Biografie

Leo Kirch

Der Unternehmer zählte zu den erfolgreichsten deutschen Medien-Managern. In mehr als 50 Jahren baute er einen der größten europäischen Film- und Fernsehkonzerne auf (ca. 15.000 Programme und Spielfilme). Durch seinen als katholisch konservativ gewerteten Geschäftsstil wurde Leo Kirch indes mit der KirchMediaGruppe zu einem der reichsten Menschen der Welt. 2002 stellte KirchMedia einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München. Die Kirch-Pleite bedeutete die größte Unternehmens-Insolvenz seit der Gründung der Bundesrepublik, die erst nach längeren Verhandlungen 2003 durch eine Teilübernahme des Medienunternehmers Haim Saban gelöst werden konnte. 2007 fand er über die Sirius GmbH in die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga für 2009 zurück...

Internationale Vertreter der Medienindustrie
Leo Kirch wurde am 21. Oktober 1926 in Würzburg als Sohn eines Winzers geboren.

Nach Abschluss der Schule mit Abitur studierte Kirch Betriebswirtschaft und Mathematik in Würzburg und München. 1952 promovierte er zum Dr. rer. pol, danach war er als Assistent an der Universität München tätig. 1956 heiratete er seine Frau Ruth verheiratet. Das Ehepaar hatte einen Sohn, Thomas Kirch. Nach dieser Ausbildung stieg Kirch 1956, mit dem Kauf von 400 Filmen von United Artists und Warner Brothers, als Rechte-Vermarkter ins Mediengeschäft ein, wozu er 1955 die Firma Sirius-Film und Einkauf GmbH gründete. Hinzu kamen 1959 die von Kirch gegründete BetaFilm und 1963 die TaurusFilm, die zum Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen dienten. 1966 folgte die Gründung der Unitel und 1968 der IdunaFilm für Spiel- und Fernsehfilmproduktionen sowie 1975 die Gründung der Firma BetaTechnik, als Servicezentrum der KirchGruppe, und 1983 der TaurusVideo.

Kirchs erste Großakquisition stellte 1985 eine 10%-Beteiligung am Hamburger Axel Springer-Verlag dar. 1987 startete Kirch mit dem amerikanischen Medienkonzern Tribune Company ein Joint Venture und 1988 erwarb er den Mehrheitsanteil an der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk, PKS. 1989 kaufte Kirch den Deutschen Bücherbund und die PKS beteiligte sich 1990 zu 43% am Fernsehsender SAT.1. Ende der 1990er Jahre wurde der Sender mit ProSieben verschmolzen und als Tochter der KirchGruppe unter der Bezeichnung ProSiebenSat1 Media AG 2000 an die Börse gebracht. Ebenso wurden die Sender Premiere und DF1 in der KirchGruppe vereint. Hierbei beteiligte sich der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch im Jahr 2000 für 2,9 Milliarden DM oder 24% an dem neu firmierten Pay-TV Sender PREMIERE WORLD.

Der Konzern bestand nun aus vier Hauptgeschäftsfeldern: 1.) Das Kerngeschäft bildete die KirchMedia, mit der Vermarktung von rund 16.000 Film- und TV-Produktionen, Programmlizenzen und Sportrechten; 2.) der Pay-TV Sender PREMIERE WORLD, mit Einnamen aus Abo-Gebühren und dem Verkauf von Decodern (d-box); 3.) die Beteiligungen an TV-Sendern wie ProSieben, SAT1, DSF, N24 sowie 4.) die Anteile von 40% am Axel Springer-Verlag. Darüber hinaus kamen die Beteiligungen von 36,5% an Constantin Film und von 50% an der Sportrechtagentur ISPR hinzu, die unter anderem die TV-Rechte der Fußball- Bundesliga kaufte. Außerdem erwarb Kirch für 3,4 Milliarden DM die europäischen Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006.

Damit wurde die KirchGruppe in Europa führender Anbieter im Film- und TV-Programm. Weiter plante Kirch, unter der Geschäftsführung von Dieter Hahn, das erste vollintegrierte Medienunternehmen Deutschlands zu werden, welches als KirchMedia AG 2002 an der Börse notiert werden sollte. Damit wäre dies der größte börsennotierte Medienkonzern in Europa geworden, der an über 40 Unternehmen weltweit beteiligt war. 2001 rechnete die KirchMedia mit einem Umsatzanstieg von 6,5 auf erstmals 7,0 Milliarden Mark oder 3,6 Milliarden Euro. Etwa zwei Drittel der Erlöse steuerte die ProSiebenSAT.1 Media AG bei, die bereits voll konsolidiert war. Seit Ende des Jahres 2001 gab es jedoch Gerüchte, dass die Kirch-Gruppe durch den amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch übernommen werden könnte.

Die KirchGruppe solle hoch verschuldet sein. Ende Januar 2002 forderte der Axel Springer Verlag für seine Beteiligung an dem zur Kirch-Gruppe gehörenden TV-Konzern ProSiebenSAT.1 rund 770 Millionen Euro zurück. Kirch erklärte die Verkaufsoption für unwirksam. Diese Forderung offenbarte die Zahlungsschwierigkeit und wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Die Hypo-Vereinsbank bot Leo Kirch 1,1 Milliarden Euro für die Springer-Beteiligung. Im Februar 2002 wurde der Schuldenberg öffentlich: 6,5 Milliarden Euro. Im März gab der Bezahlsender Premiere ein Minus vor Steuern und Zinsen von 989 Millionen Euro für das Jahr 2001 bekannt. Zur Überwindung der Krise boten die Banken dem Medienkonzern im März 2002 600-800 Millionen Euro gegen eine Beteiligung an KirchMedia, dem Kerngeschäft. Kirch erklärte seine Bereitschaft zum Rückzug aus dem Unternehmen.

