Biografie

Heinrich von Pierer

Der Abkömmling habsburgischen Militäradels und promovierte Jurist war über drei Jahrzehnten für die Siemens AG in leitenden Positionen tätig. Von 1992 bis 2005 versuchte Heinrich von Pierer als Vorstandsvorsitzender von Siemens, den größten europäischen Elektro- und Elektronikkonzern durch einen radikalen Personalabbau und einschneidende Umstrukturierungen zur globalen Konkurrenzfähigkeit zu führen. Von 2005 bis 2007 diente er dem Konzern als Aufsichtsratsvorsitzender. Zugleich zeichneten sich im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 neue politische Aufgaben für den angesehenen Manager ab...

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Heinrich Karl Friedrich Eduard Pierer von Esch wurde am 26. Januar 1941 als Offizierssohn in Erlangen geboren.

Nach dem Abitur nahm Pierer an der Universität seiner Heimatstadt ein Studium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft auf. 1968 schloss er inmitten der Studentenunruhen sein Jura-Studium mit der Promotion, ein Jahr später den volkswirtschaftlichen Studiengang mit dem Diplom ab. Der zielstrebige Pierer trat noch 1969 in die "Siemens AG" in München ein, in deren Rechtsabteilung er als Syndikus tätig wurde. 1977 kam Pierer zur Siemens-Tochtergesellschaft "Kraftwerk Union AG" (KWU), für die er vor allem Großprojekte durchführte und als kaufmännischer Betreuer wirkte. Mit der 1987 vollzogenen Integration der KWU in den Mutterkonzern wurde Pierer 1988 die kaufmännische Leitung des Unternehmensbereichs KWU in der Siemens AG übertragen.

Im Jahr 1989 trat Pierer in den Vorstand des Mutterkonzerns ein. Außerdem wurde er nun zum Vorsitzenden des Bereichsvorstandes Energieerzeugung berufen. Im Herbst 1990 wurde Pierer Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG. Bereits wenige Monate später folgte 1991 die Ernennung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Konzerns. Zum Oktober 1992 übernahm Pierer dann als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG die Leitung des Elektro-Konzerns. In dieser Funktion suchte der neue Siemens-Chef den zunehmenden Umsatzeinbußen des Konzerns durch sein Management-Konzept "Top Siemens" entgegenzuwirken, das durch umfangreiche Umstrukturierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen auf eine deutliche Produktivitätssteigerung abzielte.

Der neue Konzernleiter eröffnete 1994 eine Reformoffensive, die unter spürbarer Personalrationalisierung und geschäftlicher Expansion auf den asiatisch-pazifischen Markt zu einer Steigerung von Innovation und Produktivität führen sollte. 1996 hob Pierer die automatische Lohnerhöhung für die Führungskräfte des Konzerns auf. In den folgenden Jahren machte Siemens vor allem durch einen drastischen Personalabbau in der Bundesrepublik auf sich aufmerksam, dem steigende Beschäftigtenzahlen in den Auslandsniederlassungen gegenüberstanden. Als CSU-Mitglied sprach sich von Pierer wiederholt gegen die Belastungen der deutschen Unternehmen durch Steuern und Sozialabgaben aus. Er trat somit als Verfechter der globalen Wettbewerbsfreiheit auf, die er als Grundvoraussetzung für eine Verbesserung des "Standorts Deutschland" betrachtete.

Pierer leitete eine Kooperation mit dem französischen TGV ein, um die weltweiten Marktpositionen des ICE und des französischen Hochgeschwindigkeitszuges zu gewährleisten. 1998 ließ er Industrieunternehmen des Schweizer Elektrowatt-Konzerns aufkaufen. Der Siemens-Chef war überdies in den Aufsichtsräten der Bayer AG, Hochtief AG und VW AG vertreten. Er stand dem Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft vor und wurde Mitglied des Bonner "Rates für Forschung, Technologie und Wissenschaft". 2003 wurde von Pierer im Rahmen des World Awards von Michail Gorbatschow mit dem World Business Award ausgezeichnet. Von 1972 bis 1990 gehörte er dem Erlanger Stadtrat an. Weiter war er von 1998 bis 2005 im Verwaltungsrat der TU München aktiv.

Ende Januar 2005 schied von Pierer aus dem Amt des Vorstandschefs aus, um anschließend bis 2007 den Vorsitz des Aufsichtsrats im Siemens-Konzern zu übernehmen. Sein Nachfolger als Siemens-Chef wurde Klaus Christian Kleinfeld. Für seinen Beitrag zur wirtschaftlichen Einheit Deutschlands erhielt der Siemens-Manager im Mai 2005 den BILD-Medienpreis. Im August 2005 nahm die CDU/CSU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel den Siemens-Aufsichtsratschef als Wirtschaftsberater in ihr Kompetenzteam auf. 2006 wurde von Pierer an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg für das Fach Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Industriebetriebslehre, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zum Honorarprofessor berufen.

Im April 2007 erklärte von Pierer seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG, und stellte sein Amt damit mit Beginn der Sitzung des Aufsichtsrats am 25. April 2007 zur Verfügung. Nachfolger von Pierers wurde Gerhard Cromme.

Heinrich von Pierer lebt mit seiner Frau Anette in München. Er ist Vater von drei Kindern.


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NameHeinrich von Pierer

Geboren am26.01.1941

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortErlangen (D).