Biografie

Romano Prodi

Der Wirtschaftswissenschaftler und Universitätsprofessor stellte von 2006 bis 2008 (noch kommissarisch) den italienischen Ministerpräsidenten, ein Amt, das er bereits von 1996 bis 1998 bekleidete. Romano Prodi betrat 1995 die innenpolitische Bühne der Italienischen Republik als Gründer des Mitte-Links-Bündnisses "Ulivo", das ihn für die folgenden drei Jahre an die Spitze der Regierung katapultierte. Von September 1999 bis November 2004 amtierte Romano Prodi als Präsident der Europäischen Kommission, in der er sich mit der Konsolidierung der Europäischen Währungsunion und der Vorbereitung der EU-Erweiterung von 2004 als dringlichsten Aufgaben konfrontiert sah...
Romano Prodi wurde am 9. August 1939 in Scandiano (Reggio Emilia, Italien) als Sohn von Mario und Enrica Prodi geboren.

Nach der Schulausbildung an einem humanistischen Gymnasium in der Provinzstadt Reggio Emilia wechselte Prodi an die Katholische Universität von Mailand, wo er 1961 in Jura promovierte. Im Anschluss an Aufbaustudien an der Londoner "School of Economics" war Prodi von 1963 bis 1971 als Assistent für Politische Ökonomie an der Universität Bologna tätig. Zugleich führten ihn seine wissenschaftlichen Forschungen 1963/64 an das Lombardische Institut für Ökonomische und Soziale Studien (ILSES) sowie 1968 an das Forschungsinstitut von Stanford. An der Universität Bologna erhielt Prodi 1971 eine Berufung auf den Lehrstuhl für Wirtschaft und Industriepolitik, den er bis 1999 innehatte. Zwischenzeitlich lehrte er 1973/74 dieselbe Fachrichtung auch an der Universität Trient, 1974 als "Visiting Professor" in Harvard.

In den Jahren 1974 bis 1978 nahm der vielseitige Wissenschaftler den Vorsitz des bolognesischen Sachbuchverlags "Il Mulino" wahr. Sein erstes politisches Amt führte ihn im November 1978 direkt in die Staatsregierung, wo er bis März 1979 den Industrieminister stellte. 1981 wirkte Prodi an der Gründung des Wirtschaftsforschungsinstituts "Nomisma" in Bologna mit, dessen wissenschaftlichem Komitee er dann bis 1995 vorstand. Von 1982 bis 1989 leitete er außerdem das staatliche "Istituto per la Ricostruzione Industriale" (IRI), nach dessen Umwandlung in eine Aktiengesellschaft er 1993/94 erneut den Vorsitz übernahm. 1995 wurde Prodi zum Ehrenvorsitzenden des wissenschaftlichen Komitees von "Nomisma" und zum Alters-Vize-Präsidenten des "Aspen Instituts" ernannt.

Im selben Jahr konkretisierte sich sein öffentliches Engagement in parteipolitischer Hinsicht: Prodi gründete 1995 den "Ulivo", ein Bündnis des Mitte-Links-Parteienspektrums, das er auch leitete. Ein Jahr später zog Prodi als Abgeordneter des "Ulivo" in die italienische Kammer ein, wo er bis 1999 vertreten blieb. Zugleich wurde Prodi im Mai 1996 in der Nachfolge von Lamberto Dini zum italienischen Ministerpräsidenten erhoben. Während seiner Amtszeit als Regierungschef, die bis Oktober 1998 andauerte, leitete er außerdem den Obersten Verwaltungsrat der Italienischen Republik. Im Jahr 1999 wurde er zum Präsidenten der Europäischen Kommission nominiert. Er legte sein italienisches Abgeordnetenmandat nieder und leitete ab September desselben Jahres die Geschäfte des europäischen Exekutivorgans in Brüssel.

In dieser Funktion war Prodi maßgeblich an der Fortführung des europäischen Integrationsprozesses, insbesondere an der Realisierung der Europäischen Währungsunion beteiligt, die mit der Einführung der 12 Mitgliedsstaaten umfassenden Euro-Zone zum 1. Januar 2002 ihren bisherigen Höhepunkt erfuhr. In seiner fünfjährigen Amtszeit sah sich der Kommissionspräsident weiterhin mit der Herausforderung konfrontiert, die aus der größten Erweiterung resultiert, die sich die Europäische Union seit ihrem Bestehen vorgenommen hatte: Für 2004 war der Beitritt von 10 neuen Mitgliedsstaaten in die EU vorgesehen. Für eine weitere Amtsperiode fand Prodi im Europäischen Rat nicht ausreichend Befürworter. Die im Juni 2004 begonnenen Sondierungen seiner Nachfolge als Präsident der EU-Kommission führten zu dem Portugiesen José Manuel Durão Barroso, der im November 2004 das Amt antrat.

Bei den italienischen Parlamentswahlen im April 2006 erhielt Prodis Mitte-Links-Bündnis L'Unione knappe Mehrheit, was ihn zum künftigen italienischen Ministerpräsidenten werden lässt. Am 21. Februar 2007 reichte er seinen Rücktritt als italienischer Ministerpräsident ein, nachdem seine zukünftige außenpolitische Linie (Rückzug der italienischen Truppen aus dem Irak) keine Mehrheit im Parlament gefunden hatte. Der italienische Staatspräsident Napolitano nahm den Rücktritt jedoch nicht an. Am 28. Februar 2007 und 2. März 2007 gewann Romano Prodi die Vertrauensabstimmungen in Senat und Abgeordnetenkammer mit 162 zu 157 und 342 zu 253 Stimmen. Damit konnte sein Mitte-Links-Bündnis die Arbeit fortsetzen. Am 21. Januar 2008 entzog die Popolari-Unione Democratici per l’Europa der Regierung Prodi ihre Unterstützung und stürzte Italien damit in eine erneute Regierungskrise.

Die für den 23. Januar 2008 anberaumte Vertrauensabstimmung in der Abgeordnetenkammer gewann Prodi. Dagegen verlor Prodi am 24. Januar 2008 die Abstimmung im Senat und reichte daraufhin seinen Rücktritt ein. Seit seinem Rücktrittsgesuch amtiert er nur noch kommissarisch. Prodis politisches und wissenschaftliches Schaffen wurde durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt. 1999 kürte man ihn zum "Europäer des Jahres". Er erhielt mehrere Ehrendoktorwürden, so etwa 2001 den Ehrendoktor in Geschichte der Universität Pisa.

Romano Prodi ist mit Flavia Franzoni verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.


Die Europäische Union

NameRomano Prodi

Geboren am09.08.1939

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortScandiano, Reggio Emilia (I).