Biografie

Friedrich Flick

Der Sohn eines Landwirts und Diplomkaufmann schuf im ausgehenden Deutschen Kaiserreich unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges und in der Weimarer Republik dank der Inflation einen Stahl- und Kohle-Konzern ersten Ranges, den er während der nationalsozialistischen Herrschaft zu einem europäischen Montan-Imperium ausbauen konnte. Ungeachtet seiner profitorientierten Verstrickung mit der NSDAP-Führung gelang Friedrich Flick in der westdeutschen Nachkriegswirtschaft unter Ablehnung jeglicher Entschädigungsleistungen der Wiederaufbau seines Imperiums. Als verurteilter NS-Kriegsverbrecher wurde er so nach beiden Weltkriegen einer er reichsten Deutschen...
Friedrich Flick wurde am 10. Juli 1883 in Ernsdorf-Kreuztal im Siegerland geboren.

Sein Vater war als Landwirt tätig und handelte mit Grubenholz. Nach dem Realschulabschluss ging Flick bei der Bremer Hütte in Weidenau in die Lehre. Danach leistete er den Wehrdienst ab. Es folgte ein Studium an der Handelshochschule in Köln, das Flick 1906 als Diplomkaufmann abschloss. Als Prokurist wurde Flick nun ab 1907 erneut für die Bremer Hütte tätig. 1913 wechselte er in den Vorstand der westfälischen Eisengesellschaft, 1915 trat er in den Vorstand der Charlottenhütte in Niederschelden bei Siegen ein.

Flick führte dieses Unternehmen während des Ersten Weltkrieges durch ein selbst entwickeltes technisches Verfahren zur Verhüttung zum wirtschaftlichen Erfolg. 1917 trat er kurz vor Kriegsende als Generaldirektor an die Spitze der Charlottenhütte. Unter den wirtschaftlichen und politischen Bedingungen der Weimarer Republik gelang es Flick, sein Unternehmen im Bereich Stahl und Kohle weiter ausbauen. Seine Mehrheitsbeteiligung an vielen, insbesondere oberschlesischen Eisenhütten konnte Flick angesichts der hohen Inflation in den 1920er Jahren durch relativ günstige Kredite finanzieren.

Im Jahr 1929 vereinigte Flick seine Unternehmen in der Mitteldeutschen Stahlwerke AG, für die er den Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzenden stellte. Er hielt außerdem die Mehrheitsbeteiligung an der Gelsenkirchener Bergwerks AG und an der süddeutschen Maxhütte, wodurch er maßgeblichen Einfluss respektive auf die Vereinigten Stahlwerke AG (VSt AG) und auf die Harpener Bergbau AG gewann. Infolge der Weltwirtschaftskrise von 1929 geriet das in zahlreiche Unternehmen verschachtelte Imperium Flicks in hohe Verschuldung. Es wurde nur durch die Intervention der Reichsregierung unter Heinrich Brüning (1885-1970) vor dem Bankrott bewahrt:

In der so genannten Gelsenberg-Affäre übernahm die Regierung 1932 für mehr als das Dreifache des anerkannten Börsenwertes die Aktien der Gelsenkirchener Bergwerks AG und damit auch die Aktienmehrheit der VSt AG. Nachdem Flick bis zur Weltwirtschaftskrise die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) unterstützt hatte, galten seine finanzielle Zuwendungen ab Beginn der 1930er Jahre der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler, in die er 1937 selbst eintrat. Später unterstützte der nun als "Wehrwirtschaftsführer" titulierende Unternehmer auch die SS finanziell. Dank der guten Beziehungen zur NSDAP-Führung konnte Flick nach der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 und im Zuge der nationalsozialistischen Rüstungspolitik sein Unternehmen zu ungeahntem Erfolg führen.

Im Jahr 1936 profitierte er bei der Reprivatisierung der VSt AG erneut von staatlichen Begünstigungen. Im Zuge der "Arisierung" deutscher Unternehmen baute Flick sein Imperium weiter aus, um es 1937 in der Düsseldorfer Holdinggesellschaft Friedrich Flick KG zusammenzufassen. Die nationalsozialistische Expansionspolitik bescherte dem Stahl-Magnaten überdies im Zuge des Zweiten Weltkriegs die Kontrolle über fast die gesamte europäische Montanindustrie. Zum Wachstum des Flick-Konzerns trugen auch etwa 40.000 bis 60.000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter bei, die unter schlimmsten Bedingungen ausgebeutet wurden.

Im Jahr 1945 verlor Flick seinen dritten Sohn, Rudolf, im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft erhielt Flick 1947 bei den Nürnberger Industriellen-Prozessen eine 7-jährige Gefängnisstrafe. Im Zuge der alliierten Besetzung und Teilung Deutschlands verlor er außerdem 75 % seines Besitzes. Bereits zu Jahresbeginn 1951 wurde Flick allerdings vorzeitig aus der Haft entlassen. Unter dem Druck der alliierten Wirtschaftspolitik trennte er sich ab 1952 von den ihm verbliebenen Kohle-Unternehmen, um mit dem Verkaufserlös innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten einen neuen Wirtschaftskonzern aufzubauen.

So eroberte sich Flick bis Ende der 1960er Jahre mit seiner Friedrich Flick KG in Düsseldorf in der westdeutschen Nachkriegswirtschaft einen Spitzenplatz in der Automobil- (Beteiligungen u.a. an der Daimler Benz AG), Chemie- (Beteiligungen u.a. an Dynamit Nobel) und Rüstungsindustrie (Beteiligungen u.a. an Buderus, Krauss-Maffei). Obwohl sein Unternehmen während des Nationalsozialismus von der Ausbeutung der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter profitiert hatte, lehnte Flick alle von israelischer und jüdischer Seite erhobenen Forderungen nach Entschädigungsleistungen ab. Zu Beginn der 1960er Jahre bestimmte Flick den jüngeren Sohn, Friedrich Karl Flick, zu seinem Nachfolger.

Der älteste Sohn, Otto Ernst, schied nach einer erfolglosen Prozessführung gegen den Vater 1966 aus dem Unternehmen aus. Im selben Jahr verstarb Flicks Frau, Marie Schuß.

Friedrich Flick starb am 20. Juli 1972 in Konstanz. Seinem Sohn Friedrich Karl Flick hinterließ er mit 330 Unternehmen, 300.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 18 Milliarden DM das damals größte deutsche Wirtschaftsimperium. Testamentarisch bestimmte er auch bereits seine Enkeln zu seinen Erben.


Sohn Friedrich Karl Flick
Enkel Friedrich Christian Flick

NameFriedrich Flick

Geboren am10.07.1883

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortErnsdorf-Kreuztal (D).

Verstorben am20.07.1972

TodesortKonstanz (D).