Biografie

Fritz Teufel

Der Spaß-Revoluzzer zählte in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zu den führenden Köpfen der Westberliner Studenten- und Protestbewegung. Als Gründungsmitglied der dortigen "Kommune 1" entwickelte sich Fritz Teufel 1967/68 zum "Horror-Kommunarden" und Bürgerschreck der etablierten Gesellschaft der alten Bundesrepublik. In den 1970er Jahren wurden ihm Kontakte zu linksrevolutionären Zusammenhängen wie der "Bewegung 2. Juni" nachgesagt. Auf die verbissene Konfrontation zwischen RAF und Staatsgewalt ließ sich der Alltagsrevolutionär indes nie ein...
Fritz Teufel wurde am 17. Juni 1943 in Ludwigsburg geboren.

Nach der Schule ging Teufel zum Studieren nach Westberlin. Dort geriet er in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre in den Sog der beginnenden Studenten- und Protestbewegung. Diese formierte sich um die Münchener und Berliner "Subversiven Aktion" mit Dieter Kunzelmann und Rudi Dutschke, die wenig später in die Gründung des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes" (SDS) mündete. Teufel zählte zu Jahresbeginn 1967 mit Kunzelmann zu den Gründern der Westberliner "Kommune 1" ("K1"), die als erste politisch motivierte Wohngemeinschaft in der Bundesrepublik mit ihren sozialutopischem Projekt des außerfamiliären Zusammenlebens große Furore in den Medien machte.

Das Projekt der "K1" wandte sich gegen die Kleinfamilie, die als kleinste Zelle des Staates und als Ursache für Unterdrückung und Faschismus betrachtet wurde. Während sich Dutschke der Kommune nicht anschloss und im Mai 1967 deren Ausschluss aus dem SDS durchsetzte, trat ihr im März 1967 auch Rainer Langhans bei. Die "K1" trat bald mit spektakulären Aktionen und Happenings an die Öffentlichkeit. Im Zusammenhang mit ihrem Pudding-Attentat auf den US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey gerieten Teufel und seine Wohngenossen im April 1967 erstmals in Haft. Als sie kurz darauf wieder entlassen wurden, gaben die Kommunarden ihre erste Pressekonferenz, die sie sofort bekannt machte. Wegen eines Flugblatts der "K1", das zur Brandstiftung in Kaufhäusern aufgerufen hatte, mussten sich Teufel und Langhans im Juni 1967 vor Gericht verantworten, doch die Verhandlung endete mit ihrem Freispruch.

Im Zusammenhang mit der Westberliner Demonstration gegen den Schah Mohammed Reza Pahlavi wurde Teufel am 2. Juni 1967 wegen eines angeblichen Steinwurfs verhaftet. Er blieb bis zum Verhandlungsbeginn im November des Jahres in Untersuchungshaft. Die Gerichtsverhandlung selbst wurde durch den Kommunarden in eine weitere Polit-Aktion umgewandelt, indem er dem Gericht mit ostentativer Respektlosigkeit begegnete: So beantwortete Teufel die Aufforderung sich zu erheben mit der Bemerkung "Wenn's der Wahrheitsfindung dient!". Im Dezember wurde er freigesprochen und entlassen. Als sich die "Kommune 1" im November 1969 auflöste, gehörte ihr Teufel bereits seit längerem nicht mehr an. Inzwischen hatte sich der Spaßrevoluzzer einem ernsteren politischen Aktionismus zugewandt, der zu Zeiten des sich formierenden Linksterrorismus mit der "Rote Armee Fraktion" (RAF) und der "Bewegung 2. Juni" um sich zu greifen begann.

In München wurde Teufel wegen der angeblichen Herstellung von Brandsätzen trotz mangelnder Beweislage zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er tauchte in den Untergrund ab. Im Oktober 1980 wurde er für seine angebliche Mitwirkung an der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch die "Bewegung 2. Juni" verurteilt - was der Politaktivist fünf Jahre später durch ein Alibi entkräften konnte. Danach wurde es ruhiger um den ehemaligen Aktivisten, der nun als freier Journalist für die linksalternative "taz" in Westberlin zu arbeiten begann. Auch wurde er dort nun wie Langhans als Fahrradkurier tätig. 2001 wurde ihm der "Wolfgang-Neuss-Preis für Zivilcourage" verliehen. Teufel erkrankte an Parkinson. Zuletzt lebte er zurückgezogen mit seiner Lebensgefährtin Helene Lollo in Berlin-Wedding.

Fritz Teufel starb am 6. Juli 2010 in Berlin.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975

NameFritz Teufel

Geboren am17.06.1943

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortLudwigsburg (D).

Verstorben am06.07.2010

TodesortBerlin (D).