Biografie

Osama bin Laden

Der radikalislamistische saudische Terrorist (seit 1994 staatenlos) galt als ein spirituelles Oberhaupt verschiedener dschihadistischer Gruppierungen wie beispielsweise al-Qaida. Als Mudschahid wurde er Anhänger der Stellvertreterkriege, die die USA und UdSSR mit Vorliebe auf fremden Territorien führten. Im afghanischen Befreiungskampf noch von der CIA unterstützt, wandte sich Osama bin Laden mit seinem internationalen Netzwerk an Kämpfern und Terrorlogistik bald gegen die USA und die gesamte westliche Welt. Höhepunkt seines "Heiligen Krieges" (Jihad) war der Terrorangriff gegen die USA vom 11. September 2001, der ihm von den USA unbewiesenermaßen zugeschrieben wurde. Seine Tötung, durch eine US-amerikanische Spezialeinheit, verbaute darauf die Möglichkeit der vollständigen Aufklärung des größten Terroranschlags der Geschichte...
Usama ibn Muhammad ibn Awad ibn Ladin wurde vermutlich am 10. März 1957 als Sohn eines südjemenitischen Bauunternehmers und einer Palästinenserin in Djidda (Saudi-Arabien) geboren. Dieses Datum ist jedoch nicht gesichert. Andere Quellen nennen das Jahr 1955 als Geburtsjahr.

Aufgrund der erfolgreichen Geschäfte seines Vaters wuchs Osama bin Laden in einer Großfamilie in wohlhabenden Verhältnissen auf. Nachdem sein Vater 1968 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, wurde er mit 15 Jahren zu einem der Geschäftsführer des Bauunternehmens ernannt. In seiner Jugend fiel er bereits durch religiösen Eifer und übertriebene Frömmigkeit auf, er unterstützte islamische Einrichtungen und die ägyptischen Moslembrüder. In seiner Heimatstadt nahm er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften auf, das er 1979 abschloss. Zugleich übernahm bin Laden als Projektmanager verantwortliche Aufgaben im Familienunternehmen. Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan am 26. Dezember 1979 bedeutete den Beginn seiner politischen Betätigung. Bin Laden verließ sein Elternhaus, um im Auftrag des saudi-arabischen Geheimdienstes den Widerstand in Afghanistan und Pakistan zu organisieren, wo er die Guerillatruppen der islamischen Mudschaheddin aufbaute und sich als Spezialist für Festungen und Tunnelsysteme bewährte. Ab 1982 führte bin Laden selbst die Widerstandstruppen in den Kampf, wobei er sich durch seine außerordentliche Tapferkeit auszeichnete.

Von den USA als natürlicher Verbündeter betrachtet, genossen bin Laden und die Mudschaheddin in jenen Jahren die Unterstützung der CIA. Zugleich schloss sich bin Laden Mitte der 1980er Jahre mit dem Führer der palästinensischen Muslimbrüderschaft Abdullah Azzem zusammen, der den afghanischen Widerstand unterstützte. Bin Laden verfügte bald über ein übergreifendes islamisches Söldnerheer, dessen Kämpfer er aus dem gesamten arabischen Raum rekrutierte. Aufgrund seiner Bauinvestitionen für soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen und seiner Unterstützung der islamischen Widerstandsbewegung "Hijaz" genoss er große Anerkennung und Popularität in Ägypten und anderen muslimischen Ländern. Noch 1988 sollen bin Laden 20.000 Kämpfer in Afghanistan unterstanden haben. Infolge des Rückzugs der sowjetischen Besatzungstruppen aus Afghanistan kehrte bin Laden 1989 nach Djidda zurück. Dort geriet er wegen seiner politischen und religiösen Kompromisslosigkeit bald in Konflikt zum Staat. Nach der Annexion Kuwaits durch den irakischen Staatschef Saddam Hussein stellte König Fahd 1990 Saudi-Arabien als Aufmarschbasis für den zweiten Golfkrieg zur Verfügung.

