Biografie

Ingeborg Bachmann

Die Schriftstellerin wurde bekannt durch ihre subjektiv geprägte Lyrik, in der sie die existenzielle Bedrohung des Ich verdichtete. Die beiden Gedichtbänden "Die gestundete Zeit" (1953) und "Anrufung des großen Bären" (1956) thematisieren kritisch die restaurative Politik und Haltung in Westdeutschland, das Verhältnis von Mensch und Umwelt sowie die menschliche Entfremdung. Darin trifft Ingeborg Bachmann die Problematik in einer glanzvollen Sprachästhetik, die zum Missverständnis der eigentlichen Intention seines Werkes führte. In ihren späteren Prosawerken kommt das Verhältnis der Frau in der männlich dominanten Gesellschaft zur Sprache...
Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 als Tochter eines Schuldirektors im österreichischen Klagenfurt geboren.

Ingeborg Bachmann wuchs in Kärnten auf. Sie studierte Philosophie, Psychologie , Germanistik und Staatswissenschaft in Innsbruck, Graz und Wien. 1950 promovierte sie mit einer Arbeit über die Rezeption von Martin Heideggers Philosophie. In dieser Zeit lernte sie Paul Celan und Ilse Aichinger kennen. Nach der Promotion war sie für den Rundfunk und die amerikanische Besatzungsbehörde tätig. Von 1951 bis 1953 arbeitete sie für die Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" in Wien. Ihr erstes Hörspiel "Ein Geschäft mit Träumen" wurde 1952 gesendet.

Im Jahr 1953 wurde sie mit einem Preis der "Gruppe 47" für ihren ersten Gedichtband "Die gestundete Zeit" (1953) ausgezeichnet. Ingeborg Bachmann ging dann nach Italien, und arbeitete dort als freie Schriftstellerin. In den beiden Jahren 1957 und 1958 arbeitete sie als Dramaturgin beim Bayerischen Fernsehen. Ab 1958 bis 1963 ging Bachmann mit Max Frisch eine private Beziehung ein, die aber nicht ohne Schwierigkeiten verlief. In dieser Zeit hielt sie sich abwechselnd in Rom und Zürich auf. Von 1959 bis 1960 war sie die erste Gastdozentin für Poetik an der Frankfurter Universität und hielt Vorlesungen über "Probleme zeitgenössischer Dichtung".

Darin propagierte sie die Aussagekraft der neuen Lyrik, die die jüngere deutsche Vergangenheit verarbeiten helfe. Bachmann ließ sich nach der Trennung von Max Frisch kurz in Berlin nieder, ging dann aber 1965 wieder nach Rom zurück. Im Jahr zuvor erhielt sie den Georg-Büchner-Preis, Deutschlands höchste Literaturauszeichnung, und 1968 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. In ihren beiden Gedichtwerken "Die gestundete Zeit" und "Anrufung des großen Bären" standen für die Rezipienten die außerordentliche Sprachästhetik der Lyrikerin im Vordergrund.

Dabei wurde die harsche Kritik an der restaurativen Politik und Gesellschaft der westdeutschen Republik übersehen, ebenso die Themenkreise um das Verhältnis von Mensch und Umwelt sowie die menschliche Entfremdung. Weiterhin fordert sie in den Gedichtbänden zur Verarbeitung des Kriegsgeschehens auf und blickt dabei kritisch auf bestehende gesellschaftliche und persönliche Verdrängungsmechanismen. Da ihre lyrische Botschaft aber nicht verstanden wurde, wandte sie sich anderen Arbeiten zu. 1961 übersetzte sie Gedichte von Giuseppe Ungaretti. Bachmanns Lyrik trägt das Merkmal einer starken subjektiven Prägung, in der sie die existenzielle Bedrohung des Ich durch die Realität der Zeitgeschichte eindrucksvoll zur Sprache bringt.

Die Gedichte sind in freien Rhythmen als Gedankenlyrik abgefasst. Schon früh beschäftigte sich Bachmann mit dem Hörspiel, in dem sie oft lyrische Elemente verwendete. 1955 entstand ihr erstes Werk, "Die Zikaden" das mit der Musik von Hans Werner Henze ausgestattet war. Für ihn schrieb sie weiterhin eine Ballettpantomime und Libretti für Opern. Ab den 1960er Jahren widmete sich die Schriftstellerin überwiegend der Prosa-Gattung. Darin realisierte sie ihre thematische Vorstellung von dem Verhältnis der Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft, wie beispielsweise die Erzählung "Undine geht" zeigt. Dabei läuft es auf die Zerstörung der Frau hinaus, die in dem Roman "Malina" (1971) in komplexer Weise dargestellt wird.

Ein in das Handlungsgefüge eingearbeitetes Märchen als rettende Vorstellung vom Goldenen Zeitalter vermittelt einen Gegenpol. Das Thema wurde gleichfalls aufgegriffen in dem Erzählzyklus "Simultan" (1972). 1965 erschien das Werk "Ein Ort für Zufälle", in dem es um die Ost-West-Beziehungen geht. 1976 erschien eine kritische Ausgabe ihres Romanzyklus "Todesarten" mit den Stücken "Malina" sowie die Fragmente "Der Fall Franza" (1978) und "Requiem für Fanna Goldmann" (1978). 1998 wurden die Manuskripte zu ihren Radiosendungen, die erst ein Jahr zuvor auftauchten, unter dem Titel "Römische Reportagen" veröffentlicht. Bachmanns Lyrik aus dem Nachlass kam mit dem Band "Ich weiß keine bessre Welt. Unveröffentlichte Gedichte" im Jahr 2000 an die Öffentlichkeit.

Sie geben Einblicke ins Innerste der Lyrikerin. Ingeborg Bachmann schrieb auch Essays über Ludwig Josef Johann Wittgenstein, Martin Heidegger oder über den Wiener Kreis, wie beispielsweise die Werke "Ludwig Wittgenstein" (1953), "Sagbares und Unsagbares" oder "Der Wiener Kreis" (1953/54) zeigen. Zu den weiteren Werken von Ingeborg Bachmann zählen unter anderem "Der gute Gott von Manhattan" (1958), "Der Prinz von Homburg" (1960, Opernlibretto nach H. v. Kleist), "Das dreißigste Jahr" (1961), "Jugend in einer österreichischen Stadt" (1961), "Ein Ort der Zufälle" (1965) oder "Der junge Lord" (1965, Opernlibretto nach W. Hauff).

Ingeborg Bachmann starb bei einem Wohnungsbrand am 17. Oktober 1973 in Rom.

NameIngeborg Bachmann

Geboren am25.06.1926

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortKlagenfurt (A).

Verstorben am17.10.1973

TodesortRom (I).