Biografie

Gesine Schwan

Die Politikwissenschaftlerin ist politisch in der SPD engagiert und lehrte mehr als zwei Jahrzehnte an der Freien Universität Berlin. Ihre ausgeprägte Polen- und Osteuropa-Kompetenz bringt Gesine Schwan seit 1999 als Präsidentin der Europa-Universität in Frankfurt/Oder zur Geltung. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde sie durch ihre Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 2004. Die Schwerpunkte ihres Forschungs- und Lehrgebietes waren Marxismus-Studien sowie demokratische und sozialistische Staatstheorien. Seit April 2006 sitzt sie im Kuratorium des Europäischen Jugendparlaments in Deutschland. 2007 wurde Schwan Schirmherrin des deutsch-polnischen Begegnungs- und Dokumentarfilmprojekts "Stereo Cultura"...
Gesine Schwan wurde am 22. Mai 1943 in Berlin als Tochter des Oberschulrats Hans R. Schneider geboren.

Die Eltern leisteten passiven Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Schwan legte 1962 das Abitur in Berlin ab und studierte dann Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politologie an der Freien Universität Berlin und an der Universität Freiburg. Daneben absolvierte sie auch Studienaufenthalte in Warschau und Krakau, die ihre weitere wissenschaftliche Betätigung entscheidend prägten. Das nun hervorgerufene Interesse für die polnische Geistesgeschichte und Philosophie schlug sich in der Promotionsforschung nieder: 1970 promovierte Schwan an der FU Berlin mit einer Doktorarbeit über den polnischen Philosophen Leszek Kolakowski.

Im Jahr 1974 folgte die Habilitation an derselben Universität. Inzwischen hatte Schwan 1969 den Politikwissenschaftler und Professor Alexander Schwan geheiratet, mit dem sie zwei Kinder hatte und der 1989 verstarb. Unmittelbar nach der Promotion begann Schwan ihre akademische Karriere. Ab 1971 war sie zunächst als Assistenzprofessorin an der FU Berlin tätig. 1977 folgte dann die Berufung zur ordentlichen Professorin für Politikwissenschaft an derselben Universität. Hier lehrte Schwan für mehr als zwei Jahrzehnte am Otto-Suhr-Institut. Die Schwerpunkte ihres Forschungs- und Lehrgebietes waren Marxismus-Studien sowie demokratische und sozialistische Staatstheorien. Neben ihrer wissenschaftlich-akademischen Betätigung war Schwan auch immer in der Politik aktiv, wo sie sich seit langem in der SPD engagiert, deren rechten Flügel sie mitunter repräsentierte.

Eine unversöhnliche Haltung nahm sie in den 1980er Jahren gegenüber den sozialistischen Diktaturen und Menschenrechtsverletzungen in den Ostblockstaaten ein, die sie nicht durch diplomatisches Entgegenkommen im Rahmen einer westlichen Entspannungspoli-tik noch belohnt sehen wollte. Von 1977 bis 1984 gehörte Schwan der Grundwertekommission im Parteivorstand der SPD an, aus der sie offenbar wegen ihrer kompromisslosen Ablehnung der SPD-Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock abgewählt wurde. Erst 1996 kehrte sie in die Kommission zurück. Auch im akademischen Bereich nahm Schwan Gremienaufgaben wahr. So war sie von 1985 bis 1987 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. In den Jahren 1993 bis 1995 fungierte sie überdies als Dekanin des Fachbereichs für Politische Wissenschaft der FU Berlin.

Nachdem sie 1999 mit ihrer Kandidatur für die Präsidentschaft der FU Berlin gescheitert war, wurde Schwan nach Frankfurt/Oder berufen, um dort als Präsidentin die Europa-Universität "VIADRINA" zu leiten. Die internationale Institution gilt aufgrund ihrer geographischen Grenzlage und zahlreicher polnischer Studierender als Forum des akademischen und wissenschaftlichen Austausches zwischen West und Osteuropa. Die Anforderungen der neuen Aufgabe scheinen seither wie geschaffen zu sein für die Politologin, die sich schon immer politisch wie wissenschaftlich mit Osteuropa und insbesondere mit Polen auseinander setzte. Dennoch zeigte sich Schwan auch weiterhin um ein Amt in der hohen Politik bemüht. Sie kandidierte daher 2004 für die Wahl des neuen Bundespräsidenten, wobei ihr Meinungsumfragen eine große Sympathie in der Bevölkerung bescheinigten.

Da die Wahl des Staatsoberhaupts jedoch durch ein indirektes Verfahren seitens der Parteiwahlmänner erfolgte, blieb ihr die Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten verwehrt. Immerhin unterlag Schwan nur mit einer Stimme ihrem Konkurrenten: Die Nachfolge von Johannes Rau trat daher mit Horst Köhler erneut ein Mann an. Am 3. September 2004 heiratete Schwan in zweiter Ehe ihren bisherigen Lebensgefährten, den ehemaligen Weltbank-Manager Peter Eigen, in Berlin. Für ihre Arbeit im Interesse der deutsch-polnischen Aussöhnung wurde Schwan im November 2004 mit dem Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung geehrt. Im Februar 2005 erhielt Schwan den Preis "Frauen Europas - Deutschland 2005".

Seit April 2006 sitzt sie im Kuratorium des Europäischen Jugendparlaments in Deutschland. Im August 2007 wurde Schwan Schirmherrin des deutsch-polnischen Begegnungs- und Dokumentarfilmprojekts "Stereo Cultura".

NameGesine Schwan

Geboren am22.05.1943

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortBerlin (D).