Bin Laden kritisierte den saudi-arabischen König öffentlich für die den USA gewährte logistische Unterstützung im Unternehmen "Desert Storm". Bin Laden galt außerdem als Drahtzieher der Terroranschläge, die sich gegen US-amerikanische Einrichtungen in Saudi-Arabien richteten und denen zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Seine theokratischen Vorstellungen und Kampfaufrufe gegen den Westen, gegen den er den Ölpreis als Waffe eingesetzt sehen wollte, entfremdeten bin Laden zunehmend auch von seiner eigenen Familie. Nachdem er noch von 1989 bis 1991 mehrere Bauaufträge im Sudan und im Irak geleitet hatte, brach er mit der Familie und ließ sich seinen Anteil aus dem Bauunternehmen auszahlen. Die 300 Millionen US$ machten bin Laden in der Folge dank einer geschickten weltweiten Anlage- und Investitionsstrategie zu einem vermögenden Mann. 1991 floh bin Laden aus Saudi-Arabien über den Jemen zunächst in den Sudan, 1994 wurde ihm die saudische Staatsbürgerschaft aberkannt. Im Sudan genoss er die Protektion des islamistischen Omar El Bachir und führte er Handelsgeschäfte und Straßenbauten aus. Es wird vermutet, dass er überdies im südlichen Sudan Ausbildungslager für Guerillakämpfer unterhielt.

Bin Laden gilt als verantwortlicher Drahtzieher des ersten Anschlags auf das New Yorker World Trade Center von 1993. Zwei Jahre später soll er außerdem ein Attentat gegen den ägyptischen Präsidenten Mubarak organisiert haben, das 1995 in Addis Abeba stattfand, nachdem Jassir Arafat nur kurz zuvor sein dortiges Erscheinen abgesagt hatte. 1996 wurde auf bin Laden selbst ein Attentat im sudanesischen Khartum verübt, worauf er sich nach London in ärztliche Behandlung begab. Noch im selben Jahr wurde er auf Druck der USA und der UNO aus dem Sudan ausgewiesen. Bin Laden ließ sich daher ab 1996 wieder in Afghanistan nieder, wo er bei Kandahar eine Festung und mehrere Ausbildungslager zwischen Khost und Dschalalabad errichtete. Dabei tat er sich mit den fundamentalistischen Taliban zusammen, deren Führer Mohammed Omar er schon im anti-sowjetischen Widerstandskampf unterstützt hatte und die ab 1997 zunehmend das Land unter ihre Kontrolle brachten. In der Folge entwickelte bin Laden von Afghanistan aus eine beispiellose Serie terroristischer Anschläge in der ganzen Welt. Auf sein Konto sollen die Attentate gegen amerikanische Bedienstete in Jemen im Vorfeld des Somalia-Einsatzes gehen. Auch wird er für die zahlreichen Morde an internationalen Touristen in Ägypten verantwortlich gemacht, denen allein in Luxor 70 Menschen zum Opfer fielen. Überdies organisierte er eine Reihe von Anschlägen gegen Botschaftshäuser: 1995 auf die ägyptische Botschaft in Karatschi, 1998 auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania). Die beiden letztgenannten Anschläge kosteten 263 Menschen das Leben.

Bin Laden, der seine Beteiligung an den genannten Terrorhandlungen öffentlich weder leugnete noch bestätigte, musste nun mit einer ersten amerikanischen Gegenreaktion rechnen. US-Präsident Bill Clinton ließ im August 1998 ein Ausbildungslager in Afghanistan und eine sudanesische Chemiefabrik mit Marschflugkörpern bombardieren. Der Terroristenführer, der im März 1998 in Kandahar die "Internationale Islamistische Front für den heiligen Krieg gegen Juden und Kreuzfahrer" gegründet hatte, ging aus den Militärschlägen unverletzt und mit gewachsenem Ansehen hervor. Ebenfalls im Frühjahr 1998 erließ bin Laden eine Fatwa, einen religiösen Richterspruch, der zum heiligen Krieg gegen die USA aufrief. Damit geriet er ideologisch immer mehr in die Nähe fundamentalistischer Interpretationen des "Jihad", die ursprünglich friedlichen Glaubensgebote zu einem "Heiligen Krieg" gegen andere Glaubensrichtungen und Kulturen erweiterten. Im November 1998 erhoben die USA formell Anklage gegen bin Laden. Im September 1998 gelang bei München die Festnahme seines mutmaßlichen Finanzchefs, Mamdouh Mahmud Salim, der daraufhin an die USA ausgeliefert wurde. Ein entsprechendes Auslieferungsbegehren des US-Präsidenten Bill Clinton wurde im November 1999 von den Taliban negativ beschieden. Die Ankündigung neuer Anschläge gegen westliche Einrichtungen zog 1999 die Schließung englischer und amerikanischer Botschaften im arabischen Raum nach sich.