Die Investoren um die Konzerne von Murdoch und Silvio Berlusconi meldeten Interesse an der KirchGruppe an. Mit ihnen stritten die Banken um einen notwendigen Überbrückungskredit. Am Montag, dem 8. April 2002, stellte KirchMedia einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München. Die Insolvenz-Verwalter bemühten sich in der Folge um die Sanierung des Konzerns; dabei ging es unter anderem um die Axel-Springer-Anteile an den Kirch-Sendern Pro Sieben-Sat1. Es wurde darüber nachgedacht, wie der Forderung von 767 Millionen Euro nachzukommen wäre. Nach monatelangen Verhandlungen erhielt schließlich der israelisch-amerikanische Unternehmer Haim Saban den Zuschlag: Nachdem Saban den deutschen Mitkonkurrenten, den Heinrich-Bauer-Verlag, ausgestochen hatte, nahm er Mitte März 2003 Verhandlungen für die Übernahme der PRO7-SAT.1-Gruppe des vormaligen Kirch-Konzerns auf.

Doch bereits Anfang Juni 2003 platzte die Vereinbarung und beide Seiten trennten sich ergebnislos. Zwischenzeitlich bemühte sich die Insolvenzverwaltung, die Krise durch einen finanziellen Eigenaufwand der KirchMedia-Gruppe und der beteiligten Banken einer hausgemachten Lösung zuzuführen. Durch ein erneutes Angebot brachte sich Saban Anfang August 2003 wieder ins Spiel. Überraschend erhielt er am 5. August für seine Option, 26% Aktienanteile von ProSiebenSAT.1 zu übernehmen, den Zuschlag. Seither wurde die vormalige KirchMediaGruppe von dem israelisch-amerikanischen Medienunternehmer geleitet. Kirch wurde indes wiederholt in der Öffentlichkeit mit der CDU-Parteispendenaffäre unter der früheren Bundesregierung von Helmut Kohl in Verbindung gebracht.

Mitte September 2003 wurde bekannt, dass die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Altkanzler Kohl und den Medienunternehmer wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage eingeleitet habe. Der Vorwurf bezog sich auf einen Beratervertrag, den Kirch 1999 gegen eine hohe Vergütung zugunsten Kohls eingegangen sein soll und den beide gegenüber dem früheren Bundestags-Untersuchungsausschuss verschwiegen haben sollen. Indes hatte Kirch selbst im Dezember 2003 mit einer Klage gegen die Deutsche Bank, der er Indiskretion im Vorfeld seiner Unternehmensinsolvenz vorwarf, Erfolg: Der gescheiterte Medienunternehmer forderte daraufhin 6 Milliarden Euro Schadenersatz von dem Bankhaus. Im September 2004 konnte ein Vergleich zwischen dem Verlagshaus Springer und der Kirch-Insolvenzverwaltung herbeigeführt werden.

Springer verzichtete auf sein Verkaufsrecht bezüglich seiner Beteiligung an ProSiebenSat.1, die der Verlag im Gegenteil noch aufstockte. Dafür wurde Springer eine Forderung von 325 Millionen Euro im Insolvenzverfahren anerkannt. Die Summe wurde aus einem Teilverkauf der KirchMedia an den Medienunternehmer Haim Saban finanziert, der seit 2003 die Mehrheit an ProSiebenSat.1 hatte. Nachdem ein New Yorker Gericht im September 2004 Kirchs Klage gegen die Deutsche Bank abgelehnt hatte, engagierte Kirch im November 2004 den Staranwalt David Boies für den Antrag auf Revision. Hintergrund der Affäre war, dass der Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer 2002 in New York die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe öffentlich bezweifelt haben soll und somit nach Meinung Kirchs den Zusammenbruch seines Imperiums herbeigeführt habe. Gegen Jahresende 2004 wurde bekannt, dass der Bundesgerichtshof einem Revisionsantrag der Deutschen Bank im Schadensersatzstreit mit Kirch entsprochen hatte.

Nachdem der BGH am 24. Januar 2006 für Kirch entschieden hat, hatte Rolf E. Breuer am 3. Mai 2006 sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank niedergelegt. Da festgestellt wurde, dass nur der Gesellschaft, die bei der Deutschen Bank den Kredit aufgenommen hatte (PrintBeteiligungs GmbH), nicht aber Kirch oder anderen Gesellschaften der KirchGruppe Schadenersatz grundsätzlich zusteht, plante Kirch eine Leistungsklage gegen die Deutsche Bank. Daher verklagte er die Deutsche Bank im Mai 2007 auf Schadenersatz von 1,6 Milliarden Euro. Am 9. Oktober 2007 wurde bekannt, dass der Medienunternehmer mit seinem Unternehmen Sirius GmbH ab Sommer 2009 die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga vermarkten soll, wofür er den Vereinen über sechs Jahre drei Milliarden Euro garantiert. Kirch erkrankte an Diabetes. Im Dezember 2007 musste ihm der linke Fuß amputiert werden. Durch die Folgen der Krankheit war er zuletzt nahezu erblindet.

Leo Kirch starb am 14. Juli 2011 in München.


Internationale Vertreter der Medienindustrie

NameLeo Kirch

Geboren am21.10.1926

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortWürzburg (D).

Verstorben am14.07.2011

TodesortMünchen (D).