Biografie

Jassir Arafat

Der palästinensische Politiker und Friedens-Nobelpreisträger (1994) war über drei Jahrzehnte lang Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, die als legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes galt. 1958 gründete er in Kuwait zusammen mit Abu Dschihad die erste Zelle der Bewegung zur Befreiung Palästinas (al-Fatah), aus der 1959 die gleichnamige politische Partei hervorging. Ab 1958 war Jassir Arafat Vorstandsmitglied und ab 1968 Vorsitzender der Fatah. Von 1996 bis 2004 fungierte er als Vorsitzender des Palästinensischen Autonomierats und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Der Tod der langjährigen Integrationsfigur riss im Herbst 2004 ein brisantes Machtvakuum in das palästinensische Lager...
Abdal Rauf Arafat al-Qudwa al-Husaini oder auch Mohammed Abed Ar`ouf Arafat wurde am 24. August 1929 in Jerusalem geboren.

Sein Vater betrieb dort einen gutgehenden Textilhandel. Bereits als Jugendlicher war Arafat an Aktionen gegen die britische Vormacht in Palästina und gegen zionistische Gruppen beteiligt. Nach Abschluss der Schule in Jerusalem trat Arafat 1944 in den Verband Palästinensischer Studenten an der Universität Kairo ein. Im ersten israelisch-arabischen Krieg von 1948 engagierte er sich als Waffenschmuggler für die arabischen Verbände. 1950 wurde er Mitglied des Exekutivkomitees, dann von 1952 bis 1956 Präsident des erwähnten Studentenverbandes. Ab 1951 studierte er Elektrotechnik an der Universität von Kairo. Während der Suez-Krise und dem zweiten israelisch-arabischen Krieg von 1956 machte sich Arafat als Reserveoffizier der ägyptischen Armee verdient, wobei er als Ingenieur zum Einsatz kam. 1958 gründete Arafat mit anderen Mitstreitern, u.a. mit Abu Dschihad, die "Al Fatah"-Bewegung, die sich als "Harakat el-tahrir el-Falastin", also als "Bewegung zur Befreiung Palästinas", verstand. Von 1957 bis 1965 arbeitete Arafat als Bauingenieur in Kuwait. Dort gründete er eine Baufirma, mit der er große Gewinne machte.

Ab 1965 nahm "Al Fatah" unter Arafats Führung vom Libanon den Kampf gegen Israel auf, um sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zur stärksten palästinensischen Guerilla-Truppe zu entwickeln. Nach der israelischen Offensive vom Juni 1967 gewann Arafat und seine Einheit zunehmend an Anerkennung und Zulauf von arabischer Seite. 1969 wurde "Al Fatah" in den Verband der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) aufgenommen, für deren Exekutivrat Arafat nun zum Vorsitzenden gewählt wurde. In dieser Funktion wurde er bis in die jüngste Gegenwart hinein immer wieder bestätigt. Arafat vertrat innerhalb der unterschiedlichen Verbände und Einheiten, die sich bis heute zum Teil mit skrupellos terroristischen Mitteln für die Befreiung Palästinas einsetzen, eine eher gemäßigte Position. Dennoch gilt seine duldende bis hilflose Haltung gegenüber den Terrorakten radikaler palästinensischer Gruppen wie "Hamas", die sich in Anlehnung an den sich ausbreitenden islamischen Fundamentalismus der "Jihad", dem "Heiligen Krieg", gegen Israel verschrieben haben, als umstritten.

Im Jahr 1972 führte die palästinensische Gruppe des "Schwarzen September" einen blutigen Überfall auf die israelische Olympiamannschaft in München durch. 1974 erkannte die arabische Gipfelkonferenz von Rabat die PLO unter Führung Arafats als einzige rechtmäßige Vertreterin der Palästinenser an. Noch im selben Jahr erhielt der PLO-Führer die Gelegenheit, die Palästinenserfrage vor der UNO-Generalversammlung zu thematisieren. Arafat präsentierte sich mit der seither für ihn typischen äußeren Erscheinung vor den Vereinten Nationen, zu dem neben dem Palästinenser-Tuch, der "Keffiya", auch ein Pistolengürtel mit Waffe gehörte. In den folgenden 1970er und 1980er Jahren gewann die PLO die Anerkennung einer wachsenden Anzahl von Staaten. 1980 vollzog Österreich als erstes westliches Land ihre diplomatische Anerkennung. Der israelische Einmarsch im Libanon, wo sich die PLO zuvor eine Basis aufgebaut hatte, bedeutete 1982 einen schweren Schlag für die Organisation.