Die langjährigen Drohungen Osama bin Ladens fanden offenbar am 11. September 2001 ihre Verwirklichung, als islamische Fundamentalisten mit entführten und vollbesetzten Verkehrsflugzeugen Angriffe gegen das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington D. C. flogen. Neben den Terroristen selbst fanden in den einstürzenden Twin Towers von New York Tausende von Menschen den Tod. Obwohl ein wirklicher Beweis für die Verantwortlichkeit Osama bin Ladens ausstand, galt er weltweit als Drahtzieher der Terrorangriffe auf die USA. Aufgrund seines geheimen Netzwerks stand der Terroristenführer nie in direktem Kontakt zu den Tätern, weshalb der Nachweis einer Mitwirkung immer zweifelhaft bleiben muss. Im US-Militärschlag gegen Afghanistan, dem neben dem Taliban-Regime auch Teile der Zivilbevölkerung zum Opfer fielen, konnte Osama bin Laden selbst nicht ausgeschaltet werden. Die Anziehungskraft der "Jihad" ist gewiss so groß, dass der "Heilige Krieg" auch nach dem Tod seines Führers durch dessen zahlreichen Anhänger in der ganzen Welt um so vehementer fortgesetzt werden würde. Im Vorfeld der US-amerikanischen Kriegsvorbereitungen gegen den Irak veröffentlichten arabische Medien Anfang Oktober 2002 eine Erklärung, in der weitere Anschläge gegen die USA angekündigt wurden: Nach den Meldungen stammte die Drohung von niemand geringerem als Osama bin Laden.

Der islamistische Terroristenführer meldete sich auch im Februar 2003 mit einer Erklärung zu Wort, die von einem arabischen Satelliten-TV verbreitet wurde. Darin brachte bin Laden angesichts des amerikanisch-britischen Angriffs auf den Irak seine Solidarität mit dem irakischen Volk zum Ausdruck. Indes gab es keinerlei Beweise weder für die terroristische Täterschaft bin Ladens noch für sein Überleben. Statt dessen weisen zahlreiche Vorwürfe darauf hin, dass bin Laden und die Anhänger der Terrorgruppe Al-Qaida ein Produkt geheimdienstlicher Tätigkeiten der USA selbst sind. 2005 schien nun auch eine Ausbreitung von Al Kaida im Nahen Osten als wahrscheinlich: Nach dem Abzug der israelischen Besatzung aus dem Gaza-Streifen im August 2005 bereiteten sich chaotische Zustände in dem Landstrich aus.

Einen Monat später sah sich der palästinensische Premier Abbas gezwungen, vor einem neuen Somalia im Gaza-Streifen zu warnen, wo Hamas dominieren würde und bald auch Al Kaida Fuß fassen könnte. Der Terroristenführer hatte sich offenbar in der westpakistanischen Provinz Wasiristan verstecken. Sechs Jahre nach den Terroranschlägen auf die USA war die Suche nach bin Laden auch im September 2007 ergebnislos geblieben. Auf Hinweise zu seinem Verbleib setzte der US-Senat im Juli 2007 ein Kopfgeld in Höhe von 50 Millionen Dollar aus.

Osama Bin Laden starb am 1. Mai 2011 während einer Militäraktion des US-amerikanischen Joint Special Operations Command in Abbottabad.

NameUsama ibn Muhammad ibn Awad ibn Lâdin

AliasOsama bin Laden

Geboren am10.03.1957

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortDjidda (SA).

Verstorben am01.05.2011

TodesortAbbottabad, Khyber Pakhtunkhwa (PK).