Biografie

Michail Bakunin

Der aus dem russischen Zarenreich stammende Offizier, Philosoph und politische Aktivist gilt als einer der theoretischen Wegbereiter des Anarchismus. Sein libertärer Sozialismus konnte sich in den 1860er und 1870er Jahren vorübergehend als Konkurrenzbewegung zum Marxismus vor allem in Italien behaupten, wo der Anarchismus bis heute in der politischen Kultur nachweisbar ist. Grundlage der anarchistischen Theorie von Michail Alexandrovich Bakunin war die uneingeschränkte Freiheit des Individuums. Bakunins Ziel war die Errichtung einer klassenlosen, auf dem Individuum gegründeten Gesellschaft, in der jegliche staatliche Autorität überflüssig wäre und in der alle Produktionsmittel in Allgemeineigentum überführt werden sollten...
Michail Alexandrovich Bakunin wurde am 30. Mai 1814 als Sohn einer Adelsfamilie in Priamuchino (Provinz Tvar) im russischen Zarenreich geboren.

Sein Vater hatte als Diplomat lange Zeit in Italien verbracht. Bakunin trat 1829 in die Armee ein, wo er bis zum Offizier aufstieg. Aus Abneigung gegen die Militärdisziplin quittierte er allerdings 1835 den Dienst, um sich zu Studienzwecken nach Moskau und Petersburg zu begeben. Er studierte Kant und Fichte und debütierte 1836 als Schriftsteller mit Übersetzungen von Fichtes Vorlesungen. Bis 1839 tat sich Bakunin in der russischen Geisteswelt als brillanter Hegelianer hervor, dem eine akademische Karriere offen zustehen schien. Im selben Jahr geriet er jedoch unter den Einfluss der politischen Oppositionellen Alexander Herzen (1812-1870) und Nicholas P. Ogarev, die ihm die Augen über die drückenden Verhältnisse im Zarenreich öffneten.

Im Jahr 1840 entschloss sich Bakunin, Russland zu verlassen, um mit 26 Jahren zunächst in Berlin sein langjähriges Emigrantenleben zu beginnen. In der preußischen Hauptstadt näherte er sich der an Einfluss gewinnenden Richtung der Linkshegelianer an. Einen ersten Ausdruck fand die neue ideologische Ausrichtung Bakunins in seiner 1842 unter Pseudonym veröffentlichten Schrift über die "Reaktion in Deutschland". Die Publikation markierte erstmals die Gegnerschaft des russischen Intellektuellen gegenüber absolutistischen Regierungssystemen, womit seine Berufsaussichten im Zarenreich endgültig zerstört waren.

Nach einem Aufenthalt in Dresden, wo er für Arnold Ruges "Deutsche Jahrbücher" arbeitete, reiste Bakunin 1843 in die Schweiz, wo er mit russischen, deutschen und polnischen Radikalen Kontakt pflegte und den deutschen Kommunismus studierte. 1844 wechselte er nach Paris, um dort bis 1847 in einen intensiven Austausch mit Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), Alexander Herzen, Karl Marx (1818-1883) und anderen Persönlichkeiten der revolutionären Schule zu treten. Die Zarenregierung konfiszierte inzwischen seinen Besitz und stellte ihm die Verbannung nach Sibirien in Aussicht. Ende 1847 wurde Bakunin wegen antizaristischer Äußerungen aus Frankreich ausgewiesen.

Doch bereits im darauffolgenden Februar nahm er aktiv an der Revolution von Paris teil, wo er sich für eine Stabilisierung und Ausdehnung der Revolution sowie eine internationale Vereinigung der demokratischen Kräfte stark macht. Bakunin forderte die Auflösung der sozialen Klassenunterschiede, die er durch Gütergemeinschaft, Einheitslohn und Aufhebung des Absolutismus herbeigeführt wissen wollte. Nach persönlichen Auseinandersetzungen mit den französischen Revolutionsführern reiste er im April 1848 in die deutschen Territorien, wo er in vielen Städten Kontakt zu den radikalen Demokraten aufnahm. Nach einem Zwischenaufenthalt in Prag stand er in Leipzig und Dresden im Austausch mit den politischen Führern der Aufstandsbewegung.

In diese Zeit fällt auch der Beginn seines Kontaktes zu Richard Wagner. Im Zuge der Niederschlagung der Revolution wurde Bakunin 1849 verhaftet und im Jahr darauf zum Tode verurteilt, schließlich zu lebenslanger Haft begnadigt. Kurz darauf erwirkte die Zarenregierung seine Auslieferung nach Russland, wo er nach einer mehrjährigen Haftstrafe 1857 nach Sibirien verbannt wurde. Erst 1861 eröffnet sich Bakunin die Möglichkeit zur Flucht aus dem Zarenreich, die ihn über Japan und die USA nach London führte. Die traumatische Niederlage der polnischen Freiheitskämpfer von 1863 veranlasste Bakunin zur Hinterfragung des Nationalitätenprinzips und markierte seinen Übergang zum revolutionären Anarchismus.

Während des folgenden mehrjährigen Italien-Aufenthalts, der ihn zunächst nach Florenz (1864), dann nach Neapel (1865-1867) führte, entwickelte er in Konkurrenz zur durch Giuseppe Mazzini geleiteten italienischen Arbeiterbewegung sein revolutionäres Programm. 1868 ließ sich Bakunin in Genf, im folgenden Jahr in Locarno nieder. 1870 wechselte er nach Lyon, wo ihn die polizeiliche Repression eines Volksaufstandes zur Flucht nach Locarno zwang. Es folgte 1872 die Übersiedelung nach Zürich. Sein libertärer Sozialismus brachte Bakunin nicht nur in Konflikt mit Mazzini in Italien, wo er dessen Arbeiterbewegung bis 1870 unter anarchistische Führung bringen konnte, sondern auch mit der von Karl Marx geleiteten I. Internationalen Arbeiterassoziation.

Im Jahr 1872 vollzog Bakunin den Bruch mit der I. Internationalen und dem Marxismus, um den Anarchismus als eigenständige sozialistische Bewegung vor allem in Italien zu etablieren, wo er sich 1874 erneut für mehrere Monate aufhielt. Nachdem er sich 1874 vorübergehend in Lugano niedergelassen hatte, reiste Michail Bakunin 1875 nach Bern.

Michail Alexandrowitsch Bakunin starb am 1. Juli 1876 überraschend Bern, Schweiz.

NameMichail Bakunin

Geboren am30.05.1814

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortPriamuchino (RUS).

Verstorben am01.07.1876

TodesortBern (CH).