Arafat errichtete das neue PLO-Hauptquartier in Tunesien. Mit der im Dezember 1987 ausbrechenden ersten "Intifada", in der sich die palästinensische Jugend in einem "Krieg der Steine" gegen die israelische Vormacht wandte, gewann die PLO erneut an Aufwind. Die Organisation erhielt 1988 von der arabischen Welt erneut die Anerkennung als legitime Vertreterin der Palästinenser. Am 2. April 1989 wurde er vom PLO-Zentralrat zum Präsidenten des "Unabhängigen Staates Palästina" erhoben, der im Jahr zuvor von der PLO unter Anerkennung des Existenzrechts Israels proklamiert worden war. Im Sommer 1993 erklärte Israel erstmals seine Verhandlungsbereitschaft gegenüber der PLO, was die israelische Anerkennung der Organisation implizierte. Es folgte die gegenseitige Anerkennung der PLO und Israels am 10. September 1993 und der Abschluss des Gaza-Jericho-Abkommens vom 13. September in Washington, das eine palästinensische Teilautonomie im Gazastreifen und Jericho in Aussicht stellte. Im Zuge der Errichtung der palästinensischen Autonomie nahm Arafat von 1994 bis 1996 den Vorsitz in der Nationalen Palästinensischen Regierung ein und fungierte er als deren Innenminister.

Für die Verdienste um den Nahost-Friedensprozess wurde Arafat am 10. Dezember 1994, gemeinsam mit Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin und Israels Außenminister Shimon Peres, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In Washington unterzeichnet Arafat, gemeinsam mit Rabin, am 28. September 1995, das Autonomieabkommen für das Westjordanland, das die Erweiterung einer begrenzten Autonomie auf einen Teil der 1967 besetzten Gebiete besiegelte. Bei den ersten Wahlen zum Palästinensischen Autonomierat in den palästinensischen Autonomiegebieten ging Arafat am 20. Januar 1996 als Sieger hervor, so dass er am 12. Februar 1996 als dessen Vorsitzender vereidigt wurde. Der Friedensprozess und die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates ist seither immer wieder ins Stocken geraten. Schwere Rückschläge in den beiderseitigen Beziehungen zwischen PLO und Israel stellten sich mit dem Ausbruch der zweiten Intifida ein.

Radikale und fundamentalistische palästinensische Gruppen wie Hamas torpedieren in den letzten Jahren durch grausamste Terroraktionen und Selbstmordattentate in Israel den Verständigungs- und Friedensprozess. Seit der Ermordung des israelischen Premiers Rabin verschließt sich auch Israel immer mehr einer Verständigung. Der 1996 zum Premier gewählte Benjamin Netanjahu verfolgte eine aggressive Siedlungspolitik. Der Terror palästinensischer Splittergruppen wurde 2002 mit zahlreichen militärischen Operationen gegen die palästinensischen Autonomiegebiete, deren Zivilbevölkerung und Infrastruktur beantwortet, die den erreichten Fortschritt in der Region innerhalb weniger Monate wieder rückgängig gemacht hat. Jassir Arafat zählte zu den demokratisch orientierten Politikern im Nahen Osten und pflegte zu zahlreichen westlichen Ländern ein freundschaftliches Verhältnis. Er war seit 1991 verheiratet mit Sulia Tawil, mit der er eine Tochter hatte. Im Machtkampf mit dem ersten palästinensischen Ministerpräsident konnte Arafat 2003 seine Position behaupten: Mahmoud Abbas trat Anfang September 2003 zurück. Unmittelbar danach sah sich Arafat mit der Absicht der israelischen Regierung konfrontiert, ihn aus Palästina auszuweisen.

Die Androhung einer solchen Maßnahme am 11. September 2003 sicherte dem PLO-Chef jedoch vor allem eine erneute Legitimierung: Arafat sah sich abermals durch eine breite Mobilisierung innerhalb der Bevölkerung und auch die Unterstützung des neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Korei bestätigt. Im Zusammenhang mit dem Bau einer Mauer zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten, der durch den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon vorangetrieben wurde, erhob man im Sommer 2004 Korruptionsvorwürfe gegen die palästinensische Führung: So war am Bau der Mauer ein palästinensisches Zementunternehmen beteiligt, an dem auch Korei Teilhaber gewesen sein soll, weshalb gegen den palästinensischen Ministerpräsidenten Korruptionsklage erhoben wurde. Inzwischen wurde bekannt, dass Arafat mit einem ausgeklügelten System der Korruption und Begünstigung, d.h. durch Geldverteilung und Vergabe von Monopollizenzen, die ihm loyal ergebenen "alten Kämpfer" protegierte, um mit ihrer Unterstützung dann seine Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Ende Oktober 2004 verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 75-jährigen Arafat so sehr, dass er mit israelischer Genehmigung per Hubschrauber aus seinem Arrest im Gaza-Streifen ausgeflogen wurde, um ihn in ein Pariser Spezialkrankenhaus einzuliefern.

Jassir Arafat starb am 11. November 2004 auf der Intensivstation des Percy-Miltärkrankenhauses bei Paris.

Um Arafats Nachfolge als Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde bewarben sich bei den Wahlen vom Januar 2005 der in israelischer Haft einsitzende Marwan Barguti und der vormalige palästinensische Premier Mahmoud Abbas. Bei den Wahlen vom 9. Januar 2005 unterlag Barguti jedoch mit 19,7% der Stimmen gegenüber seinem Konkurrenten Abbas, der mit 66,3% zum Nachfolger Arafats als Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde gewählt wurde.


Die Staats- und Regierungschefs Asiens
Die Staats- und Regierungschefs der Welt

NameJassir Arafat

Geboren am24.08.1929

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortJerusalem

Verstorben am11.11.2004

TodesortParis