Biografie

Jan-Carl Raspe

Der diplomierte Soziologe gehörte zu den Mitgliedern der Kommune 2 in West-Berlin, der SDS und zählte als Gründungsmitglied zum harten Kern der Roten Armee Fraktion. Damit hatte Jan-Carl Raspe wesentlichen Anteil an der militärischen Eskalation, in welche die politischen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und der sich radikalisierenden Jugend- und Protestbewegung in den 1970er Jahren gerieten. Im "Deutschen Herbst" von 1977 fand der Konflikt in der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut", der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und den Selbstmorden der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Terroristen ihren traurigen Höhepunkt...
Jan-Carl Raspe wurde am 24. Juli 1944 in Berlin geboren.

Aufgewachsen ist Jan-Carl Raspe als Sohn eines Fabrikanten in Ost-Berlin. Der Vater verstarb bereits im Jahr seiner Geburt. Ab 1961 lebte er bei Verwandten in West-Berlin. 1963 schloss er der Schule mit Abitur ab. Im Anschluss studierte er an der Freien Universität Chemie, später Soziologie. Das Studium schloss er mit dem Diplom ab. 1971 trat Raspe der Roten Armee Fraktion bei. Im Jahr 1972 kehrten Andreas Baader und Gudrun Ensslin aus ihrem Exil nach Deutschland zurück und übernahmen als "Rote Armee Fraktion" die Verantwortung für Terroranschläge im Mai, die sie in Augsburg, Hamburg sowie in Karlsruhe und im Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg durchführten.

Raspe, der sich an den Vorbereitungen und der Durchführung beteiligt hatte, wurde am 1. Juni 1972 zusammen mit Andreas Baader und Holger Meins in Frankfurt am Main verhaftet und am 28. April 1977, nach fast zweijähriger Verhandlung und 192 Verhandlungstagen, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verhandlung hatte in einem eigens für zwölf Millionen DM errichteten gepanzerten Zweckbau direkt neben dem Gelände der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim stattgefunden. Anschließend war Raspe in Köln-Ossendorf und später in Stuttgart-Stammheim inhaftiert.

Am 5. September 1977 antwortete die RAF auf das Urteil mit der Entführung von Hanns-Martin Schleyer, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Nun forderte die RAF von der Bundesrepublik die Freilassung Baaders sowie elf weiterer in Haft befindlicher Mitglieder. Jeder von ihnen, so die Forderung, sollte 100.000 DM erhalten und aus Deutschland ausgeflogen werden. Bundeskanzler Helmut Schmidt weigerte sich der Forderung nachzugeben und machte damit deutlich: "Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht erpressbar". Vier arabische Terroristen entführten daraufhin am 13. Oktober 1977 die Lufthansa-Maschine "Landshut" auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt mit neuem Ziel Mogadischu. An Bord der "Landshut" befanden sich 82 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder.

Damit schlossen sich die arabischen Entführer der RAF an und forderten die Freilassung der in Deutschland inhaftierten RAF Mitglieder. Am 18. Oktober 1977 gelang es einer Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes in einem spektakulären Einsatz, die Geiseln auf dem Rollfeld des Flughafens Mogadischu (Somalia) zu befreien. Nur wenige Stunden später begingen Jan-Carl Raspe, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, nach jahrelanger Isolationshaft in der Strafvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, Selbstmord. Alle Bemühungen der Polizei, Hanns-Martin Schleyer zu finden und zu befreien, blieben erfolglos. Am 19. Oktober 1977 wurde Hanns-Martin Schleyer tot im Kofferraum eines Autos gefunden.

Jan-Carl Raspe wurde gemeinsam mit den beiden Mitgefangenen Baader und Ensslin auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart beigesetzt.

NameJan-Carl Raspe

Geboren am24.07.1944

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortBerlin (D).

Verstorben am18.10.1977

TodesortStuttgart (D).