Biografie

Traudl Junge

Die Tochter eines Münchener Braumeisters war von 1942 bis 1945 die Privatsekretärin von Adolf Hitler. "Im toten Winkel der Macht" diente Traudl Junge ihrem Idol, dessen verbrecherische Züge sie nicht wahrnehmen wollte. Sie war Zeugin des missglückten Bombenattentats gegen Hitler, das am 20. Juli 1944 von Graf Claus Schenk von Stauffenberg im Führerhauptquartier in der "Wolfsschanze" ausgeführt wurde. Auch den Zusammenbruch des so genannten Dritten Reiches erlebte Junge im Frühjahr 1945 in unmittelbarer Nähe Hitlers in dem von sowjetischen Truppen eingeschlossenen Berlin. Zusammen mit Melissa Müller schrieb sie das Buch "Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben". Ihre Erinnerungen an ihr Leben als Hitlers Sekretärin wurden in Interviewform von André Heller und Othmar Schmiderer kurz vor ihrem Tod aufgezeichnet. Der Film "Im toten Winkel – Hitlers Sekretärin" erhielt im Jahr 2002 den Publikumspreis der Berlinale...
Traudl Humps wurde am 16. März 1920 in München geboren. Ihr Vater war als Braumeister tätig.

Sie ging während der Weimarer Republik und zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft in München zur Schule. Als naive junge Frau ließ sie sich vom Machtgebaren des neuen Regimes blenden. Schon bald wollte Humps in das Machtzentrum des Nationalsozialismus, nach Berlin, umziehen. Also bewarb sie sich 1942 als Bürokraft in der "Adjutantur des Führers." Unter mehreren Mitkonkurrentinnen wurde sie ausgewählt. Dann bot ihr Adolf Hitler Ende Januar 1943 die Stelle einer seiner Privatsekretärinnen an, die sie sofort annahm. In der Reichshauptstadt lernte die neue Sekretärin des "Führers" den SS-Offizier Hans Hermann Junge kennen, den sie im Juli 1943 heiratete.

Ihr Mann ging wenig später zur Waffen-SS und fiel 1944 in der Normandie. Die neue Sekretärin war Zeugin des missglückten Bombenattentats gegen Hitler, das am 20. Juli 1944 von Graf Claus Schenk von Stauffenberg im Führerhauptquartier in der "Wolfsschanze" ausgeführt wurde. Auch den Zusammenbruch des so genannten Dritten Reiches erlebte Junge im Frühjahr 1945 in unmittelbarer Nähe Hitlers in dem von sowjetischen Truppen eingeschlossenen Berlin. Im April zog sie mit dessen engsten Mitarbeitern in den Führerbunker unter der Neuen Reichskanzlei. In der Abgeschiedenheit des Bunkers erlebte Junge den inneren Zerfall Hitlers, der jedoch gewillt war, ganz Deutschland in seinen Untergang mit hineinzureißen.

Schockiert musste die Sekreätrin zur Kenntnis nehmen, dass der Krieg verloren und der einst so beeindruckende "Führer" machtlos wurde. Dennoch blieb Junge zunächst im Führerbunker, obwohl Hitler angeordnet hatte, sie aus Berlin herauszuschaffen. Dort beging man am 20. April 1945 den 56. Geburtstag des Diktators. In der Nacht zum 29. April diktierte Hitler seiner Sekretärin sein politisches Testament, von dessen Überheblichkeit und Größenwahn Junge enttäuscht war. Dann war sie Zeugin der Eheschließung zwischen dem Diktator und seiner langjährigen Lebensgefährtin, Eva Braun. Wenig später, am 30. April 1945, begingen Adolf Hitler und Eva Braun im Führerbunker Selbstmord.

Unmittelbar danach floh Junge mit anderen Betroffenen aus dem Bunker. Nach einer vierwöchigen und 300km langen Odysee kehrte Junge Anfang Juni 1945 nach Berlin zurück, wo sie von der sowjetischen Besatzung inhaftiert wurde. Ein Jahr später gelang Junge die Flucht zu den Eltern am bayerischen Ammersee. Nach vorübergehender Haft bei den amerikanischen Besatzungsbehörden wurde sie 1947 entnazifiziert. In jener Zeit (1947/48) begann Junge, ihre Erlebnisse im Dritten Reich aufzuschreiben. Die Aufzeichnung dieser Erinnerungen bedeutete für sie ein Akt der Vergangenheitsbewältigung, begriff sie doch erst jetzt den verbrecherischen Charakter des Hitler-Regime in all seinen Ausmaßen.

Hitlers ehemalige Sekretärin litt zeitlebens unter ihrer einstigen naiven Begeisterungsfähigkeit gegenüber dem nationalsozialistischen Führerkult und Machtgebaren. Die Erinnerungen Junges wurden erst mehr als ein halbes Jahrhundert später veröffentlicht. Die Journalistin Melissa Müller redigierte das Manuskript und gab es 2002 zusammen mit Junge unter dem Titel "Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben" heraus. Das Buch, das die Banalität des Alltags im Zentrum der nationalsozialistischen Macht veranschaulicht, aber auch die persönliche Ausstrahlungskraft und Macht Hitlers verständlich macht, rief großes Aufsehen in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit hervor.

Auf der Grundlage der Lebenserinnerungen Junges drehten André Heller und Othmar Schmiderer 2001 den Dokumentarfilm "Im toten Winkel. Hitlers Sekretärin". Der Film beruht auf Interviews mit der 81-jährigen Junge und bringt die hermetische Abgeschlossenheit und überraschende Weltabgeschiedenheit zum Ausdruck, in der die Sekretärin 1942-1945 lebte, obwohl sie sich im Zentrum der Macht befand. Kurz nach Erscheinen ihres Buches und unmittelbar nach der Uraufführung des Films auf der Berlinale verstarb Traudl Junge am 11. Februar 2002 an einem Krebsleiden in München.

Im Jahr 2004 erlebte ein breiteres internationales Kinopublikum die beeindruckenden Zeitzeugenaussagen von Hitlers Privatsekretärin in Oliver Hirschbiegel Hitler-Verfilmung "Der Untergang".

NameTraudl Junge

Geboren am16.03.1920

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortMünchen (D).

Verstorben am11.02.2002

TodesortMünchen (D).