Biografie

Theodor W. Adorno

Der deutsche Soziologe, Philosoph, Musiktheoretiker und Komponist Theodor Wiesengrund Adorno galt als einer der Hauptvertreter der Frankfurter Schule und der Kritischen Theorie, die er maßgeblich voranbrachte. Besonders seine Kritik an der bürgerlichen Ideologie der zum Wohlstand gekommenen Nachkriegsgesellschaft wurde offen von der 1968er Generation aufgenommen. Unter anderem verfasste Theodor W. Adorno musikwissenschaftliche Schriften sowie Aufsätze zur Literatur und Kunst...

Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
Theodor Wiesengrund Adorno wurde am 11. September 1903 als Sohn des Weinhändlers Wiesengrund und seiner italienischen Frau, der Sängerin Maria Calvelli-Adorno, in Frankfurt/M. geboren.

Adorno besuchte in seiner Geburtsstadt Frankfurt das Gymnasium. In dieser Zeit lernte er den späteren Sozialwissenschaftler und Filmkritiker Siegfried Kracauer kennen. In der Zeit von 1921 bis 1923 studierte Adorno an der Frankfurter Universität Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musiktheorie. Er machte in dieser Zeit die Bekanntschaft mit dem Soziologen und Philosophen Max Horkheimer und dem Schriftsteller Walter Benjamin. Bereits während seiner Studienzeit verfasste Adorno Musikkritiken für die Zeitschrift "Neue Blätter für Kunst und Literatur". 1924 schloss er sein Studium mit der Promotionsarbeit "Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie" bei Hans Cornelius ab. Mit diesem Werk zeigte sich Adorno ganz in der Tradition der transzendentalen Erkenntnistheorie.

Im Anschluss daran studierte Adorno in den beiden Jahren 1925/26 Musiktheorie und Kompositionslehre bei Alban Berg und Arnold Schönberg. Währenddessen arbeitete er als Schriftsteller und Komponist. In der Zeit von 1929 bis 1930 war er redaktioneller Mitarbeiter bei der Kulturzeitschrift "Anbruch". Im Jahr darauf promovierte Adorno mit der Arbeit "Kierkegaard, Konstruktion des Ästhetischen"; seine Antrittsvorlesung beschäftigte sich mit der "Aktualität der Philosophie". 1933, der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, erhielt er ein Lehrverbot. Ein Jahr später zog sich Adorno nach Oxford zurück. Dort wurde er dozierte am Merton College. Drei Jahre später heiratete er Gretel Karplus. 1938 siedelte Adorno nach New York über und trat offiziell dem Institut für Sozialforschung bei. Von 1942 bis 1944 lebte er in Kalifornien. Dort verfasste er zusammen mit Max Horkheimer das berühmt gewordene Werk "Dialektik der Aufklärung", das 1947 veröffentlicht wurde und nicht unumstritten blieb.

In Deutschland erschien das Werk, das sich mit der europäischen Katastrophe von Faschismus und Nationalsozialismus auseinander setzt, erst 1969. Adorno und Horkheimer beschäftigen sich darin mit der Frage, "warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt". Bis 1949 war Adorno Leiter des Research Project on Social Discrimination in Los Angeles. Dann siedelte er infolge des Kriegsendes wieder nach Deutschland über. Dort war er zunächst als außerordentlicher Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt tätig. Zugleich leitete er zusammen mit Horkheimer das Institut für Sozialforschung. In diesem Jahr veröffentlichte er den Titel "Philosophie der neuen Musik". Ein Jahr später wurde das von ihm mitverfasste Werk "Der autoritäre Charakter" publiziert. Diese empirische Studie befasst sich aus soziologischer Sicht mit dem Zusammenhang von Autoritätsgläubigkeit und Faschismus. 1951 wurde die Schrift "Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben" veröffentlicht. Adorno beteiligte sich 1952 an den Kölner Mittwochsgesprächen zu dem Thema "Die kulturelle und soziale Strukturveränderung im geeinten Deutschland".

Danach leitete er für ein Jahr die Hacker Foundation in Beverly Hills. Von 1956 bis 1969 lehrte Adorno als ordentlicher Professor für Soziologie und Philosophie an der Frankfurter Universität. 1958 wurde er zusätzlich zum Leiter des Instituts für Sozialforschung in derselben Stadt berufen. Im Jahr darauf verlieh man ihm den Berliner Kritikerpreis der Literatur. Auf dem Soziologentag von 1961 in Tübingen wurde der in die Geschichte der Sozialwissenschaften eingegangene Positivismusstreit zwischen Karl Popper und Theodor Adorno eröffnet. Acht Jahre später gab Adorno diesbezüglich die Schrift "Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie" mit heraus. 1963 ehrte ihn die Stadt Frankfurt mit der Goethe-Plakette. In seiner 1966 veröffentlichten Schrift "Negative Dialektik" brachte Adorno eine Neudefinition des Verhältnisses zwischen Subjekt und Objekt zum Ausdruck. Der Philosophie teilt er die Aufgabe zu, gesellschaftliche Probleme mit philosophischen Mitteln darzustellen.

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer haben sich als Hauptvertreter der Frankfurter Schule und der Kritischen Theorie einen Namen gemacht. Adorno kritisiert die bürgerliche Ideologie der Nachkriegsgesellschaft sowie die moderne Bürokratie und Technik. Damit verschaffte er sich besonders bei der 1968er Generation Gehör. Adorno lehnte aber die Gewalt in gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen strikt ab.

Theodor W. Adorno starb am 6. August 1969 im schweizerischen Brig an den Folgen eines Herzinfarktes.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
1933
Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen

1937
Willi Reich, Alban Berg. Mit Bergs eigenen Schriften und Beiträgen von Theodor Wiesengrund- Adorno und Ernst Krenek

1947
Max Horkheimer u. Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente

1949
Philosophie der neuen Musik

1950
T.W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson, R. Nevitt Sanford, The Authoritarian Personality

1950
Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Berlin

1952
Versuch über Wagner. Berlin

1955
Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft. Berlin

1956
Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Studien über Husserl und die phänomenologischen Antinomien

1956
Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt

1957
Aspekte der Hegelschen Philosophie

1958
Noten zur Literatur I. Berlin

1959
Klangfiguren. Musikalische Schriften I.

1960
Mahler. Eine musikalische Physiognomie

1961
Noten zur Literatur II

1962
Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen

1962
Max Horkheimer u. Theodor W. Adorno, Sociologica II. Reden und Vorträge

1963
Drei Studien zu Hegel

1963
Eingriffe. Neun kritische Modelle

1963
Der getreue Korrepetitor. Lehrschriften zur musikalischen Praxis

1963
Quasi una fantasia. Musikalische Schriften II

1964
Moments musicaux. Neu gedruckte Aufsätze 1928-1962

1964
Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie

1965
Noten zur Literatur III

1966
Negative Dialektik

1967
Ohne Leitbild. Parva Aesthetica

1968
Berg. Der Meister des kleinsten Übergangs

1968
Impromptus. Zweite Folge neu gedruckter musikalischer Aufsätze

1968
Sechs kurze Orchesterstücke

1969
Theodor W. Adorno u. Hanns Eisler, Komposition für den Film

1969
Stichworte. Kritische Modelle 2

NameTheodor W. Adorno

Geboren am11.09.1903

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortFrankfurt a.M. (D).

Verstorben am06.08.1969

TodesortBrig (CH).