Biografie

Rainer Langhans

Der deutsche Autor und Filmemacher avancierte zur populären Symbolfigur der Spontis sowie der 68er-Bewegung. Er hatte maßgeblichen Anteil an der kulturellen Umwälzung, welche die bundesdeutsche Gesellschaft infolge der Studentenproteste erfuhr. Zusammen mit anderen Gesinnungsgenossen gründete Rainer Langhans 1968 die berüchtigte "Kommune 1" in Westberlin. Im politischen Bereich galt er bald als führende Figur der sogenannten "Außerparlamentarischen Opposition" (APO). Die Boulevardpresse stilisierte Langhans indes zum "wilden" Sex-Kommunarden und Bürgerschreck...

Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975: Vordenker, Aktivisten, Idole
Rainer Langhans wurde am 19. Juni 1940 in Oschersleben geboren, wuchs aber im thüringischen Jena auf.

Sein Vater war Ingenieur. Nachdem er 1961 das Abitur abgelegt hatte, leistete Langhans bis 1962 seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr ab. Im Anschluss daran nahm er im gerade durch den Mauerbau geteilten Berlin ein Psychologie-Studium an der Freien Universität im Westteil der Stadt auf. Während seines Studiums geriet Langhans bald in Berührung mit der Studentenbewegung, die sich in Auseinandersetzung mit der tabuisierten nationalsozialistischen Vergangenheit, im Protest gegen Wiederaufrüstung und Vietnam-Krieg sowie in Auflehnung gegen verkrustete institutionelle Strukturen und Verhaltenskodexe in Schule, Universität und Gesellschaft auch in der Bundesrepublik zu formieren begann.

Zusammen mit anderen Gesinnungsgenossen wie Fritz Teufel gründete Langhans 1968 die berüchtigte "Kommune 1" in Westberlin, die in der biederen bundesrepublikanischen Öffentlichkeit bald zum Schreckgespenst für die bürgerliche Werteordnung hochstilisiert wurde. In der als "Sex-Kommune" diffamierten Wohngemeinschaft erprobten fünf Männer und drei Frauen - darunter das Fotomodell Uschi Obermaier - neue Formen des Zusammenlebens. Nicht nur im lebensweltlichen, sondern auch im politischen Bereich galt Langhans neben Teufel bald als führende Figur der sogenannten "Außerparlamentarischen Opposition" (APO), die durch künstlerische Happenings und satirische Auftritte ihre politische Botschaft einer schockierten Öffentlichkeit präsentierten.

Entgegen dem harten politischen Kern der Bewegung, der sich bald in der ideologischen Auseinandersetzung zerrieb, in Splittergruppen zerfiel und sich zum Teil - wie etwa die Fraktion um Andreas Baader und Ulrike Meinhof - zum bewaffneten Kampf gegen das System hinreißen ließ, entwickelten die Berliner Kommunarden ihr politisches Bewusstsein in erster Linie aus einem fast therapeutischen Ansatz heraus: Es galt nicht nur die äußeren Verhältnisse, die Institutionen, zu verändern, sondern sich an der eigenen Person abzuarbeiten. Der von Langhans vertretene politische Anspruch schloss daher immer auch die persönliche innere Befreiung mit ein, erkannte neben dem äußeren politischen Kampf das Ausleben von Gefühlen und Sexualität als bewusste Lebenswerte ausdrücklich an.

Im Jahr 1972 wechselte Langhans mit Uschi Obermaier nach München, wo sie zusammen eine zweite Wohngemeinschaft begründeten, in der er bis 1976 wohnte. Nach einer Sinn- und Lebenskrise wandte sich der Rebell einer indischen Sekte zu. In der bayerischen Landeshauptstadt geriet Langhans auch in Kontakt mit dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder, für den er bei vier seiner Filme als Schauspieler und Regieassistent mitarbeitete. Auch als Filmkritiker für die "Süddeutsche Zeitung" betätigte er sich. Langhans drehte auch selbst einen Dokumentarfilm über zwei APO-Vertreterinnen ("Schneeweißrosenrot"), für den er 1994 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Im folgenden Jahr publizierte er seine Überlegungen zum Faschismus in einem Buch.

Im Jahr 1996 folgte in der ARD die Ausstrahlung eines weiteren von Langhans produzierten Dokumentarstreifens über Nahtod-Erfahrungen ("Todespioniere"). Um die Jahrtausendwende wurde es zunehmend ruhiger um Langhans, der sich durch Gelegenheitsjobs wie etwa als Fahrradkurier über Wasser hielt. Erst 2003 erschien Langhans wieder in der deutschen Öffentlichkeit, wo er sich im Februar mit den ehemaligen Freundinnen seines "Harems" eine Woche lang täglich 24 Stunden von Fernsehkameras beobachten ließ. Die Neuauflage einer "Big Brother"-Sendung wurde im März 2003 unter dem Titel "Die Kommune" in den privaten Lokalsendern "TV.Berlin" und "TV.München" ausgestrahlt. Ab Ostern 2007 beantwortete er für ein Online-Magazin öffentlich Leseranfragen mit regelmäßigen Videokolumnen. 2011 war er Teilnehmer in der 5. Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!".


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975: Vordenker, Aktivisten, Idole

NameRainer Langhans

Geboren am19.06.1940

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortOschersleben (D).