Biografie

Hanns-Martin Schleyer

Der promovierte Jurist und Wirtschaftsvertreter stieg nach seiner Mitwirkung in führenden Wirtschaftsverbänden unter der nationalsozialistischen Herrschaft in den 1960er und 1970er Jahren zum führenden Arbeitgeberrepräsentant der Bundesrepublik auf. Dr. Hanns Martin Schleyer war u. a Vorstandsmitglied der Daimler Benz AG, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). In dieser Funktion tat er sich als Gegner der innerbetrieblichen Mitbestimmung und anderer gewerkschaftlicher Rechte hervor, durch die er eine freie Entfaltung der Marktwirtschaft gefährdet sah. Mit seinem gewaltsamen Tod wurde Hanns Martin Schleyer 1977 zum Opfer des dramatischsten Kapitels der Geschichte der Bundesrepublik: der Auseinandersetzung zwischen Staat und linksrevolutionärem Terrorismus in dessen Kampf gegen staatliche Institutionen sowie führende Politiker und Wirtschaftsvertreter...
Hanns-Martin Schleyer wurde am 1. Mai 1915 im badischen Offenburg geboren.

Aufgewachsen ist er als einziger Sohn des Landgerichtsdirektors Ernst Schleyer und dessen Frau Helene (geb. Rheitinger). Nach dem Abitur nahm er 1933 ein Jura-Studium in Heidelberg auf, das er 1939 mit der Promotion an der Universität Innsbruck abschloss. Bereits in der Schulzeit betätigte sich Schleyer in der Teutonia-Verbindung. Dann trat er auch in die Hitlerjugend ein. Während des Studiums war er Mitglied der Studentenverbindung Suevia, als welches er sich auch in der nationalsozialistischen Studentenbewegung Heidelbergs hervortat. Es folgten noch weitere Annäherungen an den Nationalsozialismus: So wurde Schleyer Mitglied der NSDAP und der SS. Für jene Zeit ist auch die Mitwirkung Schleyers in führenden Wirtschaftsverbänden u. a. in der besetzten Tschechoslowakei bekannt: In Prag leitete er zunächst das Studentenwerk, dann wurde er zum Leiter des Präsidialbüros des Zentralverbandes der Industrie für Böhmen und Mähren ernannt.

Nachdem sich Schleyer in den Wirren des Kriegsendes in den Westen abgesetzt hatte, geriet er in Konstanz in eine dreijährige französische Internierungshaft. Am 21.10.1939 heiratete Hanns Martin Schleyer Waltrude Schleyer, geb. Ketterer (1916-2008). Aus der Ehe gingen Hanns-Eberhard (geb. 1944), Arnd (geb. 1949), Dirk (geb. 1952) und Jörg (geb. 1954) hervor.1940 leistete Schleyer seinen Wehrdienst ab, nach Kriegsverletzungen wurde er 1941 als dienstuntauglich aus der Wehrmacht entlassen. Von der Entnazifizierungs-Spruchkammer wurde er in der Folge als "Mitläufer ohne Sühnemaßnahmen" eingestuft. Daher konnte Schleyer bereits im Frühjahr 1949 in die Handelskammer Baden-Baden eintreten, wo er als Referent für Außenwirtschaft tätig wurde. Am 1. Oktober 1951 begann er in Stuttgart für die Daimler-Benz AG zu arbeiten, in deren Vorstand - Ressort Personal- und Sozialwesen - er am 1.Oktober 1963 berufen wurde.

Dort engagierte er sich in der Personal- und Ausbildungspolitik des Konzerns. Zugleich war Schleyer ab Beginn der 1960er Jahre zunehmend auch in Arbeitgeber-Organisationen vertreten. Eine führende Funktion nahm er vor allem in Verbänden der Metallindustrie Baden-Württembergs wahr. Hier machte er 1966 durch die Aussperrung streikender Metallarbeiter von sich reden. Ab 1968 koordinierte Schleyer die Unternehmensleitung von Mercedes Benz in Friedrichshafen, einer Tochtergesellschaft von Daimler Benz. 1973 übernahm er die Präsidentschaft über die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). In dieser Funktion tat er sich als Gegner der innerbetrieblichen Mitbestimmung und anderer gewerkschaftlicher Rechte hervor, durch die er eine freie Entfaltung der Marktwirtschaft gefährdet sah.

Aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit für die BDA und der darin bewiesenen Führungsqualitäten wurde Hanns-Martin Schleyer 1977 auch zum Präsidenten des Bundesverbandes der Industrie (BDI) berufen. Seine exponierte Stellung ließ den Arbeitgeberpräsidenten zu einem bevorzugten Ziel der Rote-Armee-Fraktion (RAF) werden. Nachdem die bewaffnete linksrevolutionäre Gruppe 1977 bereits Generalbundesanwalt Siegfried Buback und den Bankier Jürgen Ponto ermordet hatte, entführte sie am 5. September desselben Jahres Hanns-Martin Schleyer. Bei der spektakulären Aktion kamen drei Polizisten und der Fahrer Schleyers ums Leben. Ziel der Geiselnahme war die Befreiung der inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Die Krisenstäbe der Behörden reagierten zunächst mit der Verzögerung einer Entscheidung.

Die Situation spitzte sich zu, als bei ausbleibendem Fahndungserfolg die in den Medien veröffentlichten Lebenszeichen Schleyers immer dringender eine Reaktion des Staats anmahnten. Hanns Eberhard Schleyer bemühte sich durch einen Antrag beim Bundesverfassungsgericht auf Anordnung der Freilassung der RAF-Häftlinge, um damit die unmittelbar drohende Lebensgefahr seines Vaters abzuwenden. Die Bundesregierung war jedoch entschlossen, den Forderungen der RAF nicht nachzugeben. Die Bundesregierung war jedoch entschlossen, den Forderungen der RAF nicht nachzugeben. Bundeskanzler Helmut Schmidt vertrat in der Krise des sogenannten "Deutschen Herbstes von 1977" die durchaus umstrittene Auffassung, der Staat sei unter allen Umständen auch vor einer künftigen Erpressbarkeit zu schützen.

Schließlich leitete die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut", die sich mit 82 Passagieren und 5 Besatzungsmitgliedern auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt befand, am 13. Oktober 1977 die dramatische Wende ein. Die arabischen Flugzeugentführer schlossen sich den Forderungen der RAF nach Freilassung ihrer Gefangenen an. Nach einigen Zwischenlandungen im arabischen Raum, bei denen der Flugkapitän Schumann erschossen wurde, landete die "Landshut" in Mogadischu (Somalia). Dort gelang am 18. Oktober 1977 der GSG 9, einer Spezialeinheit des deutschen Bundesgrenzschutzes, die Geiselbefreiung in einem spektakulären Einsatz. Nur wenige Stunden später begingen offenbar unter dem Eindruck der mißglückten Aktion Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Hochsicherheitstrakt der Strafvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

Die Unnachgiebigkeit der Bundesregierung, der GSG-9-Einsatz in Mogadischu und die Selbstmorde von Stammheim hatten indes das Schicksal des entführten Schleyer besiegelt.

Hanns-Martin Schleyer wurde am 18. Oktober 1977 erschossen, seine Leiche wurde am 19 Oktober 1977 in Mulhouse (Elsass) im Kofferraum eines Autos aufgefunden. Am 25. Oktober 1977 fand in Stuttgart unter großer öffentlicher Anteilnahme ein Staatsakt für Hanns Martin Schleyer statt, an dem fast alle Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft teilnahmen. Schleyer wurde anschließend auf dem Ostfilderfriedhof in Stuttgart-Sillenbuch beigesetzt.

BDA und BDI haben 1977 die "Hanns Martin Schleyer"-Stiftung ins Leben gerufen. Aus ihrem tragischen Gründungsanlass hat sich die Schleyer-Stiftung die Festigung und Förderung unseres freiheitlichen Gemeinwesens zum Programm gemacht. Ihre Arbeit ist auf den Dialog Wissenschaft-Praxis gerichtet, dabei fördert sie mit zahlreichen Initiativen vor allem junge Menschen. Die Schleyer-Stiftung vergibt den von der Daimler AG aus Anlass des 5. Todestages von Hanns Martin Schleyer gestifteten "Hanns Martin Schleyer-Preis", zuletzt – auch als eine Geste der Versöhnung - an Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt.

Zum Gedenken an die Opfer des terroristischen Überfalls am 5. September 1977 wurden an der Friedrich-Schmidt-Straße in Köln-Braunsfeld eine Stele und ein Kreuz errichtet. Die 1983 im Stadtbezirk Bad-Cannstatt gebaute größte Mehrzweckhalle Stuttgarts wurde nach Hanns Martin Schleyer benannt. Heinrich Breloer produzierte 1997 das Doku-Drama "Todesspiel" über die Entführung von Hanns Martin Schleyer. 2003 produzierte Lutz Hachmeister für den NDR / WDR den Dokumentarfilm "Schleyer – Eine deutsche Geschichte", der mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde. 2004 veröffentlichte er unter dem gleichen Titel im Beck Verlag eine ausführliche Biographie über Hanns Martin Schleyer.

NameHanns-Martin Schleyer

Geboren am01.05.1915

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortOffenburg (D).

Verstorben am18.10.1977

TodesortMulhouse, Elsass (F).

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