Biografie

Nikita Chruschtschow

Der Schlosser und Ingenieur gestaltete ab den 1950er Jahren als Partei- und Staatschef der Sowjetunion die Geschicke des Kalten Krieges. In der Nachfolge Josif Stalins verlieh er der KPDSU und der UdSSR neue Impulse. Mit seinem Konzept der "friedlichen Koexistenz" stieß Nikita Chruschtschow jedoch bald an die Grenzen der sowjetischen Entspannungspolitik, der er durch seine impulsiven Auftritte auf der weltpolitischen Bühne zugleich aber auch eine unverwechselbare persönliche Note verlieh. Nach wachsender innerparteilicher Kritik an seiner Politik wurde Chruschtschow im Oktober 1964 vom ZK der KPdSU gestürzt. Als Staatschef folgte ihm Leonid Breschnew nach...

Die Staats und Parteichefs der UdSSR und der Russischen Föderation
Nikita Sergejewitsch Chruschtschow wurde am 17. April 1894 als Sohn eines Bergmannes in Kalinowka im ukrainischen Gouvernement Kursk geboren.

Nach einer Lehre arbeitete er zunächst als Maschinenschlosser in Bergwerksbetrieben. Im Zuge der Russischen Revolution trat er 1918 in die Kommunistische Partei (KP) ein, um dann auf der Seite der Roten Armee im Bürgerkrieg zu kämpfen. In den 1920er Jahren war Chruschtschow als Parteisekretär u. a. in Kiew tätig. 1929 wechselte er nach Moskau, wo er seine Parteikarriere fortsetzte. Nach seiner Wahl ins Zentralkomitee stieg er 1935 zum Vorsitzenden der KP Moskaus auf. 1939 wurde er in das Politbüro der Partei aufgenommen.

Die gefährlichen Turbulenzen von Josif Stalins Innenpolitik, die sich in einer massenhaften "Säuberung" des Parteiapparates äußerten, überlebte der zielstrebige Funktionär, indem er sich genau an die stalinistische Parteilinie hielt. Während der deutschen Invasion der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg engagierte sich Chruschtschow als Führungskraft im ukrainischen Partisanenkampf. Nach Kriegsende stieg er zunächst 1947 zum Regierungschef der Ukraine auf. 1949 wechselte er erneut nach Moskau, um im ZK der KPdSU als Sekretär tätig zu werden. Wenige Monate nach dem Tod Stalins wurde Chruschtschow am 13. September 1953 zum Ersten Sekretär des ZK der KPdSU gewählt.

Als oberster Parteiführer vollzog er in den folgenden Jahren die offizielle Abkehr vom Stalinismus, die 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU in der Verurteilung des stalinistischen Personenkultes gipfelte und eine Entstalinisierung der sowjetischen Politik und Gesellschaft zur Folge hatte. 1958 bekam Chruschtschow nach dem Ausscheiden seiner innerparteilichen Gegner und Konkurrenten auch die Leitung der Regierung in die Hand, so dass er nun Partei-und Staatsführung auf sich vereinte. Nach außen legte Chruschtschow jedoch unveränderte Härte an den Tag, die sich etwa in der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes von 1956 manifestierte.

Trotz der Bemühungen um eine friedliche Koexistenz mit dem Westen und des Moskau-Besuchs des Bundeskanzlers Konrad Adenauer von 1955 kam es zu keiner Annäherung in der deutschen Frage. Der sowjetische Staats- und Parteichef unternahm zwar mehrere Staatsbesuche in den Westen, darunter 1959 auch in die USA, die Begegnungen gerieten wegen seiner kritischen Ausfälle gegen die Politik der Westmächte jedoch zu keiner wirklichen Öffnung gegenüber dem Westen. Sprichwörtlich für seine impulsiven Auftritte auf internationalem Parkett wurde Chruschtschows temperamentvoller Ausbruch auf der UN-Vollversammlung vom September 1960 in New York, bei der er kurzerhand mit seinem Schuh auf den Tisch schlug, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen.

Die sowjetischen Westbeziehungen verhärteten sich weiter durch Chruschtschows Berlin-Ultimatum von 1958, mit dem er die Konstituierung Westberlins zur "Freien Stadt" forderte. Schließlich dokumentierte die Entscheidung für den Bau der Berliner Mauer 1961 endgültig die ungebrochene Virulenz des Kalten Krieges. Neben der diplomatischen Niederlage in der Kuba-Krise, in der er 1962/63 gegenüber US-Präsident John F. Kennedy zum Einlenken gezwungen war, spitzte sich in Chruschtschows Amtszeit auch der machtpolitische Konflikt mit der chinesischen Staatsführung um den Führungsanspruch in der kommunistischen Weltbewegung zu. Nach wachsender innerparteilicher Kritik an seiner Politik wurde Chruschtschow im Oktober 1964 vom ZK der KPdSU gestürzt.

Als Staatschef folgte ihm Leonid Breschnew nach. 1966 verlor der ehemalige Parteichef auch seinen Sitz im ZK. Als aus dem öffentlichen Leben der Sowjetunion verbannte "Unperson" verbrachte Chruschtschow seine letzten Lebensjahre in weitgehender Zurückgezogenheit.

Nikita Sergejewitsch Chruschtschow starb am 11. September 1971 in Moskau. Die Beisetzung des einst so mächtigen Mannes fand ohne öffentliche Aufmerksamkeit statt.


Die Staats und Parteichefs der UdSSR und der Russischen Föderation

NameNikita Chruschtschow

Geboren am17.04.1894

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortKalinowka (Gouv.Kursk)

Verstorben am11.09.1971

TodesortMoskau (RUS).