Biografie

Reinhold Würth

Der gelernte Großhandelskaufmann führte im Zuge des Wirtschaftswunders der 1950er und 1960er Jahre die väterliche Schraubengroßhandlung zu einem ungeahnten Erfolg. Die Adolf Würth GmbH & Co. KG avancierte in der Befestigungs- und Montagetechnik weltweit zu einem der bedeutendsten Zulieferer der Kfz-Industrie und der Bauwirtschaft. Reinhold Würth entwickelte aber nicht nur eine erfolgreiche Unternehmensphilosophie, sondern zeigt sich als Kunstsammler und Mäzen auch kulturellen Ebenen verbunden. Würth war von 1999 bis 2003 Professor h.c. am Interfakultativen Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH)...
Reinhold Würth wurde am 20. April 1935 in Künzelsau geboren.

Sein Vater war Unternehmer und hatte 1945 die "Adolf Würth OHG" ins Leben gerufen. Nach der Schule ging Würth 1949 in der väterlichen Schraubengroßhandlung in die Ausbildung, die er 1952 als Großhandelskaufmann abschloss. Während der Lehrzeit erwarb er auf Vertreterreisen durch Nachkriegsdeutschland erste Vertriebserfahrungen. Infolge des Todes des Vaters übernahm Würth 1954 die Geschäftsführung. Im Zuge des nun einsetzenden Wirtschaftswunders führte der junge Unternehmer die Firma an die Spitze der westdeutschen Zuliefererbranche für Kfz-Industrie. Würth trieb die Expansion des Unternehmens durch Zukauf und Eingliederung von Schraubenherstellern und anderen Produzenten kontinuierlich voran. Dabei erwies sich die strenge Qualitätskontrolle gegenüber den Lieferanten als Erfolgsrezept vor allem auch im Ausland, wohin der erfolgreiche Unternehmer ab 1962 expandierte.

Nach der Gründung einer ersten ausländischen Tochtergesellschaft in den Niederlanden, eröffneten bald Geschäftsstellen in vielen anderen Ländern der Welt. 1965 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine GmbH & Co. KG, als deren Komplementär die Würth-Verwaltungs GmbH fungierte. Würth war bis 1993 als Geschäftsführender Gesellschafter an der Spitze des Unternehmens tätig. Zum Jahresbeginn 1994 zog er sich in den Vorsitz des Beirats der Würth-Gruppe zurück. 1997 wurde die Würth Finance International B. V. gegründet. 1998 rief Würth mit der Energie Baden-Württemberg den Solarzellen-Produzenten Würth-Solar GmbH ins Leben. Ebenfalls gegen Ende der 1990er Jahre übernahm Würth die Großhandelsgruppe EGG Uni-Elektro und expandierte auch in den Bereich der Baumärkte. Die Würth-Gruppe avancierte weltweit zum bedeutenden Handelspartner in den Bereichen Schraubenverbindungselemente, Montageteile und chemische Produkte der Verbindungstechnik.

Würth unterhielt indes ca. 236 Vertriebsfirmen in 76 Ländern und beschäftigte mehr als 36.000 Mitarbeiter. Die Bedeutung des Unternehmens verdankt sich der Geschäftsphilosophie Würths, die neben einer hohen Produktqualität eine dezentrale und besonders motivierende Mitarbeiterführung vorsah. Diese Ideen publizierte der Unternehmer 1995 als Buch ("Erfolgsgeheimnis Führungskultur – Bilanz eines Unternehmers"), das auch in englischer Übersetzung erschien. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich Würth auch als leidenschaftlicher Kunstsammler und Mäzen. Er wurde Vorsitzender des Fördervereins Württembergisches Landesmuseum. Seine Gemäldesammlungen mit über 8.000 Exponaten stellt Würth regelmäßig in der Unternehmenszentrale in Künzelsau-Gaisbach aus.

Seit Mai 2001 bietet auch die in Schwäbisch Hall eröffnete Kunsthalle Würth Raum für die Ausstellung seiner Sammlung, in der Künstler wie Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Marc Chagall, Pablo Picasso, Markus Lüpertz und Georg Baselitz vertreten sind. Mit über 80 Werken besitzt Würth die größte Sammlung des Verpackungskünstlers Christo in Deutschland. Würth übernahm außerdem 1999 an der TU Karlsruhe eine Honorar-Professur für Entrepreneurship und engagiert sich als FDP-Mitglied in der Parteipolitik. Der Unternehmer wurde indes u. a. mit dem Deutschen Marketing-Preis, 1985 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Die Universität Tübingen erhob ihn 1999 zum Ehrendoktor und zum Ehrensenator. Im selben Jahr erhielt er die Ehrenmedaille der IHK Heilbronn-Franken in Gold. Bis 2008 gründete und erhielt er dreizehn Museen. Darunter befinden sich das Museum Würth und das Museum für Schrauben und Gewinde in Künzelsau sowie die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall mit moderner Kunst. Die Kunst-Sammlung Würth, die in den Museen wechselnd gezeigt wird, gehört zu den bedeutendsten europäischen Privatsammlungen. Sein Vermögen wurde 2008 vom Forbes Magazin auf 9,0 Mrd. US Dollar geschätzt. 2011 erwarb der Unternehmer die "Darmstädter Madonna" von Hans Holbein der Jüngere. Das Werk zählt zu den bedeutendsten Frührenaissance-Gemälden. Es wurde ab Januar 2012 in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall ausgestellt.

Reinhold Würth ist seit 1956 mit seiner Frau Carmen verheiratet und Vater von drei Kindern.

NameReinhold Würth

Geboren am20.04.1935

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortÖhringen (D).