Biografie

Reinhard Mohn

Der gelernte Buchhändler und Unternehmer stand als Patriarch von 1947 bis 1981 an der Spitze des Gütersloher Druck- und Verlagshauses Bertelsmann. In der Nachfolge seines Vaters baute Reinhard Mohn den provinziellen Bertelsmann-Verlag zum größten Medien- und Verlagskonzern Europas aus, der auf eine innovative innerbetriebliche Unternehmensverfassung verweisen konnte. Mohns erfolgreiche Geschäftsidee einer Buchgemeinschaft verdankte die Bertelsmann AG einen weltweiten Kundenstamm. Später kamen zum Vertriebs- und Verlagsgeschäft die Industrie- und Dienstleistungsbetriebe, das Zeitschriftengeschäft (Gruner + Jahr) und schließlich das Fernsehen (RTL) hinzu. 1977 hatte er die Bertelsmann Stiftung gründet, der er 1993 die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG übertrug…

Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Internationale Vertreter der Medienindustrie
Reinhard Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren.

Sein Vater Heinrich Mohn übernahm im selben Jahr die Führung des Bertelsmann-Verlages mit damals 85 Mitarbeitern. Nach dem Abitur wurde Mohn zum Arbeits-, dann nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen. 1943 geriet er in Tunesien in amerikanische Gefangenschaft. Als Leutnant der Luftwaffe kam Mohn in ein Offizierslager in Kansas, wo er Gelegenheit fand, sich Englisch und Management-Kenntnisse anzueignen. Zu Beginn des Jahres 1946 konnte Mohn nach Gütersloh zurückkehren.

Den anfänglichen Wunsch, ein Ingenieurstudium aufzunehmen, stellte er jedoch zurück, um gemäß dem Wunsch seines Vaters, nach einer Ausbildung im Buchhandel, die Leitung des Bertelsmann-Verlags zu übernehmen. 1947 erhielt er mit 25 Jahren die Leitung des Bertelsmann-Verlags, die er bis 1981 innehatte. Die ersten Jahre seiner Tätigkeit waren vom Wiederaufbau der kriegszerstörten Anlagen geprägt. 1950 gründete er den "Bertelsmann-Lesering".

Der "Bertelsmann-Lesering" zählte bereits am Ende des ersten Jahrzehnts 2,5 Millionen Mitglieder. Die rasche Expansion der Buchgemeinschaft katapultierte den Bertelsmann-Verlag aus der Position eines Provinzunternehmens in die eines national operierenden Konzerns. In den folgenden zwei Jahrzehnten schmiedete Reinhard Mohn, durch die Gründung weiterer Geschäftszweige und den Aufkauf fremder Druck- und Verlagshäuser, die Verlagsgruppe Bertelsmann, die 1971 in die Bertelsmann AG umgewandelt wurde. Neben Gütersloh wurde nun auch München zum Standort einiger Zweigverlage.

In den 1970er Jahren vollzog sich durch die Beteiligung an Verlagshäusern in Barcelona und New York eine zunehmende Internationalisierung von Bertelsmann. Mohn entwickelte innerhalb des Unternehmens eine spezifische, durch Kooperation und partnerschaftlichem Austausch zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung gepflegte Betriebskultur. Zur Besonderheit dieser Unternehmensphilosophie gehörten eine detaillierte Unternehmensverfassung und ein Modell zur Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter.

Im Jahr 1977 gründete Reinhard Mohn die Bertelsmann Stiftung, die seit 1988 jährlich den Carl-Bertelsmann-Preis zur Förderung von kulturellen, wissenschaftlichen, sozialen und politischen Projekten verleiht. Nachdem Mohn bereits 1981 seinen Vorstandsvorsitz abgegeben hatte, um fortan als Aufsichtsratsvorsitzender zu fungieren, zog er sich 1991 auch aus diesem Gremium zurück. Seitdem war er als Vorstandsvorsitzender für die Bertelsmann Stiftung tätig. 1993 wurde durch Mohn die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG der Bertelsmann Stiftung übertragen.

Im Jahr 1998 zog sich Mohn schließlich auch aus diesem Amt zurück, das Mark Wössner, der vormalige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, übernahm. Im selben Jahr wurde Thomas Middelhoff zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG berufen. Im Zuge der Informationsrevolution stieg das Unternehmen in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend auch in die elektronischen Medien ein, wo sich Bertelsmann inzwischen als größter europäischer Unterhaltungskonzern behauptete.

Die von Mohn lancierte Geschäftsidee hatte den Buch- und Musikclubs der Bertelsmann AG inzwischen einen internationalen Kundenstamm verschafft, der etwa 1997 weltweit auf 25 Millionen Mitglieder angewachsen war. 2000 konnte die Bertelsmann AG auf 80.000 Mitarbeiter in 60 Ländern der Welt verweisen. Zu den jüngeren und durchaus nicht selbstverständlichen Initiativen der Bertelsmann AG gehörte auch die ab 1998 vorangetriebene Offenlegung der Firmengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus.

Eine unabhängige Historikerkommission unter der Leitung des israelischen Historikers Saul Friedländer deckte bis Oktober 2002 die Mitwirkung des Verlagshauses an der nationalsozialistischen Kriegspropaganda und an der Verbreitung antisemitischer Stereotypen auf. Aus dem damaligen Verlagsprogramm und aus Archivrecherchen geht hervor, wie der Verlag unter dem Firmenpatriarchen Heinrich Mohn durch seine Anpassung an den nationalsozialistischen Zeitgeist enorme Gewinne machte.

Mohn kehrte im November 2000, nach dem Rücktritt Wössners, nochmals an die Spitze der Bertelsmann Stiftung zurück, wo er im Juli 2002 durch Gunter Thielen abgelöst wurde. Mohn wurde durch mehrere Auszeichnungen wie u. a. dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1994), der Ehrenbürgerschaft von Gütersloh, der Ehrenmitgliedschaft des Club of Rome (1996) sowie der Goldmedaille des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen (1998) geehrt. Für Verdienste um die Stadt Jerusalem erhielten Reinhard und Liz Mohn Ende Oktober 2003 den Teddy-Kollek-Preis.

Obwohl er sich aus der aktiven Geschäftsführung zurückgezogen hatte, wirkte Mohn bei Bertelsmann dennoch als leitende Instanz im Hintergrund weiter. Dies zeigte sich auch 2002, als seine Differenzen mit Middelhoff zum Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden führten. Mitte März 2005 konnte der größte europäische Medienkonzern für das Geschäftsjahr 2004 eine Steigerung des operativen Gewinns auf mehr als 1,4 Milliarden Euro vermelden. Der größte Umsatz Bertelsmanns wurde dabei von der RTL-Fernsehgruppe erzielt. Im September 2005 konnte der Medienkonzern für das erste Halbjahr ein deutliches operatives Plus um 8,1% auf 644 Millionen Euro verzeichnen.

Im Jahr 2007 wurde er mit dem Deutscher Gründerpreis ausgezeichnet. Privat war der Unternehmer seit 1981 in zweiter Ehe mit Elisabeth Beckmann "Liz Mohn" verheiratet. Er hatte sechs Kinder, drei aus erster, drei aus zweiter Ehe. Während sich Mohn langsam aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog, wuchs seiner zweiten Frau eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschafterversammlung (BVG) und der Bertelsmann Stiftung zu.

Reinhard Mohn starb am 3. Oktober 2009 in Steinhagen.


Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Internationale Vertreter der Medienindustrie

NameReinhard Mohn

Geboren am29.06.1921

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortGütersloh (D).

Verstorben am04.10.2009

TodesortSteinhagen (D).