Biografie

Marc Chagall

Der weißrussische Künstler gehört zu den Hauptvertretern des gegenständlichen Expressionismus. Sein Malstil setzt sich zusammen aus Fauvismus, russischer Volkskunst und jüdischer Mystik. Die Bildsprache ist oftmals phantastisch und weist ins Surreale hinein. Seine Bibelillustrationen machten Marc Chagall zu einem der berühmtesten Maler des 20. Jahrhunderts. Seine jüdische Herkunft wird in vielen seiner Bilder sichtbar. Darüber hinaus gestaltete der Künstler auch Gebäude und entwarf beeindruckende Glaskunstwerke. Unter anderem erhielt er in Kopenhagen den Erasmus-Preis. 1973 wurde das "Musée National Message Biblique Marc Chagall" als einziges Nationalmuseum in Frankreich zu Ehren eines lebenden Künstlers in Nizza eröffnet...
Marc Chagall wurde am 7. Juli 1887 in dem Dorf Liosno nahe der weißrussischen Stadt Witebsk als Sohn jüdischer Eltern geboren.

Chagall besuchte die Elementar- und Gemeindeschule. Ein regelmäßiger Schulbesuch war nicht gegeben, denn Chagall stotterte. Von seinem Vater erhielt er musischen Unterricht. Trotz seiner unregelmäßigen Schulausbildung wurde er auf der Kunstschule in Witebsk aufgenommen. 1907 zog er nach Petersburg. Sein Vorhaben, an der Baron-Stieglitz-Schule unterrichtet zu werden, erfüllte sich nicht. Er begann 1908 ein Studium an der kaiserlichen Kunstakademie "Gesellschaft zum Schutze der Künste" unter anderem bei Leon Bask, der ihn mit den französischen Malern wie Paul Cezanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh bekannt machte.

Besonders die starken Farben von Gaugin beeinflussten Chagall. In dieser Zeit entstand auch sein erstes Hauptwerk "Der Tote". Neben ländlichen Mythen beschäftigte er sich weiterhin mit der Aktmalerei. Von 1910 bis 1914 weilte Chagall in Paris. Finanziert wurde dieser Aufenthalt durch einen Verkauf zweier Bilder und ein privates Stipendium. In Paris, dem damaligen Zentrum der modernen Kunst, begegnete er Fauvisten, Kubisten und Orphisten, die ihn in seinem Stilstudium anregten. Schon damals waren aber seine Bilder grundsätzlich von dem persönlichen Stil der Heiterkeit und des Phantastischen geprägt. Aus dieser Zeit in Paris stammt das Werk "Der Geiger". Das Bild zeigt einen umherziehenden Geiger, den Chagall mit seinem Vater und seiner heimatlichen Kultur verband.

Weiterhin sind in diesem zentralen Werk bereits künftige Kompositionen angelegt wie die perspektivlose Flächigkeit mit Hinweis auf den Kubismus und die surreale Farbigkeit. Neben Malern machte sich auch der Einfluss von Schriftstellern wie Max Jacob, Blaise Cendrars oder Guillaume Apollinaire bemerkbar. 1914 fand die erste Einzelausstellung Chagalls mit 40 Gemälden und 120 Zeichnungen in der Berliner Galerie "Sturm" statt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte Marc Chagall nach Russland zurück. Seinen militärischen Dienst leistete er in einer Schreibstube einer nicht-kämpfenden Truppe ab. Er hatte dabei Zeit genug, um sich seiner Malerei umfangreich widmen zu können. In der Hauptsache stellte er die Liebe zu seiner Frau dar. 1915 heiratete er Bella Rosenfeld, eine Freundin eines Aktmodells, in Witebsk.

Von der Kriegszeit unberührt blieb Chagalls Auffassung von einer heiteren Glaubensansicht und Menschenfreundlichkeit, die er auch weiterhin in seinen Werken darstellte. 1918 wurde er Kommissar für Bildende Künste im Gouvernement Witebsk. In dieser Funktion trieb er die Kunstproduktion und –präsentation der Region maßgeblich voran, indem er verschiedene Museen und Kunstschulen gründete. 1919 organisierte er eine Gemeinschaftsausstellung mit den bekanntesten Künstlern der russischen Malerei seiner Zeit: Wassily Kandinsky, El Lissitzky, Kasimir Malewitsch und er selbst. Wegen des Konflikts mit dem Einfluss des herrschenden Suprematismus von Malewitsch und Lissitzky verließ Chagall Witebsk und ging 1920 nach Moskau. Beim dortigen Jüdischen Theater fand er eine Beschäftigung als Bühnenbildner, Kostümentwerfer und Wandmaler.

