Biografie

Günter Verheugen

Der Politikwissenschaftler engagierte sich seit jungen Jahren für zwei Jahrzehnte bei der FDP, deren "Wende" er 1982 zum Anlass für den Übertritt zur SPD nahm. Seither vollzog Günter Verheugen eine glänzende Karriere bei den Sozialdemokraten, die ihm leitende Positionen in der Bundespartei und Fraktion der SPD sowie im Auswärtigen Amt bescherte. Die dabei im Bereich der Außen-, Entwicklungs- und Europapolitik erworbene außerordentliche Sachkompetenz stellt er nun in seiner zweiten Amtsperiode als EU-Kommissar in Brüssel 2004-2009 unter Beweis...
Günter Verheugen wurde am 28. April 1944 in Bad Kreuznach geboren.

Sein Vater, Leo Verheugen, war im Bankwesen tätig und leitete eine Bank. Noch vor dem Studium trat Verheugen 1960 der FDP bei, wo er sich den Jungdemokraten anschloss und bereits 1962 erste Kontakte zu Hans Dietrich Genscher knüpfte. Für die liberale Jugendorganisation stellte er vorübergehend den Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen und leitete er von 1964 bis 1968 die Zeitschrift "Stimmen der jungen Generation". Inzwischen hatte Verheugen 1963 ein Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie aufgenommen, das er bis 1969 an den Universitäten Köln und Bonn abschloss. Daneben machte er 1963 bis 1965 ein journalistisches Volontariat.

Unmittelbar nach Studienabschluss wurde Verheugen 1969 als Referent für Öffentlichkeitsarbeit in das Bundesinnenministerium unter Genscher berufen. 1974 folgte Verheugen seinem Dienstherrn ins Außenministerium, wo er einen eigenen Arbeitsstab leitete. In den Jahren 1977 bis 1978 fungierte Verheugen als Bundesgeschäftsführer, 1978 bis 1982 dann als Generalsekretär der FDP. Für die parteinahe Friedrich-Naumann-Stiftung stellte er 1977 bis 1982 den Vorsitzenden. Als im Herbst 1982 die sozialliberale Koalition unter Helmut Schmidt zerbrach, wollte Verheugen die von Genscher vorangetriebene "Wende" der FDP zur CDU nicht mittragen. Zum Jahresende 1982 trat er daher von allen seinen FDP-Ämtern zurück, um zur SPD zu wechseln, für die er zunächst als Vorsitzender des Unterbezirks Kulmbach und im Präsidium der SPD Bayern tätig wurde.

Dann avancierte er zum Mitglied der Kommission für Internationale Beziehungen im SPD-Parteivorstand. Seit 1983 saß er für die Sozialdemokraten im Bundestag. In den Jahren 1987 bis 1989 leitete Verheugen die SPD-Parteizeitung "Vorwärts". Nachdem seiner erste Frau Helga 1983 verstorben war, heiratete Verheugen in zweiter Ehe Gabriele Schäfer. 1993 avancierte Verheugen zum Bundesgeschäftsführer der SPD und zu einem der Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Seit November 1994 wirkte er außerdem als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag. 1995 trat er als Bundesgeschäftsführer zurück. Er war weiterhin als außenpolitischer Sprecher der SPD tätig. Im Parlament zeigte sich Verheugen vor allem im Bereich der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik sowie der europäischen Beziehungen engagiert.

So war er Vorsitzender der deutsch-afrikanischen Parlamentariergruppe und des EU-Sonderausschusses des Bundestags. Nach dem rot-grünen Regierungswechsel vom September 1998 war Verheugen bis 1999 unter der ersten Regierung von Gerhard Schröder als Staatsminister im Auswärtigen Amt tätig. Für seinen Dienstherrn, Bundesaußenminister Joschka Fischer, war er für alle europapolitischen Fragen zuständig. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 1999 begleitete Verheugen die Bundesregierung bei ihren europapolitischen Initiativen. Im Zuge der Bildung einer neuen EU-Kommission unter Romano Prodi wurde Verheugen 1999 als EU-Kommissar für Erweiterung nach Brüssel berufen. Er legte daher sein Bundestagsmandat, das er seit 1983 ununterbrochen wahrgenommen hatte, nieder.

Während seiner ersten Amtszeit als EU-Kommissar leitete und koordinierte Verheugen in den folgenden fünf Jahren den Erweiterungsprozess der Europäischen Union, der mit der Integration weiterer 10 Mitgliedsstaaten zum Mai 2004 seinen Höhepunkt und vorläufigen Abschluss erreichte. Besondere Probleme hatte die Integration Zyperns wegen der diplomatischen Verwicklungen mit der Türkei bereitet, deren EU-Aufnahmebegehren zugleich abschlägig be-schieden worden war. Allerdings empfahl Verheugen noch im Herbst 2004, also kurz vor Ablauf seiner ersten Amtszeit als EU-Kommissar, die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, welche die europäische Integration des kleinasiatischen Landes in einem Zeitraum von 10-15 Jahren zum Ziel haben sollten.

Inzwischen war José Manuel Durão Barroso mit der Bildung der neuen EU-Kommission zum November 2004 beauftragt worden: Der portugiesische Sozialdemokrat berief erneut Verheugen in das Gremium. In seiner zweiten Amtszeit als EU-Kommissar ist er nun 2004-2009 als einer der vier Vizepräsidenten der Kommission und als Kommissar für Industrie und Unternehmen für die Wirtschafts- und Industriepolitik in Europa zuständig. Hierbei will er vor allem neue Akzente zur Förderung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit setzen, wie sie programmatisch bereits durch die Lissabonner "Agenda 2000" festgelegt worden war. Verheugen ist Mitglied der IG Medien und des Komitees für Frieden, Sicherheit und Abrüs-tung der Sozialistischen Internationale sowie Vorsitzender des Rundfunkrats der Deutschen Welle.

Verheugen ist überdies seit 1982 Träger des Komturkreuzes des Verdienstordens der Italienischen Republik, des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und seit 1997 auch des Bayerischen Verdienstordens.


Die Europäische Union (EU):
Mitgliedsstaaten und Regierungschefs

NameGünter Verheugen

Geboren am28.04.1944

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortBad Kreuznach (D).