Biografie

Walter Benjamin

Der Schriftsteller war einer der bedeutendsten Literatur- und Kunstkritiker in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. In seiner Kritik orientiert sich Walter Benjamin an der Produktionsästhetik und den literarischen Techniken, verbunden mit seinem geschichtsphilosophischen Denken. Als herausragendes Beispiel ist sein Essay "Goethes Wahlverwandtschaften" zu nennen. Benjamin thematisiert unter anderem den Bruch mit der klassischen Ästhetik in der Moderne. Maßgebend war seit den 1960er Jahren seine Konzeption von der Kunst, die nach Benjamin ihre Distanziertheit und Einmaligkeit durch die moderne Reproduktivität verloren hat...
Walter Benjamin wurde als Sohn des Kunsthändlers Emil Benjamin und seiner Frau Pauline, geborene Schoenflies, am 15. Juli 1892 in Berlin geboren.

Walter Benjamin wuchs in einem jüdischen Großbürgerhaushalt auf. Er besuchte das Gymnasium und absolvierte sein Abitur. Ab dem Jahr 1912 studierte er an der Universität in Freiburg im Breisgau Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte, später wechselte er nach Berlin. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 begab er sich zunächst nach München und studierte dort weiter. Dann wechselte er nochmals an die Universität Bern. Dort machte er die Bekanntschaft des Philosophen Ernst Bloch und des Schriftstellers Hugo Ball. Im Jahr darauf lernte er Gershom Scholem, den späteren bekannten Religionsphilosophen, kennen. Mit ihm verband ihn eine langjährige freundschaftliche Beziehung.

Im Jahr 1917 heiratete Benjamin Dora Keller. Aus dieser Verbindung ging ein Sohn hervor; 1930 wurde die Ehe wieder geschieden. 1919 absolvierte er seine Promotion mit der Arbeit "Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik" an der Berner Universität. 1920 begann er die Arbeit zu seiner Habilitationsschrift. Er bearbeitete das Thema des deutschen Barocktrauerspiels und konfrontierte darin die Bedeutung der Allegorie mit der Kritik am neuzeitlichen Subjektbegriff. In dieser Zeit lernte er auch den Philosophen Theodor W. Adorno kennen und machte gleichzeitig Bekanntschaft mit dem Institut für Sozialforschung in Frankfurt. 1924 kam es zum Kontakt mit der lettischen Regisseurin und Schauspielerin Asja Lacis, die ihn motivierte sich mit dem Marxismus zu beschäftigen.

Im Jahr darauf wurde sein kunstkritischer und vielbeachteter Essay mit dem Titel "Goethes Wahlverwandtschaften" ediert. Benjamins Habilitationsschrift wurde 125 von der Frankfurter Universität mit der Begründung seiner für akademische Normen unüblichen Lebens- und Arbeitsweise abgelehnt. Inhaltliche Aspekte spielten bei der Ablehnung keine Rolle. Benjamin entschloss sich danach für eine Existenz als Berufsschriftsteller und Kritiker in Berlin. Er widmete sich dem Schreiben von Essays über klassische und moderne Literatur. In den beiden Jahren 1926 und 1927 hielt er sich in Moskau auf. 1928 erschien seine abgelehnte Habilitationsschrift unter dem Titel "Ursprung des deutschen Trauerspiels". Im Jahr darauf begegnete er Berthold Brecht, mit dem ihm seit dieser Zeit eine freundschaftliche Verbindung verknüpfte.

Im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 zog sich Walter Benjamin in die französische Metropole Paris zurück. Von dort aus besuchte er Bert Brecht insgesamt dreimal in Dänemark. In seiner Pariser Zeit erlebte Benjamin bittere Armut. Ab dem Jahr 1934 wurde er Mitarbeiter der "Zeitschrift für Sozialforschung" von Max Horkheimer, so dass sich seine wirtschaftliche Situation besserte. Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft von Hannah Arendt, Kurt Weill und Hermann Hesse. In der "Zeitschrift für Sozialforschung" wurde zwei Jahre später seine Arbeit mit dem Titel "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" veröffentlicht. Darin stellt Benjamin das Abhandenkommen der Einmaligkeit und Distanz von Kunst durch die technische Vervielfältigungen fest.

Gleichzeitig erkennt der Autor in seiner neuen, politischen Kunstkonzeption die Möglichkeit der politischen Wirksamkeit auf die Massen. Ebenfalls im Jahr 1936 stellte er seine autobiografischen Titel "Berliner Kindheit um 1900" und "Berliner Chronik" fertig. Erschienen sind die Werke aber erst nach seinem Tod. Walter Benjamin plante sein Hauptwerk mit dem Titel "Paris, Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts", das aber Fragment blieb. Es wurde nach seinem Tod unter dem Titel "Passagen-Werk" ediert. 1940 nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich wurde Walter Benjamin interniert, aber nach kurzer Zeit wieder frei gelassen. Er plante, in die USA zu fliehen. Max Horkheimer hatte ihm ein Visum verschafft. Von Marseille aus machte er sich auf den Weg nach Spanien, um weiter über Lissabon seine Emigration fortzusetzen.

Er gelangte an das spanische Grenzstädtchen Port Bou, wo er von den Grenzern zurückgewiesen wurde. Benjamin wartete auf das Visum. Ihm drohte die Überstellung an die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Aus Verzweiflung nahm sich Walter Benjamin mit einer Überdosis Morphium das Leben.

Walter Benjamin starb am 26. September 1940 in Port Bou. Dort wurde ihm zu Ehren eine Gedenkstätte errichtet.

NameWalter Benjamin

Geboren am15.07.1892

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortBerlin (D).

Verstorben am26.09.1940

TodesortPort Bou (ES).