Mit zunehmender Spaltung zwischen der offiziellen sowjetischen und persönlichen Kunstauffassung verließ Chagall Russland und folgte Wassily Kandinsky nach Berlin. Dann siedelte er nach Paris über. Dort realisierte er druckgraphische Zyklen als Auftragsarbeiten. In den Jahren von 1924 bis 1927 fertigte er insgesamt 97 Radierungen zu Nicolai Gogols "Die toten Seelen" an. Zu Jean de la Fontaines "Fabeln" schuf er über 100 Illustrationen und 19 Guachen für ein Zirkusbuch. In den Jahren zwischen 1931 und 1937 reiste Chagall nach Syrien, Ägypten, Palästina, Polen, Spanien, Italien und die Niederlande, um sich für eine große Auftragsarbeit vorzubereiten – die Bibelillustration, die sein bekanntestes Werk werden sollte. 1937 wurde er französischer Staatsbürger. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieg begab er sich zunächst nach Südfrankreich.

Im Jahr 1941 folgte er einer Einladung des Museum of Modern Art in New York und begab sich ins Exil außerhalb von Europa. Er widmete sich wieder verstärkt der Kunst seiner russischen Heimat, und er war wieder als Bühnenbildner bei den Aufführungen von Peter Tschaikowskys Ballett "Aleko" und Iwor Strawinskis Ballett "Der Feuervogel" tätig. 1946 fand eine Ausstellung im Museum of Modern Art statt und ein Jahr darauf im Musée Nationale d`Art Moderne in Paris. Sie festigten seinen Ruf in Europa und in den USA als einer er führendsten Künstler der Avantgarde. Im folgenden Jahr, 1948, wurde er auf der Biennale von Venedig für seine grafischen Werke ausgezeichnet. 1949 kehrte Marc Chagall nach Frankreich zurück und lebte in dem südfranzösischen Städtchen Saint-Paul-de-Vence. Seit 1944 verwitwet heiratete er 1952 seine zweite Frau Lava Brosky.

Eine Reise nach Griechenland leitete ihn zu Motiven aus der griechischen Mythologie, die er in seinen späteren Werken verwendete. Überhaupt wandte er sich im Alter neuen Materialien und Arbeitstechniken zu wie Bildhauerei, Töpferei, Keramik und Malereien und Glasarbeiten an öffentlichen Gebäuden. Im Folgenden ein Auszug aus diesen öffentlichkeitswirksamen Arbeiten: Für die Kathedrale von Metz fertigte er von 1958 bis 1968 Glasfenster, 1959 für das Frankfurter Stadttheater ein Wandgemälde, 1962 für die Synagoge der Hadassah-Klinik im israelischen Ein-Karem Glasfenster, 1964 ein Deckengemälde für die Pariser Oper, 1966 zwei Wandgemälde für die Metropolitan Opera in New York, zwischen 1969 und 1970 Glasfenster für das Fraumünster in Zürich, 1972 weitere Glasfenster für die Kathedrale von Reims und zwischen 1978 und 1984 Glasfenster für den Mainzer Dom.

Im Jahr 1973 wurde das "Musée National Message Biblique Marc Chagall" als einziges Nationalmuseum in Frankreich zu Ehren eines lebenden Künstlers in Nizza eröffnet. Im selben Jahr reiste er nach 51 Jahren Abwesenheit erstmals wieder nach Moskau, wo in einer Ausstellung seine Werke präsentiert wurden. Eine weitere Ehre wurde ihm zuteil, als 1977 im Louvre in Paris erst die zweite Retrospektive eines noch lebenden Künstlers in Frankreich veranstaltet wurde, diesbezüglich wurde Pablo Picasso vor ihm ausgezeichnet.

Marc Chagall starb am 18. März 1985 im alter von 97-jährig in Saint-Paul-de-Vence.

NameMarc Chagall

Geboren am07.07.1887

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortLiosno nahe Witebsk (RUS).

Verstorben am18.03.1985

Todesortde.Paul.Saint