Nachlass" (1999) oder "Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur" (2001). Ab 2003 wurde Lenz Gastprofessor an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Im Herbst 2004 wurde Lenz Ehrenbürger von Schleswig-Holstein und für sein Lebenswerk mit dem Hannelore-Greve-Preis der Hamburger Autorenvereinigung ausgezeichnet. 2005 erhielt er den Preis der Hermann Ehlers Akademie; 2006 wurde er mit der "Goldene Feder", Ehrenpreis für sein literarisch unvergleichliches Werk gewürdigt. Im selben Jahr veröffentlichte er den Titel "Die Erzählungen". 2009 und 2010 wurde er mit dem Lew-Kopelew und dem Nonino-Preis ausgezeichnet.

Siegfried Lenz starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.
Romane

1951: Es waren Habichte in der Luft
1953: Duell mit dem Schatten
1957: Der Mann im Strom
1959: Brot und Spiele
1963: Stadtgespräch
1968: Deutschstunde
1973: Das Vorbild
1978: Heimatmuseum
1981: Der Verlust
1985: Exerzierplatz
1990: Die Klangprobe
1994: Die Auflehnung
1999: Arnes Nachlaß
2003: Fundbüro

Kurzgeschichten, Novellen/Erzählungen


1955: So zärtlich war Suleyken, Kurzgeschichten
1956: Das schönste Fest der Welt
1956: Das Kabinett der Konterbande
1958: Jäger des Spotts. Geschichten aus dieser Zeit, Erzählungen
1958: Lukas, sanftmütiger Knecht, Erzählung (12 Seiten)
1959: Ein Freund der Regierung, Kurzgeschichte
1960: Das Feuerschiff, Erzählungen
1961: Zeit der Schuldlosen, szenisches Werk
1962: Stimmungen der See, Erzählungen
1964: Das Gesicht, szenisches Werk
1964: Lehmanns Erzählungen
1965: Der Spielverderber, Erzählung
1967: Haussuchung, szenisches Werk
1968: Leute von Hamburg, Erzählung
1970: Die Augenbinde, szenisches Werk
1973: Wie bei Gogol, Erzählung
1975: Der Geist der Mirabelle, Erzählung
1975: Einstein überquert die Elbe bei Hamburg, Erzählungen
1980: Drei Stücke, szenisches Werk
1984: Ein Kriegsende, Erzählung
1987: Das serbische Mädchen, Erzählung
1996: Ludmilla, Erzählung
2004: Zaungast, Erzählungen
2006: Die Erzählungen
2008: Schweigeminute, Novelle
2009: Landesbühne, Novelle
2009: Der Ostertisch, Erzählung, Illustration: Jacky Gleich
2011: Die Ferne ist nah genug. Erzählungen
2011: Die Maske. Erzählungen
2011: Harmonie. Die Versuchsperson. Zwei Einakter
2012: Küste im Fernglas. Erzählungen
2013: Die Nacht im Hotel. Illustriert von Joëlle Tourlonias
2013: Eine Liebesgeschichte. Zärtliches aus Suleyken
2014: Leute von Hamburg. Vorwort von Helmut Schmidt

Kinderbücher, Essays/Reden

1970: Beziehungen, Essay
1971: Die Herrschaftssprache der CDU, Rede
1971: Verlorenes Land - Gewonnene Nachbarschaft, Rede
1971: So war das mit dem Zirkus, Kinderbuch
1980: Gespräche mit Manès Sperber und Leszek Ko?akowski
1982: Über Phantasie: Gespräche mit H. Böll, Günter, G. Grass, W. Kempowski, P. Kohout
1983: Elfenbeinturm und Barrikade. Erfahrungen am Schreibtisch, Essay
1986: Geschichte erzählen - Geschichten erzählen, Essay
1992: Über das Gedächtnis. Reden und Aufsätze
1998: Über den Schmerz, Essay
2001: Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur, Essay
2006: Selbstversetzung, Über Schreiben und Leben
2012: Amerikanisches Tagebuch 1962
2014: Gelegenheit zum Staunen

1953: Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg (Stipendium)
1961: Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen
1961: Gerhart-Hauptmann-Preis für "Zeit der Schuldlosen"
1962: Literaturpreis der Stadt Bremen für "Zeit der Schuldlosen"
1970: Lessing-Ring und Literaturpreis der deutschen Freimaurer
1976: Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg
1979: Andreas-Gryphius-Preis
1984: Thomas-Mann-Preis
1985: Manès-Sperber-Preis
1987: Wilhelm-Raabe-Preis für Exerzierplatz und Gesamtwerk
1988: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1989: Heinz-Galinski-Preis
1995: Jean-Paul-Preis
1997: Hermann-Sinsheimer-Preis
1998: Samuel-Bogumil-Linde-Preis
1998: Mercator-Professur der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg
1999: Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main
2001: Ehrensenatorenwürde der Universität Hamburg
2001: Weilheimer Literaturpreis
2002: Corine – Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten (Lebenswerk)
2002: Ehrendoktorwürde der Universität Erlangen-Nürnberg
2002: Ehrenbürger von Hamburg
2002: Hansepreis für Völkerverständigung
2002: Johann-Wolfgang-von-Goethe-Medaille
2003: Heinrich-Heine-Professur der Universität Düsseldorf
2004: Hannelore-Greve-Literaturpreis
2004: Ehrenbürger von Schleswig-Holstein
2005: Preis der Hermann-Ehlers-Akademie
2006: Goldene Feder (Ehrenpreis)
2009: Lew-Kopelew-Preis
2010: Nonino-Preis
2011: Ehrenbürgerwürde (Geburtsstadt E?k (früher Lyck))

NameSiegfried Lenz

Geboren am17.03.1926

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortLyck, (Ostpreußen)

Verstorben am07.10.2014

TodesortHamburg (D).

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