Biografie

José Manuel Barroso

Der ehemalige antifaschistische Revolutionär und Jurist stellte von November 2004 bie Oktober 2014 den Präsidenten der EU-Kommission. Davor verdiente er sich von 2002 bis 2004 als Ministerpräsident der Portugiesischen Republik. José Manuel Durão Barroso engagiert sich seit einem Vierteljahrhundert bei den portugiesischen Sozialdemokraten. Als politischer Publizist hat er zahlreiche Aufsätze und bereits mehrere Bücher zu Fragen der Politikwissenschaft, der internationalen Beziehungen und der Europapolitik vorgelegt. 1993 erhob ihn das World Economic Forum zum Global Leader for Tomorrow, 1996 erhielt er das portugiesische Gra-Cruz da Ordem Militar de Cristo. Er wurde mit den Ehrendoktorwürden der Roger Williams Universität Rhode Island und der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Georgetown Universität Washington D.C. sowie der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genua bedacht...
José Manuel Durão Barroso wurde am 23. März 1956 in Lissabon geboren.

Nach dem Abitur studierte er Jura an der Universität seiner Heimatstadt. Während seiner Studentenzeit war Durão Barroso in den Reihen einer marxistisch-leninistischen Studentenvereinigung an der "Nelken-Revolution" beteiligt: Sie wurde von einem breiten Bündnis antifaschistischer Kräfte getragen, denen auch Jorge Fernando Branco de Sampãio angehörte, und führte im April 1974 den Sturz der faschistischen Diktatur über Portugal herbei. Als er die Studien in Lissabon abgeschlossen hatte, nahm Durão Barroso 1979 ein Auslandsstudium am Europäischen Hochschulinstitut der Universität Genf auf. In der Schweiz machte er sein Diplom in Politologie. Es folgten weitere Studien an der New Yorker Columbia-Universität und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.

Schließlich war Durão Barroso vorübergehend als Lektor für Politologie an der Universität Genf und als Visiting Scholar an der University of Georgetown in Washington (D. C.) tätig. Aufgrund einer Berufung der Universität Lissabon, wo er in der Juristischen Fakultät lehrte, kehrte Durão Barroso in seine Heimat zurück. 1985 zog er erstmals für die "Partido Social Democrata" (PSD), der er 1980 beigetreten war, ins Parlament ein, dem er seitdem angehört. 1986 wurde Durão Barroso als Staatssekretär ins Innenministerium, dann ins Außenministerium berufen. In dieser Funktion war er auch maßgeblich an den Friedensbemühungen im Bürgerkriegskonflikt von Angola beteiligt. Im November 1992 nominierte die Regierung von Cavaco Silva Durão Barroso zum Außenminister. Infolge der Wahlniederlage der Sozialdemokraten im Herbst 1995 schied er aus dem Regierungsamt wieder aus. In den Jahren 1995/96 fungierte der Sozialdemokrat als Vorsitzender der Parlamentskommission für Auswärtige Angelegenheiten. Zugleich leitete er bis 1999 die Forschungsabteilung für Internationale Beziehungen an der Universität Lusíada.

In den 1990er Jahren wirkte Barroso an einer Reihe internationaler diplomatischer Missionen wie an der Unabhängigkeitsgarantie für Osttimor, am Friedensprozess in Angola (1990/91) und Bosnien-Herzegowina (1996) sowie als UN-Berater für den Friedensprozess in Tansania (1997) mit. Er war außerdem Mitglied mehrerer Beratergruppen des UN-Generalsekretärs. Von 1996 bis 1998 lehrte er außerdem als Gast-Professor an der Washingtoner Georgetown-Universität. Nach einer schweren inneren Krise der Partei wählte man Durão Barroso im Mai 1999 zum Vorsitzenden der PSD. Außerdem erhob man ihn zum Vize-Präsidenten der "European People Party" (EPP) im Europäischen Parlament. In den folgenden drei Jahren reformierte der neue PSD-Chef die angeschlagene Partei in Portugal. Bei den Parlamentswahlen vom März 2002 wurden die Sozialdemokraten zur stärksten politischen Kraft des Landes. Einen Monat später wurde Durão Barroso zum Ministerpräsidenten der Portugiesischen Republik erhoben. In dieser Funktion gestaltete er den fortschreitenden europäischen Integrationsprozess aktiv mit.

Vor allem wirkte er an der EU-Erweiterung um 10 neue Mitglieder, die im Mai 2004 vollzogen wurde, mit. Als politischer Publizist hat Barroso zahlreiche Aufsätze und bereits mehrere Bücher zu Fragen der Politikwissenschaft, der internationalen Beziehungen und der Europapolitik vorgelegt. 2004 veröffentlichte er als Bilanz seiner zweijährigen Regierung "Reformar Dois Anos de Governo". Der Politikwissenschaftler ist außerdem Gründer und Herausgeber der Fachzeitschrift "Revista de Ciência Política". Infolge des Ausscheidens der EU-Kommission unter Romano Prodi zum November 2004 wurde Barroso zum Präsidenten der neuen Kommission bestellt, die bis 2009 amtieren wird. Barroso reichte daher Anfang Juli 2004 seinen Rücktritt als portugiesischer Ministerpräsident ein. Wenig später trat der bisherige Bürgermeister von Lissabon, Pedro Santana Lopes, die Nachfolge Barrosos als Regierungschef und als PSD-Vorsitzender an.

In Anknüpfung an die Pläne seines Vorgängers setzte sich der neue Kommissionspräsident für eine Aufstockung des EU-Etats ein, die er durch eine umstrittene Anhebung der Bezugsgröße von 1,0 auf 1,14 % des jeweiligen Bruttonationaleinkommens der Mitgliederländer realisieren will. Damit rief Barroso bereits bei seiner Amtseinführung die Kritik insbesondere der "Nettozahler" hervor, die wie Deutschland mehr in den EU-Etat einbezahlen, als sie in Form von Subventionen wieder herausbekommen. Im Oktober 2005 machte Barroso mit dem Vorschlag auf sich aufmerksam, dass die EU den wirtschaftlichen Opfern der Globalisierung durch Subventionen für Arbeitslose aus einem eigens dafür geschaffenen Topf der Union helfen sollte. Am 16. September 2009 wurde er vom Europäischen Parlament für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren, bis zum 31. Oktober 2014, gewählt (Kommission Barroso II). Am 1. November 2014 lösste ihn Jean-Claude Juncker im Amt des Präsidenten der EU-Kommission ab.

José Manuel Durão Barroso ist mit Margarida Sousa Uva verheiratet und Vater dreier Kinder.


Die Europäische Union

NameJosé Manuel Barroso

Geboren am23.03.1956

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortLissabon (Portugal)