Biografie

Georg Friedrich Daumer

Der deutsche Religionsphilosoph und Schriftsteller versuchte eine neue Religion zu konzipieren, nachdem er in der Geschichte einer so genannten Vernichtungsreligion nachgespürt hatte. Aufgrund seiner Erlanger Erfahrungen entwickelte sich Daumer zu einem scharfen Kritiker des protestantischen Christentums, insbesondere des Pietismus. Darauf konvertierte er schließlich zum Katholizismus. Daumers Hauptwerk "Die Geheimnisse des christlichen Altertums" erschien 1847. Georg Friedrich Daumer nahm den Findling Kaspar Hauser auf und stellte psychologisch-pädagogische Versuche mit ihm an. Als Lyriker trat Daumer vor allem mit Liebesgedichten und mit Übersetzungen orientalischer Gedichte hervor. Über 50 seiner Gedichte und Übersetzungen wurden von Johannes Brahms vertont...

Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche
Georg Friedrich Daumer wurde am 5. März 1800, als drittes von insgesamt sechs Kindern eines reichen Pelzhändlers, in Nürnberg geboren.

Daumer besuchte das Gymnasium und absolvierte das Abitur. Im Anschluss daran studierte er in Erlangen Theologie, doch bald wechselte er zur Philosophie über. 1823 fand er in seiner Geburtsstadt Nürnberg eine Anstellung als Gymnasialprofessor. Doch schon nach einigen Jahren legte er diese Tätigkeit nieder, um sich ausschließlich mit der Erforschung der Religions- und Geistesgeschichte zu befassen. Daumer geriet in die Konfrontation zwischen traditionellen Glaubensinhalten und der zeitgenössisch modernen Auffassung des rationalistischen Materialismus, um daraus eine eigene Position zu entwickeln. Diese Suche nach einer eigenen Anschauung über die Zusammenhänge der Welt- und Lebenserscheinungen wurde begleitet von öffentlichen Streitschriften.

Dabei war er in seiner geistigen Haltung und seinem Denkmuster seiner Zeit oftmals voraus. Zunächst profilierte sich Daumer als ausgesprochener Gegner des Christentums. Neben religiösen Schriften verfasste er Liebeslyrik und Gedichte mit Hafisthemen, die positiv rezipiert und teilweise von Johannes Brahms vertont wurden. Oftmals veröffentlichte Daumer unter den Pseudonymen Eusebius Emenran oder Amadeus Ottokar. Daumer kümmerte sich um den etwa sechszehnjährigen Findling Kaspar Hauser, der 1828 plötzlich in Nürnberg in der Öffentlichkeit als völlig verwahrloster Jugendlicher auftauchte. Hauser war vermutlich jahrelang festgehalten worden und hatte in dieser Zeit ohne menschlichen Kontakt gelebt.

Sein Wortschatz beschränkte sich auf rund 50 Wörter. Er wurde Daumer, der sein erster Lehrer wurde, in die Obhut gegeben. Kaspar Hauser lernte durch den ehemalige Gymnasialprofessor wieder richtig sprechen. Darüber hinaus förderte ihn der Lehrer in seiner gesamten persönlichen Entwicklung, so dass Hauser auch wieder zu einem Selbstwertgefühl kam. Daumer und der Nürnberger Stadtgerichtsarzt Dr. Preu stellten mit Hauser außerdem psychologische und pädagogische Experimente an. Nach zwei rätselhaften Mordanschlägen in den Jahren 1829 und 1831 wurde der Findling nach Ansbach überstellt. Daumer vermutete, dass es sich bei Kaspar Hauser um den am 29. August 1812 geborenen Sohn des Großherzogs Karl von Baden gehandelt haben könnte, der wegen Intrigen in der Adelsdynastie mit einem toten Kind vertauscht worden sein soll.

Dennoch wurde die Herkunft des Findlings bis heute nicht geklärt. In der Geschichte spürte Daumer einer "Vernichtungsreligion" nach. Dazu entstand das Werk "Feuer- und Molochdienst der Hebräer". Daumers Hauptwerk Die "Geheimnisse des christlichen Alterthums" erschien 1847 und ist seine Abrechnung mit dem Christentum. Er behauptete, die Christen hätten bis weit über die Frühzeit hinaus Kinderopfer dargebracht, entsprechend deutete er das Jesus-Wort "Lasset die Kindlein zu mir kommen" um. Im Gegensatz zu seinem gleichermaßen christenfeindlichen Epigonen Friedrich Nietzsche nahm er von seiner Kritik auch die Person Jesu nicht aus. Die grundlegende These seines Werkes war, dass das christliche Altertum im Wesentlichen Molochdienst mit jahrhundertelang fortgesetzter kultischer Anthropophagie sei.

Im Jahr 1850 machte er sich an den Versuch, eine neue Religion zu entwerfen. 1859 konvertierte Daumer zum Katholizismus. Obwohl er als Gegner des Philosophen Ludwig Feuerbach und des Theologen und Philosophen David Friedrich Strauß galt, war er ein Vorläufer in der Bibelkritik, wie sie später gerade von Strauß initiiert und betrieben wurde. Zu Daumers weiteren Werken zählen unter anderem die Titel "Religion des neuen Weltalters" (1850) und "Das Christentum und seine Urheber" (1864).

Georg Friedrich Daumer starb am 13. Dezember 1875 in Würzburg.


Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche

NameGeorg Friedrich Daumer

Geboren am05.03.1800

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortNürnberg (D).

Verstorben am13.12.1875

TodesortWürzburg (D).